Mehr Sport Contador gegen Schleck: Hass-Duell am Berg

Es geht wieder auf den Tourmalet: Andy Schleck (l.) und Alberto Contador (im Gelben Trikot) liefern sich bei dieser Tour de France einen erbitterten Kampf um die Spitze. Foto: AP

Am gefürchteten Tourmalet wird sich am Donnerstag wohl die Tour de France 2010 entscheiden – zwischen den Rivalen Contador und Schleck. Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen zur Frankreich-Rundfahrt.

 

PAU Jene grandiosen Touren, die sich ins Gedächtnis der Radsportfans eingebrannt haben, waren von großen Zweikämpfen geprägt. Von Duellen, die den Mythos der Tour de France begründen. Fausto Coppi gegen Gino Bartali, Raymond Poulidor gegen Jacques Antequil, Bernhard Hinault gegen Laurent Fignon, Miguel Indurain gegen Greg LeMond, Marco Pantani gegen Jan Ullrich, Ullrich gegen Lance Armstrong. Jetzt kommt es wieder zum großen Duell: zwischen Alberto Contador und Andy Schleck. Heute steht die Königsetappe auf den gefürchteten Tourmalet an. Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen rund um diese Tour.

Wer sind die Rivalen?

Contador (27) gilt als bester Fahrer dieser Generation. Nachdem ihm 2004 in einer mehrstündigen Operation eine lebensbedrohliche Gefäßmissbildung im Gehirn entfernt wurde, gewann er 2007 erstmals die Tour, 2008 den Giro und die Vuelta. An der Tour 2008 durfte er nicht teilnehmen, da sein Astana-Team aufgrund mehrerer Dopingfälle nicht eingeladen wurde. 2009 siege er erneut bei er Tour. Im Zuge der Affäre um Doping-Arzt Fuentes wurde Contador schwer belastet. So soll das Kürzel A.C. in der Kundenliste für Contador gestanden haben, in einer späteren Fassung tauchte dieses nicht mehr auf. Contador sprach von einem „Missverständnis.“ Dopingexperte Werner Franke (siehe Interview rechts): „Einer der größten Schwindel der Sportgeschichte.“

Schleck (25), bester Nachwuchsfahrer der Tour 2008 und 2009, ist in Dopingfragen noch nicht aufgefallen. Sein Bruder Frank, der bei dieser Tour nach einem Sturz aufgeben musste, hat nachweislich an Fuentes etwa 7000 Euro überwiesen. Dopingjäger Franke behauptet: „Die Schlecks sind in Ermittlerkreisen bekannt. Frank hat sogar auf Fuentes’ Geheimkonto in der Karibik überwiesen, die Nummer bekam nicht jeder. Da wird halt der eine für den anderen mitbestellen.“

Auf jeden Fall verbindet Contador und Schleck seit der 15. Etappe eine intensive Abneigung. Als Schleck einen Kettendefekt hatte, attackierte Contador hinterhältig, nahm dem Gesamtführenden so das Gelbe Trikot ab. Danach verweigerte Schleck ihm den Handschlag: „Wir konnte er nur so was tun?“ Contador behauptete, er hatte den Defekt nicht mitbekommen, TV-Bilder bewiesen das Gegenteil. Tags darauf entschuldigte sich Contador: „Es tut mir leid.“ Schleck reagierte darauf nicht.

Das Duell – ein Hass-Duell.

Wie sauber ist diese Tour?

Dopingfälle gab’s bisher nicht. Doch Hans-Michael Holczer, Ex-Teamchef des Rennstalls Gerolsteiner, der sich nach mehreren Dopingfällen im Team aufgelöst hat: „Wer dopen will, tut es. Ich begegne heute jeder sportlichen Spitzenleistung mit gesunder Skepsis. Die Athleten gehen mit einem lachenden Auge zur Kontrolle, weil sie wissen, dass ihnen nichts nachweisbar ist. Unser Bernhard Kohl (ehemaliger österreichischer, überführter Spitzenfahrer bei Gerolsteiner, d. Red.) hat leider bewiesen, dass auch 100 negative Tests nicht besagen, dass ein Sportler sauber ist!“

Wie sind die TV-Quoten?

Nachdem sich die öffentlichen Sender wegen der Dopingfälle 2008 aus der verabschiedeten, haben sie dieses Jahr aufgerüstet. Durchschnittlich 1,21 Millionen Zuschauer haben ARD und ZDF bei ihren Übertragungen, das entspricht 10,2 Prozent Marktanteil. Damit liegt das Interesse leicht über dem des Vorjahres.

„Es sind nicht mehr die Zahlen wie vor zehn Jahren. Man muss akzeptieren, dass die Tour kein mediales Riesenereignis mehr ist“, sagt ein ARD-Sprecher. Bei Spartensender Eurosport kommt man auf etwa 500000 Zuschauer im Schnitt (Marktanteil um 4%). „Wir sind zufrieden“, sagte Eurosport-Sprecher Werner Starz. Das Interesse in Spanien und Frankreich ist ungebrochen hoch. „Dort wird die Dopingproblematik anders gesehen, Spanier und Franzosen sehen Radsport als ihren Sport“, sagt Ex-Teamchef Holczer.

Warum tut sich Lance Armstrong das noch an?

Der siebenmalige Gewinner fährt – auch wenn er bei der 16. Etappe Zeit gut machen konnte – weit hinterher. Er hat über 33 Minuten Rückstand auf Contador. „Lance weiß gar nicht, wie man aufgibt“, sagt sein Freund, Ex-Rad-Profi Marcel Wüst. Und Holczer meint: „Radsport macht süchtig. Er wird den Entschluss zurückzukehren jetzt nicht mehr so prickelnd finden. Denn Armstrong hat hier seine Aura verloren.“

Matthias Kerber

 

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