Machtkampf im Weltkonzern Putsch bei Siemens

Der Neue und der Alte. Joe Kaeser (links) und Peter Löscher Foto: dpa

Peter Löscher muss den Chefposten räumen. Er sieht sich als Opfer  und muss sich mit einer hohen Millionen-Abfindung trösten

 

München Es war kurz und brutal. Am Wochenende ist ein beispielloser Machtkampf bei Siemens entscheiden worden. Peter Löscher, seit 2007 Chef beim Weltkonzern muss gehen. Der Österreicher sprach dem Vernehmen nach von einem „Putsch“. Der aber dürfte sich für das Opfer gelohnt haben. Bis zu 15,7 Millionen Euro könnte der 56-Jährige noch kassieren.

1. Akt des Dramas: Vergangenen Donnerstag verkündet Siemens, dass die Zwölf-Prozent Rendite, die Löscher den Aktionären und den Finanzmärkten für 2014 versprochen hatte, nicht erreicht würde. Die dürre Sechs-Zeilen-Meldung ist die zweite Gewinnwarnung in drei Monaten und der Sargnagel für Löschers Siemens-Karriere.

2. Akt: Am heißesten Wochenen des Jahres treffen sich Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, sein Stellvertreter Josef Ackermann und Nicola Leibinger Kammüller, Miteigentümerin des Maschinenbauers Trumpf, im Münchner Airport. Am anderrn Ort berät unter der Leitung von IG-Metall-Chef Berthold Huber die Arbeitnehmerseite.

3. Akt: Das Ergebnis am Samstag Abend: Löscher, einst angetreten als Hoffnungsträger nach dem großen Bestechungsskandal, geholt vom Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, wird am kommenden Mittwoch entlassen.

Und dafür verantwortlich ist, so die Lesart, die Löscher laut „FAZ“ jetzt durchblicken lässt, wieder Gerhard Cromme. Der habe seinen Kopf retten wollen und Löscher mit der willkürlichen Veröffentlichung der Gewinnwarnung den großen Tritt verpasst. Und aushelfender „Adjutant“ („FAZ“) bei der Meuchelei soll Finanzvorstand Josef, genannt „Joe“ Kaeser gewesen sein.

Mit Löschers Sturz habe sich Cromme, gerade bei Thyssen Krupp davongejagt, die Macht gesichert und sich aus der Schusslinie genommen. Und zum Dank dafür wird Kaeser jetzt Siemens-Chef (siehe unten). Löscher, der noch am Samstag kämpfen wollte („Gerade jetzt ist der Kapitän bei Siemens mehr gefragt denn je“), drang mit seiner Version bei der Mehrheit der Aufsichtsräte nicht durch.

Auch die Kapitalmärkte hatten das Vertrauen in Löscher verloren. Als die Treffen der Aufsichtsräte am Freitag bekannt wurden, sprang die Aktie binnen Sekunden um drei Prozent nach oben. Im Vergleich performte die Siemens-Aktie im Dax meist unterdurchschnittlich. Löscher war als Erneuerer vom US-Pharma-Riesen Merck gekommen, ist aber mit einer Reihe von Engagements gescheitert (siehe unten).

Er kann sich auf einen goldenen Handschlag freuen: Die FAZ berechnet seine Abfindung auf neun Millionen Euro plus Pensionszusagen. Das „Handelsblatt“ legt sich fest. Es werde lauf Siemens-Geschäftsbericht „maximal zwei Jahresvergütungen“ sein. Das wären bei einem Jahresverdienst von zuletzt 7,87 Millionen 15,74 Millionen Euro. Dazu kommen erworbene Pensionszusagen von mindestens 14,7 Millionen Euro.

0 Kommentare