Ermittlungen gegen Münchner Arzt "Cannabis Ärzte" rufen Petition für Drogentherapie ins Leben

Rolf Müller in seiner Praxis am Maximiliansplatz. Foto: Stephan Rumpf

Der Cannabis-Arzt Rolf Müller will, dass Patienten leichter an Medikamente kommen. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft. Nun gibt es ein Petition für ein Verzeichnis von Ärzten, die medizinisches Cannabis verschreiben.

München – Die kleine Praxis am Maximiliansplatz ist seit Wochen geschlossen, Patienten, die zu Rolf Müller, Arzt für Naturheilverfahren, wollen, stehen vor verschlossener Tür.

Der 64-jährige Privatarzt mit dem grauen Vollbart war einer der wenigen Mediziner deutschlandweit, die sich darauf spezialisiert haben, medizinisches Cannabis zu verschreiben.

Seit einer Gesetzesänderung im März 2017 ist dies bei "schwerwiegenden Erkrankungen" und wenn alternative Behandlungsalternativen ausgeschöpft sind, erlaubt. Die Nachfrage in München und Umgebung war offenbar so groß und auch so einträglich, dass der Privatarzt Müller bald nach der Änderung ausschließlich Cannabis-Patienten empfing – nach eigener Aussage mehr als 500.

Münchner Cannabis-Arzt soll Verschreibe-Erlaubnis entzogen werden

Doch seit März 2018 ermittelt die Staatsanwaltschaft München gegen ihn (AZ berichtete). Sie verdächtigt den Arzt, "in einer Vielzahl von Fällen Cannabis ohne ärztliche Begründetheit verschrieben zu haben". Im Referat für Gesundheit und Umwelt läuft ein Verfahren, ihm die "Erlaubnis zur Teilhabe am Betäubungsmittelverkehr" zu entziehen. Bereits jetzt stellt er keine neuen Rezepte mehr aus.

"Die Praxisschließung bringt insbesondere meine Schmerzpatienten – darunter Krebskranke – in große Schwierigkeiten", sagt Rolf Müller. Denn es gebe zu wenige Ärzte, die überhaupt bereit sind, Cannabis auf Rezept zu verschreiben. Das bestätigt auch Franjo Grotenhermen von der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin.

Dies läge zum einen an mehrseitigen Formularen, mit denen eine Erstattung bei den Kassen vom Arzt beantragt werden muss.

Viele Ärzte kennen sich mit Cannabis nicht aus

Dazu kommt: Viele Ärzte kennen sich mit Cannabis offenbar noch zu wenig aus. Auch fürchten Ärzte Regressforderungen oder strafrechtliche Konsequenzen, wenn ihnen Fehler unterlaufen.

Seit wenigen Tagen ist nun eine Petition online (www.change.org), in der die Initiatoren vom Forum "Cannabis Ärzte" fordern, dass das Bundesgesundheitsministerium online eine Anlaufstelle von Kassen- und Privatärzten schafft. "Wir von ,Cannabis Ärzte’ erhalten täglich zahlreiche E-Mails und Telefonanrufe von vielen schwerkranken und notbedürftigen Patienten, die medizinisches Cannabis benötigen und keinen Arzt in ihrer Nähe finden. Diese Situation nimmt solch derartige Ausmaße an, dass sich sehr viele Patienten ihr Medikament selbst anzüchten müssen, um sich zu therapieren und demnach strafrechtlich verfolgt werden", heißt es in der Petition.

Alexander Arnt von der Gemeinschaft "Cannabis Ärzte": "Die Problematik betrifft nicht nur Bayern. Uns erreichen täglich zahlreiche Beschwerden aus ganz Deutschland, dass keine entsprechenden Ärzte für die Versorgung mit medizinischen Cannabis gefunden werden können." Viele kassenärztliche Vereinigungen seien nicht zur Kooperation bereit.

Hat Rolf Müller illegal Cannabis verschrieben?

Die Staatsanwaltschaft München wirft Rolf Müller vor, in einer Vielzahl von Fällen Cannabis an Patienten verschrieben zu haben, ohne dass dies ärztlich begründet gewesen sei. Er soll an einem Tag im Stadtgebiet München 85 Patienten unerlaubt medizinisches Cannabis verschrieben haben, an einem anderen 80.

Am 15. Mai wurden seine Praxis und seine Wohnadresse durchsucht. Hunderte Patientenakten wurden beschlagnahmt. In seiner Wohnung wurden zwei scharfe Schusswaffen mit Munition und ein Teleskopschlagstock gefunden, weshalb nun auch wegen eines Waffendelikts gegen ihn ermittelt wird. "Die beiden Waffen waren Erbstücke meines Vaters, die er mir auf dem Sterbebett hinterlassen hat", sagt Rolf Müller. "Er war Offizier bei der Bundeswehr, auch ich bin Reserve-Offizier".

Der Arzt ist nun auf der Suche nach einem Nachfolger, der seine Cannabis-Praxis übernimmt. Aber bislang hat er niemanden gefunden.

 

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