Mehrere Tauben zerfleischt Greifvogel-Rätsel in Schwabing - was steckt dahinter?

Ist ein Habicht verantwortlich für die zerfleischten Tauben in Schwabing? Foto: Google Street View/dpa

Rund um den Kurfürstenplatz in Schwabing werden Tauben gerissen. Die Anwohner machen sich Sorgen. Was steckt dahinter?

Schwabing - Es ist eine blutige Angelegenheit, die Anwohner rund um den Kurfürstenplatz beobachtet haben. Gleich mehrmals wurden in den vergangenen Wochen tote Tauben gefunden – teilweise gerupft und ohne Kopf. Was kann da los sein?

Eine Anwohnerin weiß Genaueres zu berichten: Sie hat in ihrem Garten in der Herzogstraße einen Habicht beobachtet, der eine Taube schlug. Jemand entsorgte das kopflose Tier, der Habicht kam zurück, suchte nach seiner Beute und verteidigte sich gegen Krähen. Drei Tage später lagen zwei weitere kopflose Tauben auf dem Balkon der Familie. Weitere drei Tage später entdeckte eben jene Anwohnerin in der Feilitzschstraße wieder eine tote Taube auf der Straße, wieder ohne Kopf. Ein Habicht, der Tauben den Kopf abtrennt, und das mitten in der Stadt? Die AZ hat sich erkundigt.

Eine Anfrage beim KVR und der Unteren Naturschutzbehörde ergibt: Theoretisch könnte ein Falkner mit einem Greifvogel zur Taubenvergrämung unterwegs sein – man kennt das zum Beispiel aus dem Stachus Untergeschoss – ein solcher Einsatz ist dort zur Zeit aber nicht bekannt. Handelt es sich also um ein wildlebendes Tier?

Steckt eine Sperber-Dame hinter den toten Tauben?

Sylvia Weber, Greifvogel-Expertin beim Landesbund für Vogelschutz in Bayern, erklärt, in der Stadt seien vor allem Wander- und Turmfalken zuhause, weil sie als Gebäudebrüter hier gute Bedingungen vorfinden.

Habicht und Sperber dagegen bauen Horste, sie brauchen deshalb waldartige Strukturen. Der Isarauwald, der Englische Garten, der Nymphenburger Park, das sind Areale, die ihnen schon gefallen könnten.

Aber: Habichte seien extrem scheu. Dass er sich so weit in dicht bebaute Gegenden traut, sei ungewöhnlich, auch würde ein Habicht nie auf einen Balkon abbiegen. Es mögen sich welche in der Stadt aufhalten, es gebe aber keinen Brutnachweis für München, sagt sie.

Die Expertin tippt daher eher auf einen Sperber. Genauer gesagt, eine Sperber-Dame. Die sind größer als ihre Männchen und können schon auch mal eine Taube erwischen.

"Es ist möglich, dass sich ein Sperberweibchen in dieser Gegend auf Tauben spezialisiert hat", sagt sie. "Vielleicht füttert in der Gegend jemand Tauben? Sperber jagen gerne an Vogelfutterstellen und sie sind in der Stadt durchaus nicht ungewöhnlich." Sperber, der Habicht aber auch, sind außerdem Überraschungsjäger: Sie sind extrem wendig und können auch im Geäst schlagen. Anders als etwa Falken, die sich im Flug auf ihre Beute stürzen.

Darum sollten Sie aggressive Greifvögel in Ruhe lassen

Aber trennt ein Greifvogel seiner Beute den Kopf ab? Weber erklärt, Sperber und Habichte gehen ihrer Beute an die Gurgel. Die abgetrennten Köpfe deuten für sie sonst eher auf Säuger, wie Fuchs oder Katze, hin. Was aber passt: Greifvögel rupfen ihre Beute, denn sie wollen ans Brustfleisch, die Beute wird außerdem nicht mit Stumpf und Stil verputzt.

Eines ist der Expertin wichtig: So grausig der Fund blutiger Tauben für den Menschen sein mag, dass Vögel andere Vögel jagen, sei völlig natürlich. "Wer so etwas beobachtet, sollte das Tier nicht stören, sondern in Ruhe lassen, bis es sich gesättigt hat", sagt Weber. "Sonst ist das Beutetier umsonst gestorben, und der Jäger hat sich umsonst angestrengt." Danach könne man die Reste natürlich wegräumen.

Generell, so die Vogel-Expertin, sind Greifvögel in der Stadt normal. Das Nahrungsspektrum von kleineren Vögeln bis hin zu Tauben, Ratten, Mäusen oder Kaninchen ist da. Und "je tierfeindlicher die Landwirtschaft wird, desto interessanter wird die Stadt mit ihren Parks und Friedhöfen." Dennoch: Die Tiere sind empfindlich, niemand müsse daher Angst haben, sie nähmen in der Stadt überhand. Die Zahl der Brutpaare ist überschaubar.

 

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