Mama Bavaria im AZ-Interview Luise Kinseher über Fluch und Segen einer Lebensrolle

Auf einer Regierungsbank im klassizistischen Empire-Stil: Luise Kinseher hat als Mama Bavaria gleich mal Ilse Aigner eingeladen. Foto: BR

Luise Kinseher fragt sich: Bin ich wirklich die Mama Bavaria? Über Fluch und Segen einer Lebensrolle, die jetzt ins Fernsehen kommt. Am Donnerstag läuft die erste Sendung im Bayerischen Rundfunk.

München - Vom Singspiel auf die Kanzel: Von 2011 bis letztes Jahr las Luise Kinseher als erste Frau auf dem Nockherberg Politikern und Gschaftlhubern die Leviten – als Mama Bavaria. Diese Rolle hat sie jetzt in ein Unterhaltungsprogramm verwandelt. Vor der Kulisse mit Säulen der Ruhmeshalle lädt die symbolische Landesherrin jetzt Gäste ein. Man spricht, lacht und diskutiert über Gott und die Welt und natürlich Bayern. Am Donnerstag (21 Uhr) geht’s im Bayerischen Fernsehen damit los.

AZ: Frau Kinseher, Ihr Kabarett-Kollege Helmut Schleich hat erzählt, dass es für ihn irritierend sei, über den Viktualienmarkt zu gehen und die Leute rufen: "Da ist der Strauß!"
LUISE KINSEHER: Das Wichtige ist, und das weiß der Helmut so gut wie ich: Man muss auch was anderes machen als nur eine Figur. Aber natürlich sagen die Leute auf der Straße. "Ja, Mama, griaß di!" Das ist natürlich Fluch und Segen zugleich.

Weil Sie nicht die Mama Bavaria sind?
Doch – und das ist der Vorteil: Ich bin ihr sehr, sehr nah – und sie hat als Kunstfigur noch viel mehr Möglichkeiten.

Sie kann frecher sein.
Das auf jeden Fall. Und sie hat natürlich als traditionelle Landesmutter viel mehr Autorität. Und sie kann die Franken integrieren.

Aber da haben wir ja den übenden "Landesvater".
Natürlich muss man auch mal einen Franken einladen. Ein Schwerpunkt sind für die Mama Bavaria natürlich erst mal das Kabinett und die Parteien. Aber wir haben da keinen festen Proporz. Meine Gäste werden aus allen Landesteilen kommen, Frauen werden natürlich auch viel zu sagen haben, aber es muss nicht immer ein Berühmter sein. Nur was zu sagen muss man haben – und was für Bayern tun.

Schwerpunkt sind das Kabinett und die Parteien

Dann könnte man sich also auch bewerben.
Wäre nett, wird auch angeschaut, aber natürlich haben wir schon Ideen für die ersten 400 Sendungen.

Bei vier Mal im Jahr sind das die nächsten 100 Jahre.
Kein Problem. Die Mama Bavaria über der Theresienwiese schaut ja schon seit fast 200 Jahren über ihr Bayernland und wird das die nächsten 100 Jahre sicher auch noch machen.

Fürchten Sie sich vor gar nix?
Ich schon, aber nicht die Mama Bavaria. Und das finde ich so toll an der Figur.

Und wenn dann jemand nicht mehr politisch korrekt ist?
Zum Beispiel?

Sendung ist leichter als derblecken am Nockherberg

Wenn da einer auf gut Bairisch was von "Negern" sagt?
Das ist doch grad spannend! Weil im Bairischen ist das ja an sich nicht abwertend – so wie Hochdeutsch ein "Schwarzer". Und da kommt es halt auf das Feingefühl der Mama Bavaria an rauszuhören, wie einer das meint. Denn die Bavaria hat einen stolzen Heimatbegriff, der aber niemanden ausschließt, nur weil er anders ist als irgendeine Mehrheit. Die Mama Bavaria ist ein liberaler und vor allem humaner Mensch – und großzügig. Sie hat die Liberalitas Bavariae seit 1850 inhaliert, wo sie da steht, da steht sie fest, das ist ihr Fundament. Und von dort aus nimmt sie jeden, wie er ist, und versucht ihn mütterlich zu verstehen. Und bei Bornierten ist dann auch ein Hirnbatzl drin, wenn ein paar unterentwickelt humane Hirnregionen belebt werden müssen. Aber es ist eine Unterhaltungssendung!

Die Sendung ist doch entspannter als der Nockherberg.
Sicher. Weil es leichter ist, sich mit Leuten zu unterhalten, als ihnen die Leviten zu lesen. Ich bin ja eher ein versöhnlicher Typ, aber natürlich muss man dafür dann spontan schlagfertig sein.

Wie ist denn die Mama Bavaria zu dieser Figur geworden, die sie heute ist?
Naja, die Bavaria war vor neun Jahren im Singspiel vom Alfons Biedermann dabei, neben dem Franz Josef Strauß vom Schleich. Bayern suchte damals am Nockherberg den Superpolitiker – und die Weißwürscht waren die Jury. Das war ja das Jahr, wo der Michael Lerchenberg aufgehört… wurde. Ich bin dann gefragt worden, und da war es so naheliegend, als Bavaria weiterzumachen, weil es sich gut angefühlt hat für mich. Aber eben jetzt nicht mehr als so eine Art Faschingsfigur, sondern mit mehr Würde, Menschlichkeit und vor allem Persönlichkeit – und da kam die Mama dazu: Die denkt mit, schaut genau hin, darf sich was rausnehmen, aber sie bleibt immer lustig, herzlich.

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