Massentöten im Köschinger Forst Mufflon-Herde droht Abschuss

Ein im Jahr 1956 geschossenes Mufflon. Foto: Bürgerinitiative

Im Köschinger Forst haben die Behörden Wildschafe zum Abschuss freigegeben. Eine Bürgerinitiative erreicht eine Gnadenfrist. Doch jetzt läuft das Ultimatum ab.

 

Eichstätt - Es ist nur eine kleine Herde von etwa 30 Tieren. Trotzdem sind die Mufflons im Köschinger Forst ein Politikum, das Waldbesitzer, Jäger, Tierfreunde und Behörden gleichermaßen beschäftigt: „Ausrotten!“, fordern die einen, „Leben lassen!“ die anderen. Im Dezember 2014 hatte die Regierung von Oberbayern die Wildschafe zum „Totalabschuss“ freigegeben – und diesen wenig später wieder ausgesetzt, weil eine Bürgerinitiative in Windeseile 4000 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt hatte. Gerettet sind die Mufflons damit nicht.

Im November läuft ihre „Gnadenfrist“ ab. Ins Visier genommen hatten die Mufflons zuerst einige Waldbesitzer aus dem Köschinger Forst. Sie werfen den Wildschafen vor, junge Bäume zu fressen und dadurch finanziellen Schaden anzurichten – und fordern ein rasches Ende der vermeintlich eingewanderten, weil ursprünglich korsischen Art. Die Grundstückseigentümer wandten sich mit ihren Sorgen an die Untere Jagdbehörde am Landratsamt Eichstätt, diese übergab das Problem an die Obere Jagdbehörde bei der Regierung von Oberbayern. Von dort kam Ende 2014 die Weisung: Abschießen. Alle. „Diese Entscheidung ist falsch“, wirft Peter Smischek, Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins Ingolstadt, den Beamten vor. Es gebe ein ministerielles Schreiben, nach dem Hochwild, das schon vor 1974 existierte, Bestandsschutz genieße. Und genau das sei bei den Köschinger Mufflons der Fall.

Smischek und zwei Mitstreiter gründeten eine Bürgerinitiative und sammelten Unterschriften im Internet. „In der Bevölkerung hat es einen Aufschrei der Entrüstung gegeben und es hat nicht lange gedauert, da hatten 4000 Menschen unterzeichnet.“ Die Petition der Mufflon-Freunde hatte Erfolg. Zumindest zum Teil. Der Abschussbefehl wurde ausgesetzt. Die Bürgerinitiative bekam die Aufgabe, Belege dafür zu sammeln, dass die Tiere nicht erst vor kurzem im Forst ausgesetzt wurden, sondern schon lange dort leben. Also recherchierten Smischek und Co. – und stießen auf den Sohn des einstigen Jagdpächters Alfred Engelbrecht. Sein Vater habe 1927 im Auftrag der Wittelsbacher die ersten Mufflons aus Korsika in den Köschinger Forst gebracht, erzählte er.

Andere Zeitzeugen bestätigten, dass die Wildschafe früher so zahlreich waren, dass man sie regelmäßig von den Feldern vertreiben musste. Es gibt Fotos aus den 50er, 60er und 70er Jahren, auf denen Jäger und Prominente stolz mit erlegten Mufflon-Widdern posieren. So berichtet etwa der „Donaukurier“ im November 1952 von einem gemeinsamen Jagdausflug des Kronprinzen Rupprecht von Bayern und des amerikanischen Hohen Kommissars John Jay McCloy, der im Köschinger Forst einen „prächtigen Mufflon-Bock erlegte“.  Und zwar mit „Blattschuss auf 100 Meter“.

„Wir haben also Belege dafür, dass seit 90 Jahren Mufflons im Köschinger Forst leben“, sagt Peter Smischek, der zudem davon überzeugt ist, dass die Mufflons nicht für den „Verbiss“ verantwortlich sind, der ihnen vorgeworfen wird: „Wildschafe fressen Gras und Kräuter und gehen nur in ganz seltenen Fällen an die Bäume – anders als Rehwild, von dem wir hier hunderte Tiere haben.“

Die Obere Jagdbehörde hat nun das Landratsamt damit beauftragt, erneut über die Sache zu entscheiden – und es sieht trotz allem schlecht aus für die Mufflons. In Eichstätt lässt man die Nachweise der Initiative nicht gelten und verlangt stattdessen nach alten Abschusslisten. „Die sind aber nicht mehr aufzutreiben, weil viele frühere Forstämter aufgelöst oder zusammengelegt wurden“, sagt Jäger Smischek genervt. „Dabei sind die Unterlagen vernichtet worden.“ Zum großen Ärger will das Amt im November erneut die Waldbesitzer befragen – diejenigen also, deren Klage alles ausgelöst hat. „Aber keine Sorge“, sagt Smischek. „Wir kämpfen weiter.“ Die korsischen Mufflons seien im Köschinger Forst gut integriert.

 

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