Markus Gisdol neuer Trainer Hoffenheim macht kurzen Prozess

Trainer Marco Kurz und Manager Andreas Müller müssen gehen, Markus Gisdol übernimmt als vierter Coach in dieser Saison die Mission Klassenerhalt. Wie sich ein Klub selbst hingerichtet hat – und was die Bosse sagen.

 

Zuzenhausen -  „Zurück in die Zukunft”, so soll das Motto bei der TSG Hoffenheim lauten nach dem dritten Neuanfang in dieser Saison. So beschrieb es Präsident Peter Hofmann nach der überraschenden Entlassung von Manager Andreas Müller und Trainer Marco Kurz am Dienstag und der Bestellung von Markus Gisdol zum Trainer. Treffender wäre aber wohl die Formulierung gewesen: „Und ewig grüßt das Murmeltier.”

Gisdol, der am Dienstag bereits das Nachmittagstraining leitete, ist der vierte Trainer (!) der Kraichgauer in der laufenden Saison – siehe Infokasten rechts. Er soll nun das schaffen, was Markus Babbel, Interimscoach Frank Kramer und zuletzt dem Ex-Löwen Marco Kurz nicht gelang: Er soll die Hoffenheimer am besten irgendwie noch vor dem drohenden Abstieg retten – und zugleich die Weichen für eine nicht nur personelle stabile Zukunft stellen.

Eine Hoffnung, die sie in Hoffenheim freilich schon öfter hatten.

So verwunderte es kaum, dass sich die Sätze der Verantwortlichen glichen bei der Präsentation Gisdols, der bereits bis 2011 als Jugend- und Amateurcoach in Hoffenheim tätig war und danach Ex-Coach Ralf Rangnick als Co-Trainer zu Schalke gefolgt war. Als der Revierklub im November Huub Stevens beurlaubte, musste auch Gisdol gehen. Nun die Rückkehr nach Hoffenheim, wo er „einen konsequenten und umfassenden Neuaufbau” schaffen soll, wie Sportchef Frank Biel sagt. Mit Gisdol solle die TSG wieder „zurück zu unserer Ur-Idee kommen”, sagt Biel. Junge Talente sollten künftig wieder gefördert werden, Hoffenheim solle wieder „modernen Fußball spielen.” Das, freilich, war auch bei der Vorstellung von Marco Kurz verkündet worden, der erst am 2. Januar auf Betreiben des nun ebenfalls entlassenen Managers und seines engen Vertrauten Müllers sein Amt angetreten hatte.

Doch unter Kurz holte Hoffenheim nur acht Punkte in zehn Spielen, stürzte auf den vorletzten Platz ab. Vier Punkte beträgt der Rückstand auf Augsburg, das den Relegationsplatz belegt. „Wir haben die erhoffte Wende nach der Winterpause mit acht Punkten aus zehn Spielen nicht geschafft”, sagt Biel, „wir glauben, mit dieser Besetzung die richtigen Personalien gefunden zu haben, die diesen Weg mitgehen und prägen werden.” Und Präsident Hofmann meinte: „Wir haben auch Fehler gemacht. Aber weder Herr Briel noch ich stehen auf dem Platz und schießen die Tore”.

Klingt irgendwie hilflos.

Gisdol selbst bekräftigt, dass er an die Mannschaft glaube und er Hoffenheims „Spiel-Philosophie, die niedergeschrieben ist, verinnerlicht habe.” Spielphilosophie? Davon war zuletzt nicht wirklich etwas zu sehen.

Gisdol soll nun in den letzten sieben Spielen versuchen, den Abstieg zu verhindern. Sollte das nicht klappen, will man mit Gisdol aber auch in die Zweite Liga gehen. „Der Kern der Entscheidung ist auf die langfristige Sicht ausgelegt”, sagt Biel. Der Trainer kündigt an, dass er sich jeden Spieler anschauen werde, und machte so auch dem von Kurz und Müller demontierten Ex-Nationalkeeper Tim Wiese, der zuletzt nicht mal mehr mit der Mannschaft trainieren durfte, ein wenig Hoffnung. „Jeder einzelne Spieler wird hier eine neue Chance erhalten, egal wer”, sagt er. Aber: „Es gibt wenig Veranlassung, eine neue Baustelle aufzumachen.” Davon haben sie in Hoffenheim wahrlich genug. 

 

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