Maßnahmen zur Verbesserung Die Isar – weit entfernt von "gutem Zustand"

Wirklich naturnah ist die Isar an vielen Stellen der Stadt nun wirklich nicht. Das soll sich in den kommenden Jahren aber schrittweise ändern. Foto: imago

Traurig: In Landshut ist der Fluss seiner Natürlichkeit fast gänzlich beraubt.

 

Die Meldung hat hohe Wellen geschlagen: 93 Prozent der Fließgewässer in Deutschland sind ökologisch in einem schlechten Zustand. In diesen Flüssen und Bächen leben nicht mehr die Gemeinschaften aus Fischen, Pflanzen und Kleintieren, die man dort eigentlich vorfinden müsste, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen. Auf gut deutsch: Viele Gewässer sind in weiten Teilen tot.

Gründe dafür sind vor allem die Belastungen aus der Landwirtschaft – Dünger, Spritzmittel – und die Begradigung, Verbauung oder Unterbrechung durch Wehre. Und die Isar bildet hier leider keine Ausnahme. Der Fluss, einst die "Reißende" genannt, wurde seit Mitte des 19. Jahrhunderts befestigt, begradigt, eingedämmt, zum Schutz vor Hochwasser – aber auch zur Energie- und Landgewinnung, heißt es beim Wasserwirtschaftsamt Landshut. Seiner "Natürlichkeit" ist der Fluss fast gänzlich beraubt.

Dabei ist in den letzten Jahrzehnten die Wasserqualität, wie die vieler anderer deutscher Flüsse, sukzessive deutlich besser geworden. "Die Beurteilungsgrundlage für ein Fließgewässer war früher die Gewässergüte", erklärt Antje Uhl, zuständige Abteilungsleiterin für den Landkreis am Wasserwirtschaftsamt. Mit der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie habe sich dies allerdings geändert, "und das ist ja richtig so". Zu den Beurteilungskriterien eines Gewässers zählen nun neben der Wasserqualität auch die Struktur, das heißt, ob es sich um einen "natürlichen" oder einen völlig begradigten Fluss handelt (mit Abstufungen dazwischen), sowie die Durchgängigkeit für Fische. Ziel ist der "gute Zustand" eines Wasserkörpers.

Das ökologische Potenzial der Isar? "Unbefriedigend!"

Davon ist die Isar ganz weit entfernt. Nach dem Umweltatlas Gewässerbewirtschaftung des Bayerischen Landesamtes für Umwelt ist das ökologische Potenzial "unbefriedigend" und der chemische Zustand "nicht gut".

Bis zum Erreichen der Ziele, einen guten chemischen Zustand und ein gutes ökologisches Potenzial wieder herzustellen, schätzen Experten, dass es noch bis 2027 dauern wird. "Wenn man sich den Zustandsbericht ansieht, ist es natürlich nicht befriedigend", sagt Antje Uhl. "Aus unserer fachlichen Sicht aber ist schon viel passiert, so dass wir sagen würden, wir sind auf einem guten Weg." Zuerst sei es beispielsweise um effektivere Kläranlagen gegangen oder Versuche, die Hauptverschmutzer zu eliminieren. Nun gehe es um die Strukturverbesserung. Uhl nennt hier als Beispiel den Umbau der Sohlschwelle in der Kleinen Isar in eine sogenannte Sohlrampe im Jahr 2011, der im Rahmen des Zehn-Punkte-Programms für die Landshuter Isar erfolgte. Für den Stadtbereich ist bei vier von zehn vorgeschlagenen Maßnahmen bereits mit der Umsetzung begonnen worden.

Man müsse außerdem berücksichtigen, dass das Wasserwirtschaftsamt nicht allein für bauliche Veränderungen in seinem Bereich zuständig sei. Es seien auch die Kraftwerksbetreiber gefragt, um etwa die Durchgängigkeit für Fische zu erhöhen. Der derzeitige Zustand der Isar entspreche eher einer Kette von Stauseen, also nichts, "womit ein typischer Isarfisch etwas anfangen könnte". Die dafür erforderlichen Maßnahmen seien "ein Puzzle-Bausteinsystem mit verschiedenen Akteuren".

Zu diesen Maßnahmen zählt auch das von der EU geförderte Life Natur-Projekt Flusserlebnis Isar. Damit wollen Wasserwirtschaftsamt und die Regierung von Niederbayern als Höhere Naturschutzbehörde gemeinsam mit Partnern und Unterstützern aus der Region bis Ende 2022 (Beginn war im Oktober 2015) eine Verbesserung der Gewässerstrukturen an der Isar, vor allem durch Renaturierung ihrer Ufer, erzielen.

Für manche Maßnahmen mussten sogar Bäume gefällt werden 

"Für manche Maßnahmen mussten beispielsweise Bäume am Ufer gefällt werden", erläutert Antje Uhl. "Die haben wir dann in den Fluss gelegt, wodurch sich das Fließverhalten ändert. Dadurch haben kleine Fische einen Unterschlupf gefunden." Es müssten Strukturen geschaffen werden, die Fischen ein Überleben erst ermöglichen könnten.

Kathy Mühlebach-Sturm, erste Vorsitzende der Kreisgruppe Landshut des Bund Naturschutz, lobt die Bemühungen der Wasserwirtschaftsämter im strukturellen Bereich. Nach ihrer Meinung werde die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie von der Politik jedoch "zu lasch" gehandhabt. "Man stellt den schlechten Zustand fest, anstatt Maßnahmen zu ergreifen, mit denen sich der Zustand schneller verbessern ließe", so Mühlebach-Sturm.

Wie beim Fließgewässer Isar sei auch beim Grundwasserkörper ein "guter Zustand" nicht bis 2021 erreichbar, wofür vor allem die Landwirtschaft – Stichworte Gülle und Nitrate – verantwortlich sei. "Das wird einfach zur Kenntnis genommen, von der Politik her besteht da zu wenig Interesse", so Mühlebach-Sturm. "Es geht nicht darum, die Landwirte an den Pranger zu stellen. Aber die Vorgaben sind mit der Menge an Tieren, die unsere Form der Landwirtschaft bedingt, einfach nicht zu erreichen."

In Bayern gibt es verhältnismäßig wenig Schutzstreifen

Das habe natürlich auch Einfluss auf die Fließgewässer. "Wir haben in Bayern verhältnismäßig wenig Schutzstreifen, man wird genug Gewässer ganz ohne Schutzstreifen finden." Sie halte das sogar für ein "Kernthema", sagt die Kreisgruppen-Vorsitzende. "In Bayern sind Schutzstreifen freiwillig, während sie in anderen Bundesländern vorgeschrieben sind." Die wesentliche Aufgabe der Politik wäre aus Sicht des Bund jedoch, "schrittweise eine andere Art von Landwirtschaft zu ermöglichen". Dafür allerdings gebe es derzeit keine Anzeichen. Das vorläufige Fazit: Schritt für Schritt werden die Maßnahmen des Wasserwirtschaftsamtes umgesetzt. Dafür gilt: "Es ist etwas in Bewegung", sagt Antje Uhl, "aber solange die Ziellinie nicht erreicht ist, wird die Isar nicht in ‚gutem Zustand‘ sein".

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