Mann rettete Surferin Vom Rettungseinsatz zum Traualtar: Jetzt steht Silberhochzeit an

Eckert von der Gönna und seine Ehefrau Ulla stehen zusammen in einem DLRG-Boot am Starnberger See – hier hat ihre Liebe einst begonnen. Foto: dpa

Mit den Temperaturen ist in diesem Sommer auch die Zahl der Badetoten gestiegen. Viele Unfälle gehen aber glimpflich aus. Und aus manchen Einsätzen entstehen Freundschaften – oder sogar Ehen.

Als Ulla von der Gönna bemerkt, dass es brenzlig wird, ist sie bereits mehrere Hundert Meter vom Ufer des Starnberger Sees bei Pöcking entfernt. "Ich war das erste Mal auf dem See surfen und hab’ mir selbstbewusst gedacht: Jetzt fahr ich mal g’scheid raus", erinnert sich die Surferin an den Tag vor etwas mehr als 32 Jahren.

"Als klar war, es ist zu windig und ich schaffe es nicht mehr zurück, habe ich das Segel eingeholt und bin an das gegenüberliegende Ufer geschwommen." Rückblickend ist die Surferin heilfroh um ihre gute Fitness: "Sonst wäre es wirklich knapp geworden." Selbstüberschätzung einerseits und Unterschätzung der Umstände im Wasser – wie bei von der Gönna – ist eine der häufigsten Ursachen von Badeunfällen.

Ursache von Badeunfällen oft Unterschätzung der Wasserumstände

"Die Menschen glauben, sie könnten gut genug schwimmen, der malerische See habe keine Tücken, und nicht selten gehen auch Nichtschwimmer ins Wasser, weil sie denken, sie können ja noch stehen", sagt Walter Kohlenz, Vorsitzender der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Pöcking-Starnberg. Während Kohlenz erzählt, sitzt er auf dem Balkon der DLRG-Rettungsstation in Possenhofen und hat alles im Blick: Den malerischen Starnberger See und die Alpen in der Ferne.

Ecki, der die Surferin gerettet hat, ist heute ihr Ehemann Aber auch die Stand-Up-Paddler, die Schwimmer, die Surfer und die Ruderer. All die Menschen, die es bei 30 Grad so zahlreich aufs und ins Wasser zieht. "Das kann man nie abschalten, dass man ständig beobachtet und schaut, ob einer in Not gerät oder untergegangen ist", sagt Kohlenz, der im bayerischen Dachverband der DLRG Vizepräsident ist. Von der Gönna pflichtet ihm bei. Auch sie sitzt auf dem Balkon des Holzhauses, erinnert sich an den Beinahe-Notfall vor vielen Jahren und schweift dabei mit ihrem Blick immer wieder ab. Genau wie der Mann neben ihr, den alle Ecki nennen. Der mittlerweile 63-Jährige ist seit seiner Jugend Freiwilliger bei der DLRG und hatte sich damals mit einem Rettungsboot – alarmiert von einer besorgten Freundin von der Gönnas – auf die Suche nach der Surferin gemacht.

25 Jahre Ehe 

Heute ist diese Surferin seine Ehefrau, die beiden feiern in diesem Jahr Silberhochzeit und verbringen beide einen Großteil ihrer Freizeit bei der Wasserrettung – vor allem im Sommer. "Von Mai bis Oktober sind wir an den Wochenenden und Feiertagen hier an der Rettungsstation im Präsenzdienst, ansonsten ganzjährig und rund um die Uhr über einen Piepser alarmierbar", sagt Kohlenz. Sein Possenhofener Team umfasst etwa 300 Mitglieder, 40 davon sind aktive Wasserretter – alle im Ehrenamt.

Rund 300 Einsätze hat allein die DLRG Pöcking-Starnberg im Schnitt pro Jahr. "Da sind aber auch viele medizinische Fälle von der Schnittwunde bis zum schweren Grillunfall dabei", sagt Kohlenz. "Tödliche Badeunfälle haben wir hier glücklicherweise eher selten. Die passieren leider eher an unbewachten Gewässern." Laut Starnberger Wasserschutzpolizei sind im Starnberger See in diesem Jahr zwei Menschen bei Badeunfällen gestorben; in ganz Bayern waren es bis 21. August laut DLRG-Landesverband 71.

Auch wenn für Kohlenz’ Team die Einsätze mit tödlichem Ausgang eher die Seltenheit sind, werden sie anschließend ausführlich besprochen. "Wir machen aber nach jedem großen Einsatz ein ausführliches Debriefing und beraten, ob man bestimmte Dinge besser machen kann", sagt Ecki.

So wie nach gleich zwei tragischen Fällen in zwei Jahren beim Münchner Ruder-Club (MRC), der sein Bootshaus in Starnberg hat. "2015 ist ein 13-jähriger Bub bei einem Schulsportausflug mit unserem Verein ertrunken", sagt Eler von Bockelmann, Vorstand im MRC. "Knapp ein Jahr später gab es dann die nächste Beinahe-Katastrophe, als im März vier erwachsenen Ruderern Wellen ins Boot schlugen und sie ins Wasser mussten – bei acht Grad."

Ohne Neoprenanzüge aber glücklicherweise mit Handy ausgerüstet, konnten die Verunglückten Hilfe rufen, wurden von Wasserrettern gefunden und aus dem Wasser gezogen. Mit dem MRC verbindet die Wasserretter eine Freundschaft. Die DLRG führt seither regelmäßig gemeinsame Trainings durch.

 

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