Medien Saskia Vester: Küssen und schweigen

Kristin Bender (Saskia Vester) erfährt, dass ihr Pflegesohn Enes (Edin Hasanovic) zum Mörder wurde. Foto: ZDF

Die Münchner Schauspielerin Saskia Vester über ihre Rolle als lesbische Polizistin im „Kriminaldauerdienst“ und ihre kleinen Komplexe beim Dreh mit männlichen Kollegen

 

Der „KDD – Kriminaldauerdienst“ in Berlin-Kreuzberg geht ab Freitag mit acht neuen Folgen im ZDF auf Sendung. Auch wieder mit dabei: Saskia Vester als lesbische Polizistin Kristin Brender.

AZ: Frau Vester, morgen startet die dritte „KDD“-Staffel und leider ist es die letzte. Sind Sie sehr enttäuscht?

SASKIA VESTER: Ich bin ein bisschen traurig, aber nicht enttäuscht. Die Quoten waren einfach nicht so rasant. „KDD“ ist eher ein Format für einen kleinen erlesenen Fan-Kreis. Und immerhin durften wird drei Staffeln drehen.

Das ZDF sagt, die Geschichten seien auserzählt. Stimmen Sie dem zu?

Nein, uns allen würde da noch eine Menge einfallen. Aber die Figuren haben in den insgesamt 28 Folgen viel durchgemacht, insofern ist das nicht ganz falsch. Was soll man ihnen denn noch alles antun?

„KDD“ hat jede Menge Preise gewonnen, die Kritiker sind voll des Lobes. Ist das Publikum mit den schnellen Schnitten und den zahlreichen Handlungssträngen einfach überfordert?

Ja, bestimmte Zuschauer auf jeden Fall. Das Freitagabend-Publikum ist müde von der Arbeitswoche und möchte bei einem schönen Krimi wie „Der Alte“ oder „Derrick“ entspannen. Ursprünglich war „KDD“ auch für Dienstag, 20.15 Uhr, gedacht. Das wäre der bessere Sendeplatz gewesen, aber weil „KDD“ recht brutal geworden ist, wollte man es nicht um 20.15 Uhr senden. Da blieb dann nur der Freitagabend, 21.15 Uhr. Dann aber sind diejenigen, die die Serie schauen würden, natürlich auf der Piste.

„Ein Leckerbissen“ sei Ihre Polizistin Kristin Bender, haben Sie einmal gesagt.

Ja, für einen Schauspieler ist sie ein richtiger Leckerbissen. Eine lesbische Polizistin, von der keiner wissen darf, dass sie lesbisch ist und die immer in Gefahr gerät, geoutet zu werden, birgt jede Menge Stoff für Spannungen und Abgründe. Da kann ich als Schauspielerin viel rausholen. In der dritten Staffel ist ihr aber der Knopf aufgegangen und sie versteckt sich nicht mehr.

Und wie küsst sich’s mit einer Frau?

Knutschszenen mit einer Frau sind wesentlich einfacher als mit einem Mann. Denn egal, wie viel Professionalität am Set herrscht, man ist doch immer ein Stück weit Privat-Frau und denkt: Hoffentlich findet der jetzt meinen Hintern nicht zu dick oder so. Bei einer Frau hat man dagegen eher schwesterliche Gefühle, da ist das ganz egal.

Aber als Schauspieler darf einem das – egal ob mit Mann oder Frau – sowieso nicht schwer fallen, oder?

Genau. Ich werde oft gefragt: Wie ist das denn für Sie, eine Lesbe zu spielen? Da ist einfach die Fantasie gefragt. Ich muss mir doch in jedem Film vorstellen, dass ich jemanden liebe, da ist es ganz egal, ob eine Frau, einen Mann oder einen Hund.

Wen küssen Sie denn als nächstes vor der Kamera?

August Zirner. Wir drehen gerade gemeinsam eine Komödie für die ARD. Und am Sonntag läuft im ZDF „Hochzeitsreise zu viert“. Darin küsse ich Axel Milberg. Ich spiele eine übergriffige Mutter mit einem äußerst spröden Ehemann und finde es eine Super-Idee, wenn wir unseren Sohn auf die Hochzeitsreise begleiten. Das geht natürlich total in die Hose.

Wer küsste besser, August Zirner oder Axel Milberg?

Darüber schweige ich.

Schade. Sie sind ja unglaublich gut im Geschäft, wie viele Drehtage hatten Sie im vergangenen Jahr?

Es waren 148. Ich weiß auch nicht warum, aber je älter ich werde, um so gefragter werde ich. Das Älterwerden an sich ist ja recht schrecklich, aber wenn man damit Erfolg hat, versüßt es einem das Ganze.

Das Älterwerden ist schrecklich?

Naja, es ist jetzt nicht so dramatisch, dass ich darunter leide. Aber es wird einem mit dem Alter immer klarer, dass das Leben tatsächlich tödlich endet. Ich lebe jetzt wahrscheinlich schon länger als ich es noch tun werde. Das beunruhigt mich. Als mein Vater vor fünf Jahren gestorben ist, ist mir das zum ersten Mal richtig bewusst geworden und es hat mich erschüttert. Das mag’ ich am Älterwerden nicht, das ist der Punkt, den ich richtig schrecklich finde.

Angelika Kahl

„KDD – Kriminaldauerdienst“, ZDF, Freitag, 21.15 Uhr;

„Hochzeitsreise zu viert“, ZDF, Sonntag, 20.15 Uhr

 

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