Markus Blume im AZ- Interview "Die CSU ist die große politische Klammer des Freistaates"

Clemens Hagen.
Der künftige CSU-Generalsekretär Markus Blume. Foto: Peter Kneffel/dpa

Was er sich alles vorgenommen hat, erklärt Markus Blume, neuer Generalsekretär der CSU im Interview mit der AZ. 

 

Der 43-jährige Münchner Markus Blume studierte Physik und ist Diplom-Politikwissenschaftler. Ab 14. März ist er neuer Generalsekretär der CSU - wir haben mit ihm gesprochen.

AZ: Herr Blume, Glückwunsch zum neuen Job! Als CSU-Generalsekretär haben Sie viele berühmte Vorbilder - von Stoiber bis Söder. Wie werden Sie das Amt interpretieren?
MARKUS BLUME (42): Die Aufgabe des Generalsekretärs ist ja immer die gleiche geblieben, jenseits der einzelnen Persönlichkeiten: Es ging und geht immer darum, die Einzigartigkeit der CSU, ihren Nimbus zu bewahren. Deshalb richtet sich alles auf den 14. Oktober, auf die Landtagswahl.

Eine ordentliche Herausforderung, die Sie da vor der Brust haben. Spielen Sie im Hinterkopf schon die verschiedenen Koalitionsmöglichkeiten durch?
Nein, wir arbeiten in den nächsten Monaten nicht für Umfragen oder auf Koalitionen hin, sondern wir wollen die Bürger wissen lassen, dass wir bis zum letzten Tag für dieses Land und seine Bewohner arbeiten werden. Das wird erwartet.

Mit den Umfragen ist das eh so eine Sache...
...mit der wir leider auch unsere Erfahrungen gemacht haben.

Sie gelten als atypische Besetzung auf dem Posten des Generalsekretärs. Eher besonnen und leise als ein Wadlbeißer. Werden Sie einen anderen Stil pflegen als Ihre Vorgänger?
Jeder Generalsekretär hat seinen eigenen Stil entwickelt, so wie jede Zeit ihre unterschiedlichen Anforderungen hat. Ich erlebe eine Zeit, in der es wichtig ist, neue politische Debatten anzustoßen, in der die Freude an Debatten vorhanden ist. Mein Beitrag für die Landtagswahl liegt auch weniger darin, besonders laut zu sein, sondern es geht um das Zusammenführen. Die CSU ist die große politische Klammer dieses Freistaates. Wir wollen verhindern, dass das bürgerliche Lager in Bayern, das politische Heimat für 70 Prozent der Menschen ist, so zersplittert ist wie im Moment. Wir wollen integrierend wirken.

Ist die Zeit des politischen Lautsprechens vorbei, geht es wirklich nur noch um Inhalte?
Es muss niemand Angst haben, dass er in der CSU nicht mehr im Verein für klare Aussprache ist – ganz im Gegenteil. Das ist ein Markenkern der CSU, wenn wir von der Richtigkeit unserer Position überzeugt sind, dann formulieren wir das in der entsprechenden Deutlichkeit. Die CSU ist wie ein großes Orchester, da gibt’s mal leise Töne, da gibt’s mal laute Töne. Am Ende muss es stimmig sein.

Blume: CSU bleibt Volkspartei

Kurz gesagt: Markus Blume braucht keine Ratschläge von seinen Vorgängern?
In der Politik sollte sich niemand neu erfinden. Politiker werden von den Wählern geschätzt, wenn sie authentisch sind und sich nicht verbiegen lassen. Dieser Überzeugung will ich treu bleiben. Natürlich hatte die CSU viele berühmte Generalsekretäre, bei denen man sich das eine oder andere abschauen kann. Aber am Ende wird das Amt mit einem eigenen Stil von mir geprägt.

Macht Ihnen der Berg Arbeit, der vor Ihnen liegt, Angst?
Nein, ich habe den Vorteil, ein exzellent bestelltes Haus von Andreas Scheuer zu übernehmen. Wir haben eine neue Parteizentrale, wir haben unsere Kommunikation modernisiert, wir haben ein neues Grundsatzprogramm, das gerade einmal zwei Jahre alt ist – und wir haben eine personelle Aufstellung mit Horst Seehofer in Berlin, die für Kontinuität und Erfahrung steht, und gleichzeitig ganz klar für Aufbruch mit Markus Söder in Bayern. Deshalb kann ich sagen, dass ich froh bin, eine Partei in Bestaufstellung zu übernehmen.

Also problemlos glücklich?
Sagen wir es so: Die CSU muss sich um ihre Zukunft als Volkspartei sicher keine Sorgen machen.

Kommen wir zu den thematischen Schwerpunkten. Ihr besonderes Steckenpferd ist die Digitalisierung – da können Sie jetzt mit Dorothee Bär in Berlin prima Doppelpass spielen, oder?
Dass wir mit Dorothee Bär unsere absolute Fachfrau für Digitalisierung im Kanzleramt installieren konnten, ist Spitze. Viele haben immer noch nicht verstanden, wie tiefgreifend der digitale Wandel in unser Leben eingreifen wird. Diesen Wandel muss man gestalten, den darf nicht passieren lassen.

Letzte Frage: Sie gelten innerhalb der CSU eher dem Seehofer-Lager zugehörig als dem Söder-Lager. Könnte das in Zukunft zu einem Problem für Sie werden?
Das sind Fragen der Vergangenheit. Alle in der CSU haben sich dem Erfolg des Landes verschrieben. Deshalb gibt für uns auch nur eine Richtung: nach vorne!

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