Martin Ripkens und Hans Stempel Münchens ältestes Männerpaar: "Tod war Erlösung"

"Wir haben uns täglich umeinander bemüht": Martin Ripkens und Hans Stempel. Foto: Imago

Als sich Martin Ripkens und Hans Stempel ineinander verliebten, machten sie sich strafbar. 55 Jahre waren die beiden ein Paar. Jetzt ist Ripkens nach schwerer Krankheit mit 78 Jahren gestorben

MÜNCHEN Es fing gleich mit einer Diskussion an: 1957 in Düsseldorf war es, als Hans Stempel an einem Treffpunkt schwuler Männer Martin Ripkens ansprach. Ripkens hatte nämlich ein Buch unterm Arm. „Die Iden des März” von Thornton Wilder. Stempel sagt zu ihm, er solle es doch lieber mit Brecht probieren, das sei wahre Literatur. Es war den Beginn eines Gesprächs, das 55 Jahre gedauert hat.  Schon nach drei Tagen zogen die beiden Männer zusammen, die „Iden des März” standen immer im Regal. Jetzt ist Martin Ripkens im Alter von 78 Jahren an den Folgen einer Hirnblutung gestorben. „Es ging ihm sehr schlecht. Bei allem Schmerz für mich muss man sehen: Für ihn war der Tod eine Erlösung”, sagt Hans Stempel der AZ.

Schon vor einigen Monaten war Ripkens gestürzt, dadurch war die Hirnblutung ausgelöst worden. Kurz vor seinem Tod verabschiedete sich Ripkens von seinem Partner. „Er wollte mir den weiteren Anblick seines Leides ersparen.”

Anfangs galt ihre Liebe als kriminell, der Paragraf 175 verbot Homosexualität, Schwule wurden wegen „Unzucht mit Männern” verhaftet Doch die beiden gingen immer offen mit ihrer Beziehung um – sie verloren deswegen unter anderem ihren Job. Der Münchner Medienunternehmer Leo Kirch stellte sie dann als Filmprüfer ein, im Doppelpack. „Dann krieg’ ich aber Familienrabatt” soll er gesagt haben.

Eine Mietwohnung in München zu finden, war aber für ein schwules Paar in den 60ern schwer – deswegen wurde eine Eigentumswohnung in Haidhausen ihr Zuhause. Neben dem Job haben die beiden Bücher geschrieben und Filme über Homosexualität gedreht.

„Mein Mitgefühl gilt Hans Stempel”, sagt Rosa-Liste-Stadtrat Thomas Niederbühl zur AZ. „Die beiden haben sich immer eingemischt – und dazu brauchte man in ihrer Generation noch wesentlich mehr Mut.” Durch ihr öffentliches Auftreten als Paar hätten sie auch „dem alten Klischee entgegengewirkt, schwule Männer wären nicht für lange Beziehungen geeignet.”

Hans Stempel hat einmal gesagt: „Wir haben uns jeden Tag umeinander bemüht, weil nichts selbstverständlich war.” Offen sprachen sie auch über den Tod. „Er wollte seinen Körper der Wissenschaft zur Verfügung stellen”, sagt Hans Stempel, nach dem Motto „Die Toten lehren die Lebenden”. Dieser Spruch steht auch auf der Säule am Waldfriedhof, da wo die beiden ein anonymes Grab gekauft haben. „Das ist ein schöner Platz”, hatte Ripkens zu dem Mann seines Lebens gesagt.

 

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