Mein Milbertshofen Idyllen im Industriegebiet

Stolz zeigt Bürgerreporterin Anna Schneid den spätgotischen St. Georgsaltar, das wertvollste Kunstwerk in Milbertshofen. Foto: Petra Schramek

Mein Viertel - AZ Serie Folge 15: Ein überraschendes Viertel: Anna Schneid berichtet über ihr Milbertshofen. Sie arbeitete ehrenamtlich für die Pfarrei St. Georg.

 

Ich lebe sehr gern in Milbertshofen, und es zieht mich nicht mehr weg. Auch wenn hier nach dem Krieg viele Bausünden begangen wurden, so hat Milbertshofen unbedingt Lebensqualität. Man muss die schönen und stillen Ecken nur kennen.

Gleich neben der Pfarrkirche St. Georg am Milbertshofener Platz bin ich geboren, und dort lebe ich auch heute noch. Nur in den 50er Jahren war ich einige Zeit weg, als ich als Au pair und in einem jüdischen Altersheim in London gearbeitet hatte. Vor dem Krieg war Milbertshofen überwiegend bäuerlich geprägt. Da waren BMW und die Knorr-Bremse noch klein. Doch aus der alten Zeit steht so gut wie nichts mehr, das Meiste wurde im Krieg zerstört. Daran erinnert nur noch der Turm der alten St.-Georgs-Kirche, in dem das wertvollste und älteste Kunstwerks Milbertshofens steht:

Der spätgotische St.-Georgs-Altar von 1510. Neben dem Turm ist ein kleiner, beschaulicher Garten. Dort entstand das bäuerliche Milbertshofen. Nach dem Krieg ging die Industrialisierung enorm voran. Das brachte dem Viertel den heute höchsten Ausländeranteil in München. So sind viele Geschäfte in ausländischer Hand. Die bunte Vielfalt prägt das Viertel.

Ich kaufe gern im Karpa-Center den fertigen Yufka-Teig für den Apfelstrudel. Überhaupt kaufe ich gern in Milbertshofen ein. Es gibt schöne Läden hier, in denen ich alles bekomme und wo mich gut aufgehoben fühle.

Es entstanden die Straßen-Schneisen, die das Viertel durchschneiden wie der Frankfurter Ring oder die Schleißheimer Straße. Doch es gibt auch viele schöne, idyllische Plätze. Nicht nur den Olympiapark. Da ist der schön gestaltete Milbertshofener Platz mit seinem großen Spielplatz, Er ist das Zentrum des Stadtteils. Da sind die vielen ruhigen und grünen Innenhöfe. Zum Beispiel auch die Künstlerkolonie beim Garibaldi. Das ist auch mit dem Restaurant La Casina im Sommer ein Traum. Was wir dringend brauchen, ist ein Wochenmarkt. Als der Curt-Mezger-Platz umgestaltet wurde, hat die Stadt vergessen, die Anschlüsse für einen Markt zu legen. Alles in allem: Ich mag mein Milbertshofen.

 

0 Kommentare