Mario Gomez Ein Freund, ein guter Freund

Bastian Schweinsteiger bereitet beide Gomez-Tore gegen Holland vor, kassiert ein großes Lob von Bundestrainer Löw – und tauscht nach dem Abpfiff in Charkiw sein Trikot mit Ex-Löwe Baier

 

DANZIG War das nun ein gutes Omen, oder nicht? Vielleicht markierte der Besuch von Roman Abramowitsch, dem Besitzer des FC Chelsea, im Teamhotel des DFB während des Aufenthalts in Charkiw eine Zäsur im Sportlerleben des Bastian Schweinsteiger. Denn Abramowitsch, mit einem geschätzten Gesamtvermögen von 9,7 Milliarden Euro der neuntreichste Mensch der Welt, hat etwas, was Schweinsteiger für kein Geld der Welt eintauschen würde: den Champions-League-Pokal.
Doch mit dem Besuch in Charkiw dürfte der Mittelfeld-Chef des FC Bayern das Kapitel Elfmeterdrama vom 19. Mai nun zu den Akten legen – zumindest während dieser EM. Man habe ein wenig geplaudert, sagte Schweinsteiger, Bundestrainer Joachim Löw sprach gar von „einer herzlichen Umarmung”. Ein spätes Dankeschön für Schweinsteigers Pfostenschuss?

Egal. Es hat den 27-Jährigen nicht runtergezogen vor dem Spiel gegen Holland, im Gegenteil. Schweinsteiger war neben Mario Gomez der beste Mann. Nun ist es offiziell: Seine Trauerphase ist beendet. Nach dem zähen Start gegen Portugal gestand Schweinsteiger: „Ich habe schon besser gespielt. Aber ich werde meine Topform noch finden. Ich weiß nur nicht, wann." Nun wissen es alle.

„Der Bastian hat ein klasse Spiel gemacht, man spürt wieder seine Präsenz auf dem Platz – das ist gut. Er und Khedira haben Sneijder aus dem Spiel genommen”, lobte Löw nach dem 2:1 gegen Holland, „ich bin mit Bastian sehr, sehr zufrieden, aber er hat noch Steigerungspotenzial.” Und der Auferstandene sagt: „Diesmal haben sich Räume geboten, die habe ich genutzt.”

Auch, weil sein Körper mitspielte. Es war erst seine zweite Partie nach dem Champions-League-Finale und den muskulären Problemen in der Wade. „Ich hatte immer Probleme, konnte aufgrund meiner Verletzungen nie zu 100 Prozent fit sein”, sagte er gestern, „ich hoffe, dass das jetzt vorbei ist. Ich merke immer wieder, dass es noch weh tut, habe noch Probleme, aber für ein Spiel kann man das ausblenden. Ich muss über den so genannten Schweinehund kommen.” Geschafft.

Zur Belohnung gab es nach Abpfiff ein frisches Trikot aus der Kurve. Auf der Haupttribüne in Charkiw, dort, wo die Anhänger der Abteilung „Family & Friends” saßen, traf man sich. Schweinsteiger herzte Daniel Baier, Ex-Löwe und seit 2009 in Augsburg. Mit Manuel Neuer und Holger Badstuber war er zu den Fans geklettert – inklusive Umarmungen und Trikottausch. „Das war ein guter Deal für mich. Daniel hat mein verschwitztes Trikot bekommen und ich sein trockenes", sagte der Bayern-Profi.
Baier (28) flog in der Nacht von Charkiw via Köln nach München zurück – auf eigene Kosten. „Wir haben ja noch Urlaub, unser Trainingsstart ist am 24. Juni”, sagte der Mittelfeldspieler zur AZ, „Basti ist ein sehr guter Freund, wir kennen uns schon lange.” Als Baier bei 1860 in der A-Jugend spielte, kickte Schweinsteiger drüben bei Bayern in derselben Altersklasse. Beide durchliefen die U19- und U20-Nationalelf. „Ich habe mich sehr gefreut, dass er im Stadion war”, meinte Schweinsteiger, „er könnte ja um die Zeit auch sonstwo liegen.” Womöglich kommt Baier nochmal vorbei: „Ich habe jetzt Geschmack daran gefunden”, sagt er. Ein Freund, ein guter Freund – ja, die kann niemand trennen.

 

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