Medical Park Bad Wiessee Coronavirus: Reha-Klinik im Krisenmodus

Die Einfahrt zur "Medical Park"-Klinik in Bad Wiessee. Foto: Klaus Wiendl

Das Coronavirus hat die Medical Park Klinik in Bad Wiessee erwischt. 36 Patienten liegen auf der Isolierstation. Auch Mitarbeiter sind positiv getestet worden.

 

Bad Wiessee - Nicht nur Spitzensportler wie Maria Höfl-Riesch und Lars Riedel gaben sich im "Medical Park" die Klinke in die Hand, auch Altkanzler Helmut Kohl ließ sich in der Fachklinik für Sportmedizin und Orthopädie behandeln. 580 Patienten werden in normalen Zeiten dort in zwei Klinken versorgt.

Doch vor zwei Wochen trat der Ernstfall ein: Ein Patient wurde positiv auf Sars-CoV-2 getestet. Seitdem gilt der Ausnahmezustand. Die Kurve der Infizierten und Verdachtsfälle steigt.

Coronavirus: Hat die Klinik zu spät reagiert?

Waren es am Vortag (30. März) noch 33 Patienten, so sind nun 36 in einer eigens eingerichteten Isolierstation unter Quarantäne. Auch das Klinikpersonal infizierte sich. Laut Landratsamt Miesbach gibt es 20 positive Fälle unter den Mitarbeitern. Weitere 35 seien in häuslicher Quarantäne und würden auf ihre Testergebnisse warten.

Einige Patienten werfen der Klinikleitung vor, zu spät Schutzmaßnahmen getroffen zu haben. Auch habe es an einer ehrlichen und rechtzeitigen Information gefehlt. Zu lange habe es noch Gruppentherapie und Vorträge gegeben, so die Kritiker.

Dies wird auf Anfrage der AZ von Ulrike Schillo entschieden dementiert. Die Unternehmenssprecherin verweist darauf, dass die Klinik bereits im Februar damit begonnen habe, Patienten mit Erkältungssymptomen unverzüglich zu isolieren und auf Covid-19 zu testen. Anreisende Patienten seien immer informiert worden, die stationären auch. "Keinesfalls haben wir uns leichtfertig das Coronavirus ins Haus geholt", versichert Schillo.

Landratsamt: "Fehlinformationen können fatal sein"

Doch dass die Patienten umfassend informiert worden seien, kann die Pressesprecherin des Landratsamts nicht bestätigen. Sophie Stadler verweist auf ein Schreiben der Klinik, das Patienten bei der Abreise ausgehändigt wurde. Darin sei nur von einem nachgewiesenen Covid-19-Fall die Rede.

"Das Gesundheitsamt hat unverzüglich eine Korrektur des Schreibens gefordert, da es in keiner Weise der aktuellen Situation entspricht", so Stadler. "Mit der Fehlinformation, dass es nur einen Fall gebe, besteht ein erhebliches Risiko, dass die Patienten und die Behörden vor Ort das Infektionsrisiko falsch einschätzen. Da es sich bei den Patienten fast ausschließlich um Risikopatienten handelt, können Fehlinformationen fatal sein."

Medical Park: Seit 16. März Aufnahmestopp

Inzwischen erfolgte ein Update der Geschäftsführung. Sie spricht nun laut Stadler "von mehreren Fällen". "Das Gesundheitsamt wirkte auf allen zur Verfügung stehenden Kanälen und mit allen zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten auf die Geschäftsführung ein, Patienten und Mitarbeiter wahrheitsgemäß zu informieren", erklärt Stadler vom Landratsamt. "Aufgrund der hohen Infektionszahl wurde vom Gesundheitsamt bereits am 16. März ein Aufnahmestopp verhängt." 

Dennoch verweist man im "Medical Park" darauf, dass noch in dieser Woche fünf Patienten des Kreiskrankenhauses Agatharied in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt "nach Bad Wiessee verlegt werden". Außerdem werde der "freiwillige Einsatz" von Mitarbeitern mit dem Klinikum Agatharied abgestimmt.

Lesen Sie hier: Coronavirus - Ausgangsbeschränkungen in Bayern verlängert

 

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