Mega-Projekt überarbeitet München: Das hat sich bei den Planungen zur 2. Stammstrecke geändert

An den Planungen für die Zweite Stammstrecke wurden einige weitreichende Änderungen vorgenommen. Foto: Peter Kneffel/dpa

Die Planung zur Zweiten Stammstrecke ist stark überarbeitet worden: Was alles neu ist – vor allem in Haidhausen.

 

München - Die Deutsche Bahn nennt es "Optimierung", für die Stadtrats-Grünen ist es "schludrige Planung", für viele Münchner ein Desaster. Fest steht: Die Pläne zur Zweiten Stammstrecke wurden noch einmal grundlegend verändert. "Das rasante Bevölkerungswachstum in München, hat zusammen mit anderen Faktoren dazu geführt, dass wir unsere Ursprungsplanungen optimiert haben", begründet es Stammstrecken-Projektleiter Markus Kretschmer.

In den neuen Plänen ist nun Platz für die U-Bahn Linie U9, die 2037 kommen soll, es gibt einen neuen S-Bahnhof am Ostbahnhof, eine "Rettungsröhre" zwischen den S-Bahn Tunneln und ein (endlich) neues elektronisches Stellwerk. Das Riesen-Projekt wird jetzt aber erst zwei Jahre später fertig (2028). Die Kosten sollen sich auf 3,4 Milliarden Euro belaufen. "Wir sind damit aber immer noch voll im Rahmen der 3,8 Milliarden Euro Gesamtkosten", erläutert Kretschmer. Zu Anfang des Projekts lagen die Kosten noch bei 3,2 Milliarden, ein Sicherheits-Puffer von zusätzlichen 600 Millionen Euro wurde später genehmigt.

Die neue U-Bahn

Die neue U-Bahn-Linie U9 vom Hauptbahnhof zur Giselastraße soll 2037 in Betrieb gehen. Doch schon beim Bau der Zweiten Stammstrecke muss die U9 jetzt berücksichtigt werden.

Am Hauptbahnhof wird für den neuen U-Bahnhof eigens ein Schacht ausgehoben, die Kosten von 400 Millionen Euro trägt die Stadt. Durch diese Baumaßnahmen muss allerdings auch die Baugrube am Hauptbahnhof vergrößert werden: Sie wird jetzt noch mehr Raum im alten Hauptbahnhof einnehmen. An der Bayerstraße wird dazu ein Interimsbahnhof errichtet. "Der Hauptbahnhof mit der U9 könnte der meist-frequentierte Bahnhof Europas werden", prognostiziert Kretschmer.

Der Ostbahnhof

Am Ostbahnhof wird der S-Bahnhof jetzt nicht mehr direkt unter dem Orleansplatz gebaut, sondern an der Friedenstraße, auf der anderen Seite der Gleise. Früher fertigte die Bahn hier Autozüge ab. 2016 gab die DB das Geschäftsfeld auf. Das Gelände blieb unbebaut.

"Das wird die Haidhauser freuen, denn es bedeutet, der Orleansplatz bleibt komplett unberührt", sagt Kretschmer. Die geplante Riesen-Baustelle auf dem Platz hatte bei den Anwohnern jahrelang für Proteste gesorgt.

Damit S-Bahnen jedoch an der Friedenstraße halten können, musste nun der gesamte Streckenverlauf der neuen Stammstrecke verändert werden. Kurz vor dem Ostbahnhof geht der Tunnel nun in eine Kurve. Spekulationen, diese Kurve könne zu eng sein, stritt Kretschmer ab: "Das ist kein Problem, wir haben bei der Bahn an anderen Orten deutlich engere Kurven."

Für die Änderungen rund um den Ostbahnhof muss allerdings noch einmal ein komplettes Planfeststellungsverfahren absolviert werden. Das verzögert den Baubeginn.

Die Rettungsröhre

Die wohl unerwartetste Neuerung ist die Rettungsröhre. Anstatt alle 600 Meter einen Rettungsaufgang zu bauen, legt die Bahn nun eine dritte Röhre zwischen die beiden S-Bahntunnel. Hier wird circa alle 330 Meter ein Notausgang vom Tunnel in die Rettungsröhre führen. Wenn es im neuen Tunnel einmal brennt, kann man in die Rettungsröhre fliehen und durch sie zur nächsten Station laufen, wo ein separates Treppenhaus nach oben führt.

So fallen auch viele der geplanten Rettungsschächte weg. Gerade der Rettungsschacht an der Kellerstraße/Milchstraße/Pütrichstraße war umstritten, da Anwohner Sorge wegen der großen Baustelle auf kleinstem Raum hatten. "Diese Änderungen sind sicherlich das, was die Bürger in Haidhausen wollen. Das Viertel wird durch die neue Planung komplett von Baustellen verschont bleiben", so der Projektleiter. Der Grund, dass nicht von Anfang an mit der Rettungsröhre geplant wurde, sei, dass dieses neuartige Konzept zu Planungsbeginn illegal war. Erst durch eine neue EU-Richtlinie wurde es möglich. Eine ähnliche Rettungsröhre gibt es in Zürich, in Deutschland wird sie aber die Erste ihrer Art sein.

Das neue Stellwerk

Das Wort "Stellwerkstörung" ist jedem Pendler wohlbekannt. Grund für diese Störungen ist oft ein Problem im Relais-Stellwerk am Ostbahnhof, das inzwischen komplett überlastet ist. Jetzt soll es durch ein elektronisches Stellwerk ersetzt werden. Der Bau dieses Stellwerks kann aber nicht während des Baus der Zweiten Stammstrecke erfolgen. Da die vielen Neuerungen jedoch Planänderungsverfahren benötigen, verzögert sich der Baubeginn der Stammstrecke. Das Stellwerk soll vor den Bauarbeiten errichtet werden und 2023 fertig sein.

"Wir sind mit den Änderungen zufrieden", sagt Kretschmer. "Viele der Neuerungen sparen sogar Geld. Ab jetzt ändert sich nichts mehr. Ich denke, man muss verstehen, dass wir die besten Lösungen suchen. Letztlich ist das ja nicht irgendeine Baustelle: Wir bauen im Wohnzimmer aller Münchner."

 

4 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading