Lustspielhaus Django Asül: Der satirische Jahresrückblick

Django Asül ist Deggendorfer mit türkischen Wurzeln, Tennislehrer und Bankkaufmann. Auf der Bühne spricht er niederbayrisch. Foto: mediaPool

Am besten als Schleuser gehen: „Rückspiegel 2015“, der satirische Jahresrückblick des Kabarettisten Django Asül im Münchner Lustspielhaus.

 

München - "Herzlichen Glückwunsch!“ grüßte er seine Zuhörer bei der München-Premiere. „Sie sind seit heute Kriegspartei“. Kurz zuvor hatte die Bundesregierung den Syrien-Einsatz der Bundeswehr beschlossen und Django Asül kann Kabarett nach Nachrichtenlage.

Aber etwas anderes bleibt ihm auch nicht übrig, denn er tourt schon seit Wochen durch Süddeutschland, um in den „Rückspiegel 2015“ zu blicken. Die Zeiten sind so unruhig und ereignisreich, dass die Stoffsammlung für einen satirischen Jahresrückblick tatsächlich erst am 31. Dezember verlässlich vollständig sein wird.

Deshalb schreibt er sein Programm täglich um, berichtet er aus seiner politischen Pointenwerkstatt freimütig. Manchmal sei der Text so tagesaktuell, dass er ihn beim Auftritt am Abend selbst überrasche. Da er den kleinen Stehtisch, der das einzige Möbel auf der Bühne ist, für das Glas Weißbier braucht, hält er ein dickes Manuskript in der Hand. Erst, wenn er am Schluss das enthusiastisch applaudierende Publikum aus dem Lustspielhaus hinaus zu komplimentieren versucht, oder sich von einer Zuschauerin aus Heidelberg über eine souverän launige Improvisation über die Kurpfalz inspirieren lässt, wird offensichtlich, dass vor allem der papierlose Django unschlagbar ist.

Die ehemals beliebte Kanzlerin

Mit gewohnt stoischem Blick und trockenem Witz pflügt er durch die vergangenen Monate. Er erinnert an die Griechenland-Krise mit Premierminister Tsipras und Finanzminister Varoufakis, an Beckenbauer und Niersbach als Strategen der Nicht-Aussage oder an Putin und Obama, ein Paar „wie Marianne und Michael“, nur nicht so musikalisch. Apropos Volksmusik: Genüsslich weidet sich Django an dem Debakel beim Wechsel vom „Musikantenstadl“ zur „Stadlshow“ der ARD, aber auch an den Beschluss der Universität Passau, zu ihrem jährlichen Jux-Fensterln auch Frauen zuzulassen. Warum trotzdem keine Frauen teilnehmen wollten, sei klar: Frauen sind intelligent genug, um die Treppe oder den Aufzug zu benutzen.

Seine Lieblingsfeindin aber bleibt die „ehemals beliebte“ Bundeskanzlerin Merkel, deren Motto „Wir schaffen das“ in der Flüchtlingsfrage inzwischen so wahr sei wie einst „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“. Zu den bevorstehenden tollen Tagen, wenn die von Asylsuchenden belegten Turnhallen in den Gemeinden für den Fasching benötigt werden, hat Django Asyl für Flüchtlinge mit Humor einen Kostüm-Tipp: Als Schleuser gehen.

Lustspielhaus, Karten nur noch für 26.12., 14 Uhr, Telefon 344974. Das Bayerische Fernsehen sendet am 27. und 28. 12., 22 Uhr eine Aufzeichnung

 

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