Maffays Märchen-Musical Tabaluga: Abschied vom Rock-Drachen

Am Ende sangen Maffay und Tabaluga mit den begeisterten Münchnern im Chor - die Bilder der Musical-Premiere in der Münchner Olympiahalle. Foto: dapd/Lukas Barth/Anne Kostrzewa

„Tabaluga und die Zeichen der Zeit“ – der kleine grüne Drache verabschiedet sich, unterstützt von seinem Ziehvater Peter Maffay, mit diesem Rock-Musical auf der Bühne der Olympiahalle.

 

"Die doofe Zeit kann mir gestohlen bleiben!“, ruft Tabaluga beleidigt. Denn der Zeit auf die Spur zu kommen ist ziemlich knifflig, das hat der kleine grüne Drache gleich gemerkt. Doch dann siegt natürlich die Neugier und Tabaluga begibt sich mit dem rätselhaften Magier (Rufus Beck) auf eine wundersame Abenteuerreise, durch die Zeit und über die Grenzen der Olympiahalle hinaus.

Dabei wird schnell klar: Der kleine Drache ist auf dem besten Weg, langsam aber sicher erwachsen zu werden. Wer den klassischen Handlungsstrang der bisherigen Rockmärchen erwartet, wird bei „Tabaluga und die Zeichen der Zeit“ enttäuscht.

Philosophischer denn je werfen Ziehvater Peter Maffay und sein Tabaluga in den zahlreichen Bühnen-Kurzgeschichten tiefgründige Fragen auf: Kann man Zeit kaufen? Ist es möglich, den schönsten Moment seines Lebens noch einmal zu erleben, wenn auch nur im Traum? Und haben blitzflinke Hasen (klasse: im Bayern-Trikot) mehr vom Leben, als lahme Schnecken?

Als Tabalugas verstorbener Drachen-Vater ihm als Geist erscheint und bereut, so wenig Zeit für einen Sohn gehabt zu haben, wird es still im Saal. „Kann der Tabaluga seinen Papa nie mehr wiedersehen?“, fragt ein zartes Stimmchen tränenerstickt in die Stille.

Zwischen Tränen, Funkenblitzen und Gute-Laune-Rock

Doch im nächsten Moment sprühen auf der Bühne wieder Funkenblitze, Rockakkorde durchschlagen die Melancholie und kurze Zeit später rockt das ganze Publikum wieder gut gelaunt mit dem beeindruckenden Tanzensemble und den mitreißenden Songs der Band.

Die Lacher hat vor allem „Bühnen-Hooligan“ Arktos (Heinz Hönig), der böse Schneemann, auf seiner Seite, der mithilfe seines Assistenten „0815“ das Diktat der Zeit durchbrechen will. Der Tod feiert als gut gelaunter Akrobat mit Karottennase und Chucks seinen Auftritt, als er verstorbene Eintagsfliegen von der Bühne kehrt. Und die bauchtanzende „Kameliendame“ (zum Brüllen: Uwe Ochsenknecht) fordert mehr sinnliche Momente im Leben.

Doch der eigentliche Star des Abends ist Peter Maffay. Mit jedem tosenden Applaus wird klarer: Während die kleinen Zuschauer ihrem Tabaluga zujubeln, rockt Maffay die Herzen der Erwachsenen.
Denn als nach dreistündiger Show die ersten Kinder gähnend wegnicken, kriegt Maffay von seinen Fans Standing-Ovations, spielt drei Zugaben.

„Irgendwo tief in mir bin ich ein Kind geblieben“, singen hunderte Münchner an diesem Abend. Und als sie schließlich in den nebligen Olympiapark hinausziehen, spürt man die Wärme, die „Tabaluga“ im Herzen jedes einzelnen hinterlassen hat. So verabschiedet man sich nach 30 Jahren gerne von dem kleinen grünen Drachen.
 

 

3 Kommentare