Manipulierte Hundeköder Angst in Landshut: Hundin überlebt Gift-Attacke

Die Giftattacke hat sie gut überstanden: Hündin „Antonia“ ist wieder wohlauf. Foto: gg

Unter Zamperlbesitzern in Preisenberg geht die Angst um: Wieder hat ein Unbekannter zugeschlagen – "Bereich ist uns nicht unbekannt".

Landshut - Die Dosis macht das Gift – aber auch die Größe des Hundes. Bis Hundebesitzer eine Vergiftung beim Zamperl bemerken, kann es oft schon zu spät sein. Das kann je nach Giftmenge nicht einmal zwei Stunden dauern. Der Tod dadurch ist qualvoll. Die Tat absolut sadistisch.

Erst kürzlich hat wieder ein Unbekannter vergiftete Hundeköder ausgelegt. Dieses mal ist Rattengift in Preisenberg bei Kumhausen verstreut worden. Die letzten bekannten Fälle ereigneten sich in den vergangenen Jahren immer wieder in der Freyung in Landshut – ebenfalls ein beliebter Ort, um Gassi zu gehen. Dort sind in regelmäßigen Abständen Wurststücke mit Rasierklingen und ähnlich verletzendem Inhalt gefunden worden.

In Preisenberg geht die Angst um: wer legt die giftigen Hundeköder aus? 

Der jüngste Fall hat sich auf einem Wanderweg in der Nähe der Margaretenstraße ereignet. Dort frisst am Donnerstag die gerade einmal sechs Monate junge "Antonia", eine kurzhaarige Magyar Vizsla-Hündin, ausgelegtes Rattengift.Beim Gassigehen bemerkt die 50-jährige Barbara W. (Name von der Redaktion geändert), dass "Antonia" am Wegesrand plötzlich einen rosaroten Knödel aufnimmt. "Ich habe sofort versucht, den Ballen noch aus dem Maul zu ziehen, doch der Hund schluckte ihn überhastet runter", sagt W. über den dramatischen Moment. Dennoch war die 50-Jährige zunächst unsicher, ob es sich bei dem Knödel um Gift handelt.

Sofort läuft die 50-Jährige deshalb nach Hause, um im Internet Beispielbilder von Hundeködern anzusehen. Der erste Treffer: ein rosaroter Knödel. Mit ihrem Hund fährt sie schließlich direkt zum Tierarzt. Glück im Unglück: Die Behandlung erfolgt noch rechtzeitig. "Antonia" überlebt.

Etwa 40 Minuten nach Verschlucken des Köders setzt Tierärztin Dr. Susanne Stanglmaier in Landshut Hündin "Antonia" eine Spritze – und bringt das Tier zum Erbrechen, damit nichts von dem Gift in den Darm gelangen kann. "Sie hat sich eine halbe Stunde lang übergeben und konnte sich nur schwer noch auf den Beinen halten", beschreibt Hundehalterin W. die bange Situation. Anschließend verabreicht die Tierärztin "Antonia" noch hochdosiertes Vitamin K, das die Blutgerinnung fördert.

Die große Gefahr: Rattengift wirkt zeitverzögernd - der Hund verblutet innerlich

Als "krankes Arschloch" bezeichnet die Tochter von Barbara W. denjenigen, der in Preisenberg die Giftköder verteilt. Sie und ihre Mutter haben Angst, wollen deshalb namentlich nicht in der Zeitung genannt werden. "Sonst landet der nächste vielleicht in unserem Garten", befürchten sie.

Der Vorfall ist in Preisenberg nicht der Erste dieser Art. Wie gefährlich manche Giftköder sind, erklärt die Kumhausener Tierärztin Dr. Dagmar Kießling: "Es kann passieren, dass man den Hund innerhalb von zwei Stunden nicht mehr retten kann."Das Problem sei, dass die Köder unterschiedlich aussehen können. Die oft in rosa-farbenen oder blauen Knödel sind noch relativ auffällig. Ein Hund, der aber nicht darauf trainiert ist, nichts aufzuheben, kann sich schnell vergiften.

Je nach Hundegröße, Art und Dosis des Rattengiftes sei es oft schwierig, die Symptome zu deuten. Rattengift, wie im Fall "Antonia", wirkt zeitverzögert, blutverdünnend und kann zu hohem Blutverlust im Körper führen. Die Folge: Der Hund verblutet innerlich qualvoll. Kießling: "Preisenberg hat ein echtes Problem."

Giftige Hundeköder laut Polizei kein Einzelfall: Noch keine Hinweise auf Täter

Doch wie können Hundebesitzer feststellen, ob ihr Zamperl das heimtückische Gift aufgenommen hat? Anzeichen für eine Vergiftung des Hundes können eine ungewöhnlich blasse, porzellanfarbene Schleimhautröte sein. Auch die Farbe der Augen und die Atmung sollten genauer untersucht werden. "Kommt einem irgendetwas komisch am Hund vor, sollte man sofort zum Tierarzt gehen", sagt Kießling.Bei schweren Vergiftungen kommen Hunde zur weiteren Beobachtung in die Tierklinik. Im Fall "Antonia" konnte W. ihre Hündin aber wieder nach mit Hause nehmen. Vier Wochen lang muss "Antonia" jetzt noch täglich Vitamin-K-Tabletten einnehmen.

Barbara W. hat jetzt in der Gegend um Preisenberg Warnplakate aufgehängt. "Ich habe solche Wut gehabt", sagt sie. Auch ihr Umfeld hat die 50-Jährige gewarnt, den Vorfall bei der Gemeinde gemeldet und bei der Polizei angezeigt. Dass sich der Kinderspielplatz nur wenige Meter von der Fundstelle entfernt befindet, findet sie besonders schlimm.

Laut Polizei ein Einzelfall. Allerdings sei Preisenberg in schon öfter auffällig gewesen, wenn es um vergiftete Hundeködern gegangen sei; "der Bereich ist uns nicht unbekannt", sagt Polizeisprecher Stefan Scheibenzuber. Hinweise auf den Täter gibt es noch keine. Die Polizei sucht Zeugen!


Verdacht auf Giftköder? Das können Hundehalter tun:

Hunde lieben es, auf langen Spaziergängen die Welt zu erkunden. Doch lauern auch Gefahren im Gebüsch. Die Tierschutzprofis von der Stiftung "Vier Pfoten" raten:

  • Typische Giftköder sind Hackbällchen gespickt mit scharfen Gegenständen wie Rasierklingen und Scherben, aber auch Bällchen mit Rattengift oder Schneckenkorn.

  • Typische Verstecke von Giftködern sind dichtes Gebüsch am Wegesrand in Hundeauslaufgebieten und Gehwege mit Rasenflächen am Rand.

  • Gebiete mit Giftköderwarnung sollten gemieden werden. Hundebesitzer sollten vorausschauend sein und ihren Hund ablenken, wenn ihm etwas "in die Nase kommt". Das geht mit eigenem Futter, so dass der Hund nicht auf Futtersuche geht. Mit dem Hund sollte geübt werden, nicht jedes Futter aufzunehmen. Wenn notwendig, einen Maulkorb aufsetzen.

  • Symptome, die auf Vergiftungen hinweisen können sind Übelkeit, Durchfall, Atemstörungen, helle Schleimhäute im Rachenbereich, starkes Speicheln, schwankender Gang, Atemstillstand, Krämpfe, schneller Herzschlag, Herzstillstand, Lähmungserscheinungen, Bewusstlosigkeit, übermäßiges Hecheln.

  • Sofortmaßnahmen: Entfernen Sie den Hund vom Giftköder, bringen Sie ihn nicht zum Erbrechen, wenn Sie nicht wissen, was er zu sich genommen hat (ätzende Gifte verätzen den Rachen; scharfe Gegenstände verletzen). Rufen Sie den Tierarzt an, berichten Sie Ihren Verdacht und schildern Sie Symptome. Der Arzt kann so schon Gegengift bereitlegen. Gedanklich festhalten, eventuell was, wie viel und wann gefressen wurde, wenn möglich, eine Probe mitnehmen.

  • "Vier Pfoten" rät Hundehaltern, einen Erste-Hilfe-Kurs zu absolvieren, um seinem Vierbeiner im Ernstfall helfen zu können. Zudem sollten Hundebesitzer stets die Nummer der mobilen Tierklinik bereithalten und im Mobiltelefon abspeichern.

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