Medien ZDF-Serie "Klimawechsel: Bitter, böse, selbstironisch

Die 54-jährige Münchner Regisseurin Doris Dörrie Foto: dpa

Entsetzt vom Frauenbild, das das Fernsehen transportiert, steuert die Regisseurin Doris Dörrie dagegen: Sie zeigt in der Serie „Klimawechsel“ Frauen, die schon lange keine 40 mehr sind

 

Hormon-Yoga, Vaginal-Straffung, romantische Lyrik oder ein 17-jähriger Liebhaber? Gesucht wird das beste Mittel gegen die Wechseljahre. Das ZDF zeigt mit Doris Dörries „Klimawechsel“ eine erstaunlich frivol-freche Serie über vier Münchner Gymnasiallehrerinnen und ihre Gynäkologin in der hormonellen Umstellung. Mit Schweißausbrüchen, Panikattacken, Minderwertigkeitskomplexen, Gewichtszunahme und „ausgeleierten“ Geschlechtsorganen gehen die „Klimawechsel“-Frauen in den sechs Folgen nicht nur ungewöhnlich offensiv um, sondern auch wunderbar unsouverän. „Humor befreit“, sagt Dörrie, Jahrgang 1955, dazu. Und dieses Thema habe sehr viel Befreiung nötig.

Die fiktionale Beschäftigung mit den Sorgen und Nöten der modernen Frau in den Wechseljahren ist ein Tabubruch und ein Spektakel. Stars wie Ulrike Kriener, Andrea Sawatzki und Juliane Köhler hat Dörrie für ihre ungewöhnliche Studie weiblicher Befindlichkeiten jenseits der 40 gewonnen.

Aus purer Notwehr sei die Idee entstanden, erzählt Regisseurin Dörrie. Entsetzt habe sie das Frauenbild, das das Fernsehen transportiert. „All diese Frauen, die irgendwelche Farmen in Afrika aufmachen und so tun, als seien sie 40, obwohl sie doch ganz offensichtlich Mitte 50 sind“, die hielt die Münchnerin einfach nicht mehr aus. Um Dörries Frauen zu ertragen, braucht die Zuschauerin nun viel Selbstironie. Denn sie sind böse und intrigant, bitter oder voller Selbstmitleid. Und jüngere Zuschauerinnen könnten angesichts solcher Aussichten das Zittern bekommen.

Die Regisseurin findet es höchst ungerecht, dass Frauen „so viel Tapferkeit brauchen, wenn sie älter werden“, während bei Männern das Altern ja oft ein Gewinn sei. „George-Clooney-Phänomen“ nennt Dörrie das. Bei Frauen dagegen wird Sexappeal mit Jugend gleichgesetzt. „Das sind Vorurteile aus der patriarchalischen Steinzeit, die wir aber immer noch mit uns herumschleppen.“ Deshalb sprechen auch Frauen nicht gerne über die Wechseljahre, glaubt Dörrie. „Dabei ist es eine biologische Phase, ähnlich wie die Pubertät.“ Also sollte man über sie genauso reden können.

Männer könnten eine Menge lernen, würden sie sich zu „Klimawechsel“ verirren. Werden sie aber wohl nicht, denn Sat1 zeigt zeitgleich den Championsleague-Klassiker ManU gegen Bayern. Besser kann man Männer und Frauen nicht gegeneinander ausspielen.

ZDF, Mittwoch, 20.15 Uhr

Angelika Kahl
Was die Schauspielerinnen sagen:

„Ich freu mich wie ein Schnitzel“

Ulrike Kriener (55) spielt die 52-jährige Mathelehrerin Beate, die nichts mehr fürchtet als den Verlust ihres Aussehens und der Libido. Anerkennung sucht sie bei jungen Liebhabern.

Die Schauspielerin, selbst gerade Wechseljahre-geplagt, sagt: „Ich freue mich wie ein Schnitzel, dabei zu sein.“ Mit ihrer Figur Beate empfindet sie ein wenig Mitleid: „Viel bessere Waffen gegen das Älterwerden sind Intelligenz, Humor und Mut.“ Noch einmal 30 sein, davon träumt Kriener nicht. „Denn heute habe ich Selbstbewusstsein.“

„Ich bin reifer, nicht älter“

Maria Happel (47) törnt als Deutschlehrerin Angelika (50) mit ihren nächtlichen Schweißattacken den durchtrainierten Ehemann ab. Dass sie immer dicker wird, verschärft die Situation. „Ich liebe diese Rolle“, sagt Happel. „Schon alleine deshalb, weil ich während der Dreharbeiten mal nicht streng Diät halten musste. Es war mir sogar regelrecht verboten.“

Privat ist Happel aber ohnehin selbstbewusst: „Wenn sich Männer bei Frauen an Äußerlichkeiten stören, sind sie die falschen Männer“, sagt sie. Und das Wort „älter“ könne man ihretwegen ganz aus dem Wortschatz streichen, „reifer“ findet sie besser.

„Ich hab’s schon hinter mir“

Maren Kroymann (60) ist als Gynäkologin Evelyn (56) die zentrale Anlaufstelle für die „VZs“, also die „verklemmten Ziegen“, wie sie ihre Patientinnen heimlich nennt. Kroymann hat gejubelt, als Dörrie ihr die Rolle angeboten hat. „Dass ich das noch erleben darf!“ Mit dem Thema Wechseljahre hat sie überhaupt kein Problem.

„Ich habe mein Klimakterium ja schon hinter mir.“ Eine harte Zeit sei das gewesen – mit Herzrasen, Schlafstörungen und Schwindelanfällen. „Ich dachte zuerst, ich hätte Herzprobleme.“ Heute fühlt sie sich rundum wohl. Die sieben Kilo, die sie in der Zeit zugenommen hatte, sind wieder runter. „Und das ganze Menstruationszeug, das will doch eh niemand mehr.“

„Darüber reden hilft“

Juliane Köhler (44) ist die schüchterne Biolehrerin Cornelia (45). Vor der Klasse steckt sie den Kopf in ihre Tasche, wenn sie mal wieder eine Panikattacke hat, zu Hause beruhigt sie sich mit Putzen. Doch dann bringt sie ein 17-jähriger Schüler unverhofft zum Höhepunkt.

„Ich bin noch nicht in den Wechseljahren“, sagt Köhler. Bei dem „ganzen Emanzipationsgerede“ mussten die aber jetzt einfach mal im Fernsehen thematisiert werden, glaubt sie. „Viele Frauen denken, wenn sie in die Wechseljahre kommen, dann ist das Leben zu Ende. Schon bei den Dreharbeiten hat man aber gemerkt, dass es nur noch halb so schlimm ist, wenn man über so etwas spricht.“

 

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