Mehr Komödie als Krimi Der 25. "Tatort" aus Münster mit Thiel und Boerne: Verstehen Sie Spaß?

Boerne (Jan Josef Liefers, li.) und Thiel (Axel Prahl) sind dem Serienmörder, der sich selbst "Der Hammer" nennt, auf der Spur Foto: WDR/Martin Menke

Im Jubiläums-"Tatort" aus Münster treibt ein Serienmörder in Strumpfhosen sein Unwesen: "Der Hammer" ist dann auch mehr Komödie als Krimi. Fans von Thiel und Boerne dürfen sich freuen, alle anderen werden vielleicht ab und zu mal die Augen verdrehen.

 

Münster – Die erfolgreichsten "Tatort"-Ermittler Deutschlands feiern Jubiläum: Bereits zum 25. Mal ermitteln Hauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und der Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) gemeinsam in Münster. Da muss natürlich auch ein besonderer Fall für die beiden her...

In "Der Hammer" bekommen es Thiel und Boerne dann auch mit einem Serienmörder zu tun. Und zwar einem ganz speziellen: Er tarnt sich als Superheld, besprüht seine Opfer mit Säure und erschlägt sie mit einem Hammer. Die erste Leiche fällt quasi vom Himmel vor einer Bus. Als später auch noch ein Zuhälter (Frank Zander) in einem Parkhaus von dem Rächer in Strumpfhosen getötet wird und eine weitere Leiche auftaucht, wird klar: Die Verbindung ist ein geplantes Bordell, das nahe eines Wohnviertels erbaut werden soll. Offenbar floss auch Schmiergeld. Eine Bürgerbewegung, darunter natürlich Thiels kiffender Vater Herbert (Claus D. Clausnitzer), wehren sich gegen das Projekt - aber wer würde so weit gehen, die Verantwortlichen gleich vollends zur Strecke zu bringen?

Dass die Münsteraner Ermittler die Verbrechensbekämpfung mit viel Heiterkeit angehen, ist bekannt. Dieses Mal treibt es Regisseur Lars Kraume ("Guten Morgen, Herr Grothe") aber auf die Spitze. Wer am Sonntagabend im Ersten am liebsten einen Krimi sieht, muss die Zähne zusammenbeißen. "Der Hammer" ist eher Komödie als spannende Unterhaltung. Fast jeder Dialog und Handgriff von Thiel und Boerne sollen offenbar für Lacher sorgen.

Schon in den ersten 15 Minuten schafft es Thiel, mit seinem Gürtel an der Wohnungstür eines Opfers hängen zu bleiben, sich saure Sahne in den Kaffee zu schütten und sich neben einem mit Säure übergossenen Toten über Boernes Jackett lustig zu machen: "Herr Ober, ich nehm' ein Kännchen Kaffee. Sieht cool aus. Wo kriegt man sowas, Berufsbekleidung?" Boerne: "So trägt jeder sein Erbe, ich das Dinner-Jackett meines Großvaters und Sie die untersetzte Figur des Ihren."

Auch die anderen Figuren sorgen mehr für Heiterkeit als für Spannung. Sänger Frank Zander ("Best of Wahnsinn") darf sich als Zuhälter ein kurzes, amüsantes Wortgefecht mit dem Mörder liefern, bevor er getötet wird. Natürlich weint nicht nur eine Frau im Leoparden-Outfit um ihn, sondern gleich zwei. Der Hammer-Mörder läuft tatsächlich die meiste Zeit im lächerlichen Strumpfhosen-Superhelden-Kostüm durch die Gegend und auch die jetzt E-Zigarette rauchende Staatsanwältin Klemm (Mechthild Großmann) muss für einen Lacher herhalten. Selbst die wirklich ernsten Szenen - der Mörder besucht Thiel zu Hause - lassen keine rechte Spannung aufkommen. Bisher hat dem Münster-"Tatort" seine Extraportion Humor allerdings auch nie geschadet, eine Top-Quote ist bestimmt auch an diesem Sonntag garantiert...

 

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