Mediziner-Mangel Originelles Stellengesuch: „Mir brauchn di“

Ungewöhnliche Aktion mit großem Erfolg: Diese Plakatwand in Garmisch-Partenkirchen nutzte der Arzt Stefan Streng aus Mittenwald als Stellenanzeige: „We need you – mir brauchn di“. Jetzt ist ein Bewerber gefunden. Foto: dpa

Arzt dringend gesucht: Die übliche Suche mit Anzeigen in Fachblättern hilft einem Mediziner aus Mittenwald lange nichts. Da lässt der Doktor ein Großplakat drucken – und hat prompt Erfolg

 

Mittenwald Mit einer ungewöhnlichen Aktion hat ein praktischer Arzt in Mittenwald Verstärkung gesucht - und gefunden. Stefan Streng mietete eine Plakatwand am Klinikum Garmisch-Partenkirchen. Dort ließ er auf blauem Hintergrund „We need you – mir brauchn di“ aufdrucken – und gab seine Telefonnummer gleich mit an.

 400 Euro kostete den Arzt der drei mal vier Meter große Spaß – und der Erfolg blieb nicht aus. Schon bald wird ihn in seiner Praxis eine Ärztin unterstützen, die von der Aktion erfuhr und sich bei Streng meldete. „Es fehlt nur noch die Zustimmung der Kassenärztlichen Vereinigung“, sagte der Mediziner.

Nicht nur in Mittenwald werden die Hausärzte rar. „Es ist allgemein schwierig geworden, Landarztpraxen zu besetzen“, sagte Kirsten Warweg von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). „Das Geld spielt dabei eine Rolle. Mindestens genauso schwer wiegt aber die große zeitliche Belastung der Ärzte auf dem Land.“ Die Praxen dort seien stärker frequentiert als die der städtischen Kollegen. „Außerdem fallen mehr Bereitschaftsdienste an“, erläuterte Warweg.

Die KVB-Sprecherin hält die Idee des Mittenwalder Arztes mit der Plakatwerbung daher für „interessant“. Vor der Aktion „We need you“ hatte Streng schon auf dem üblichen Weg, etwa mit Anzeigen im Deutschen Ärzteblatt, einen Nachfolger für eine krankheitsbedingt freigewordene Arztstelle im benachbarten Krün gesucht – ohne Erfolg. Der 53-Jährige vermutet, dass junge Ärzte lieber in Städte gehen, weil sie dort auf mehr gewinnbringende Privatpatienten hoffen.

Dabei habe die Region um Mittenwald mit ihrem hohen Freizeitwert einiges zu bieten. In den kommenden Jahren werden in der etwa 7500 Einwohner zählenden Feriengemeinde voraussichtlich drei Hausarztpraxen aus Altersgründen frei. Auch dafür will Streng Nachfolger finden. „Es haben sich auf die Plakataktion hin an die sieben Interessenten gemeldet, die sich in den nächsten Wochen bei uns umsehen wollen“, freut sich der Mediziner.

 

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