Mehr als ein 1:1 war nicht drin AZ-Analyse: Löwen mit Krampf statt Kampf

Am Ende gabs beim 1:1 gegen Arminia Bielefeld auch noch den Platzverweis als Negativ-Höhepunkt: 1860-Mittelfeldspieler Romuald Lacazette. Foto: sampics/Augenklick

Der TSV 1860 hat beim 1:1 gegen Arminia Bielefeld einen Befreiungsschlag verpasst. Die Löwen agierten dabei zu passiv und konnten nicht an die guten Leistungen der vergangenen Spiele anknüpfen. Die AZ-Spielanalyse.

 

München - Am Ende reichte es "nur" zu einem 1:1. Der TSV 1860 trennte sich am Sonntag-Nachmittag von Arminia Bielefeld mit einem Remis, das sowohl im Hinblick auf die Leistung, als auch ergebnistechnisch ein Rückschlag im Abstiegskampf war. Sechzig rutschte aufgrund des 4:3-Sieges von Fortuna Düsseldorf gegen den 1. FC Kaiserslautern auf Relegationsrang 16 ab - und muss nach wie vor um den Klassenerhalt bangen.

Das Spiel: Die Möhlmann-Elf begann nervös und schaffte es nicht, sich ein Übergewicht zu erspielen: Im Gegenteil: Die Arminen standen stabil und setzten ihrerseits immer wieder Nadelstiche. Insgesamt waren es nicht die Löwen als Heimmannschaft, sondern die Gäste, die mehr Ballbesitz und mehr Torschüsse auf dem Konto hatten.

Die Tore: Es war - einmal mehr - eine Standard-Situation, die den Löwen die Führung brachte: Michael LIendl zirkelte einen Freistoß aus dem rechten Halbfeld in den Fünfmeterraum, wo Torjäger Rubin Okotie per Kopf knapp verpasste. Dadurch verunsichert konnte Torwart Wolfgang Hesl zunächst parieren, servierte Torschütze Jan Mauersberger den Ball mit einem Reflex in die falsche Richtung auf dem Silbertablett: Nachdem Hesl die Kugel mit einer Hand nach oben wischte, musste Mauersberger nur noch den Kopf hinhalten - 1:0 (19.). Den Ausgleich setzte es in der 55. Spielminute: Romuald Lacazette spielte einen folgenschweren Fehlpassim Mittelfeld, Michael Görlitz nahm den Ball auf, marschierte durchs Mittelfeld und traf aus gut 20 Metern an den Innenpfosten und ins Tor. Der Torschütze profitierte dabei nicht nur von Lacazettes Fehlpass, sondern auch von der Tatsache, dass sich Linksverteidiger Maximilian Wittek zu seinem Gegenspieler orientierte, anstelle sich Görlitz entgegenzustellen - Mauersberger und Kai Bülow konnten schließlich auch nicht mehr eingreifen.

Das war gut: Nächstes Löwen-Spiel, nächstes Tor nach einem Standard: Dank der Künste von Spielmacher Michael Liendl (an sieben der letzten acht Treffer beteiligt) landete der Ball einmal mehr im Tor. Für Mauersberger war es der erste Saisontreffer.

Das war schlecht: Sechzig verpasste es nicht nur, aus dem Spiel heraus für Gefahr zu sorgen: Die Möhlmänner verpassten es auch, ihre Waffe besser zur Geltung zu bringen: Wer sich erst in der Schlussphase den ersten Eckball erkämpft, darf sich nicht wundern, wenn am Ende kaum brenzlige Situationen herbeigeführt werden konnten.

Möhlmann: "Mehr als einen Punkt haben wir nicht verdient"

Die Szene des Spiels: Es lief die 88. Minute, als der Franzose Romuald Lacazette nicht nur seinen eigenen, sondern den Auftritt der ganzen Mannschaft mit einem unnötigen Platzverweis krönte: Der Youngster sah wegen wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte. Erst der Fehlpass, dann der Platzverweis - der zuletzt erstaunlich routiniert agierende Lacazette musste diesmal Lehrgeld bezahlen.

Das sagt Löwen-Trainer Benno Möhlmann: "Mehr als einen Punkt haben wir nicht verdient, das muss man einfach so sagen. Dafür waren wir von Anfang an nicht in unserem Spiel. Der Gegner hat sehr gut gestanden, hat sehr gutes Zweikampfverhalten gezeigt. Wir hätten unsere Pässe präziser spielen können. Unter dem Strich muss ich es so sagen: Das ist ein weiterer Punkt für unser Ziel, die Liga zu halten, damit müssen wir leben, und das können wir auch."

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Das sagt Bielefeld-Trainer Norbert Meier: "Den Punkt haben wir uns absolut verdient. Wir haben uns auch nicht durch das Gegentor aus dem Rhythmus bringen lassen, sondern haben weiterhin versucht, nach vorne zu spielen. Wir haben natürlich vor den Standards der Sechziger gewarnt. Wir haben dabei etwas hektisch agiert. Dabei kann es eben passieren, dass bei der Wucht, die Sechzig da hat, in Rückstand gerät. Ich habe mich gefreut, dass ausgerechnet Michael Görlitz das 1:1 geschossen hat – nicht nur, weil der mal bei Benno Möhlmann gespielt hat, sondern auch, weil er Rechtsverteidiger ist. Wir haben, was das Torschuss- und eckballverhältnis angehabt haben wir klar geführt und gehen mit einem positivem Gefühl in die Länderspielpause. Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung."

 

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