Mädchen an Silvester getötet Janina (11) erschossen - Täter drückte aus Wut ab

Der 53-Jährige wurde an seiner Arbeitsstelle verhaftet und abgeführt. Er gestand, die tödlichen Schüsse in der Silvesternacht abgegeben zu haben. Foto: RTL Aktuell/dpa/News5

Am Tag nach seiner Verhaftung legt Roland E. ein erschütterndes Geständnis ab. Er schoss, weil ihn der Böllerlärm nervte.

Oberaurach - Die Menschen in dem kleinen Dorf Unterschleichach in Unterfranken schwanken zwischen Erleichterung und purem Entsetzen. Erleichterung, dass der Mörder der kleinen Janina (11) gefasst ist; Entsetzen, weil es einer aus ihrer Mitte war.

Blumen, Grablichter und Kerzen stehen an der Stelle, an der Janina vor zwei Wochen in der Silvesternacht starb. Ein Schuss tötet die elfjährige Schülerin, als sie zusammen mit ihrer Mutter und einigen Bekannten im Ort fröhlich ins neue Jahr feiert. Das Mädel wird am Kopf getroffen und stirbt wenig später in einem Krankenhaus.

„Er ist ein Choleriker“, sagen Anwohner, die den Täter kennen

Roland E. wohnt nur etwa acht Meter entfernt mitten im Ort, in einem schmucken Einfamilienhaus mit gepflegtem Garten. Jeder kennt ihn, doch die wenigsten mögen ihn offenbar. „Er ist ein Choleriker“, sagen manche in dem 455-Seelen-Dorf, andere nennen ihn einen „Querulanten“.

Roland E. hat einen Job in der Haftanstalt Ebrach. Er ist nicht Vollzugsbeamter, sondern lediglich als Kraftfahrer angestellt. Der 53-Jährige wird in der JVA an seinem Arbeitsplatz festgenommen. Bei seiner Vorführung in Bamberg trägt er deshalb noch immer seine grün-beige Dienstbekleidung.

Geständnis hinter Gittern: "Ärger über Silvesterballerei"

Inzwischen sitzt er als Untersuchungshäftling selbst hinter Gittern. Der 53-Jährige hat bereits ein Geständnis abgelegt.

Seine Erklärung für die Wahnsinnstat macht fassungslos. Er habe aus „Ärger über die Silvesterballerei“ geschossen, gibt der 53-Jährige an. Er habe allerdings niemanden töten wollen, behauptet der Schütze.

Rückblende: Roland E. ist in der Silvesternacht frustriert. Seine Freundin und sein Sohn sind ausgegangen. Der 53-Jährige bleibt alleine zurück im Haus. Er legt sich aufs Sofa und schläft ein. Gegen 1 Uhr nachts wird er wach. Der Lärm von Böllern und Raketen hat ihn aus dem Schlaf gerissen.

Er holte die Waffe aus dem Keller und schoss in Richtung Janina

Roland E. geht in den Keller. Dort lagert er vier Waffen, darunter zwei Kleinkaliberwaffen. Sie stammen noch aus seiner Zeit als Sportschütze.

Aus dem Garten heraus habe er dann drei- bis viermal in Richtung der Gruppe geschossen, die in der Nähe seines Hauses steht und ausgelassen Silvester feiert. Der 53-Jährige habe aus „Wut und persönlichem Frust über seine Lebenssituation“ gehandelt, sagt der Bamberger Oberstaatsanwalt Erik Ohlenschlager gestern auf einer Pressekonferenz. Seine Ehefrau hatte Roland E. bereits vor einiger Zeit verlassen. Seitdem leidet er an Depressionen und psychischen Problemen. Das war auch der Grund, weshalb er dem Schützenverein den Rücken kehrte.

Auf die Spur kommt die Kripo dem Justizangestellten mit Hilfe des LKA und Profilern aus München. Die Polizei beschlagnahmt rund 60 Kleinkaliberwaffen und überprüft alle registrierten Waffenbesitzer, die in der Nähe wohnen.

Widersprüche bei Vernehmung

Auch Roland E. wird, wie alle im Ort, zunächst als Zeuge vernommen. Dabei verstrickt er sich zunehmend in Widersprüche. „Dass seine Angaben in wesentlichen Dingen nicht stimmten, hat den Fokus auf ihn gelegt“, sagt Ohlenschlager.

Auch die Rekonstruktion der Schussbahn hilft den Ermittlern weiter. Experten des Landeskriminalamts vergleichen das bei der Obduktion sichergestellte Projektil mit den beschlagnahmten Waffen. Das endgültige Ergebnis des ballistischen Gutachtens liegt allerdings noch nicht vor.

Janinas Vater will keine Rache, sondern Gerechtigkeit

Janinas Vater, Antun M. (34) ist erleichtert, dass der Täter gefasst ist: „Ich will ihm auf jeden Fall in die Augen schauen, um zu sehen, wie er selber zu der Tat steht. Er hat mir mein Kind genommen. Ich würd’ ihn gern einmal fragen, was er sich dabei gedacht hat.“

Rache will der 34-Jährige nicht, aber Gerechtigkeit: „Ich hoffe, dass er seine gerechte Strafe kriegt. Ich hoffe, die fällt nicht gerade mild für ihn aus.“

 

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