Maxvorstadt NSU-Prozess: „Richter Götzl ist der Richtige“

Vural Ünlü, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Bayern. Foto: privat

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Bayern Vural Ünlü schreibt zum Prozessauftakt in der AZ über das Windhundverfahren bei der Vergabe der Presseplätze und seine Erwartungen

 

Maxvostadt Vor Gericht und auf hoher See sind wir in Gottes Hand“, zitieren Deutsche oft eine ursprünglich römische Juristenweisheit. Türken bevorzugen einen französischen Aphorismus. „Die Justiz hat ein hinkendes Bein, sie läuft daher langsam, kommt aber am Ende an ihr Ziel.“

Südlich des Schwarzmeeres gibt es ein Grundvertrauen in die Justiz. Insbesondere das Gros der Türken in Deutschland bewundert das deutsche Justizsystem, vor allem im Vergleich zum türkischen Pendant, welches in den letzten Jahren zwar signifikante Fortschritte gemacht hat, aber trotzdem noch einiges an Entwicklungspotential besitzt.

Das Münchner Oberlandesgericht stand in den letzten Wochen stark unter Beschuss, zum Teil berechtigt nach der Schelte durch das Verfassungsgericht und den unnötigen Formalfehlern in der Nachsitzrunde.

Hauptverantwortlicher für die medialen Tsunamis rund um das Akkreditierungsverfahren ist Richter Manfred Götzl.

Mit der Wahl des Windhundverfahrens hat er es sich einfach machen wollen und bewusst das Risiko in Kauf genommen, dass kein türkisches Medium Zugang zum Gerichtssaal erhält.

Ist er daher der falsche Mann für ein Verfahren dieser Dimension wie es aus vielen Ecken tönt, mit fehlender Sensibilität für die Belange der internationalen Medien?

Einspruch, für Euer Ehren: Gewiss ist er der Richtige. Juristen sollen keine Diplomaten sein, wahrscheinlich hätten sie ihren Beruf verfehlt wenn Feinschliff und Empathie für die öffentliche Meinung das wichtigste Erfolgskriterium wäre.

Schwamm drüber, Manfred Götzl ist ein schwarzgürtiger Richter und mit seiner Erfahrung einer der wenigen in dieser Republik welche diesen verfahrenstechnischen Marathon meistern können.

Die Öffentlichkeit, insbesondere die wenigen türkischen Medienbeobachter mit garantiertem Sitzplatz im nun weltweit berühmt gewordenen Münchner Terrorsaal, werden auf jeden Fall die Aufarbeitung minutiös verfolgen.

Der Autor ist Unternehmensberater, Vorstandsvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Bayern und koordiniert die journalistische Arbeit des türkischen TV-Senders TRT.

 

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