Lokalsport Unterhaching - vom Sponsor getäuscht? „Wir haben alle Angst“

Sorgen um Klaus Augenthalers Unterhachinger Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Ein geheimnisvoller Investor, der bislang nicht zahlt, sorgt für Verunsicherung in Unterhaching. Kupka: „Ich gehe davon aus, dass er kein Betrüger ist.“ Andernfalls stünde die SpVgg vor dem Aus

 

UNTERHACHING Vordergründig war es am Samstag das Spiel gegen den Tabellenführer. Und da kam die SpVgg Unterhaching zu einem 1:1 gegen Offenbach (Tore durch Nygaard und den Ex-Hachinger Rathgeber) und ist nun seit sechs Spielen in der 3. Liga ungeschlagen. Doch Hachings Trainer Klaus Augenthaler meinte hinterher: „In erster Linie ist das Ergebnis zweitrangig." Ob er damit die prekäre finanzielle Lage meinte? Unter der Woche der Rücktritt von Ex-Manager Erich Meidert („Ich mache mir ernsthafte Sorgen um den Verein und ich bete zum lieben Gott, dass ich nicht recht habe") – und nun machen Geschichten die Runde, denen zu Folge sich die SpVgg in eine bedenkliche finanzielle Schieflage manövriert habe.

Am Freitag verschickte der Kluib eine Pressemitteilung: „Die SpVgg Unterhaching hat mit Franco Levis als Vertreter einer Investorengruppe Sponsoren- und Zuwendungsverträge abgeschlossen." Große Verwunderung schon tags zuvor, als Hachings Präsident Engelbert Kupka in einer Pressekonferenz den Namen Levis ins Spiel brachte.

Franco Levis ist eigenen Angaben nach Generaldirektor der Depro Group, einer Anlagegesellschaft mit Sitz in Wien. Laut Homepage gibt es noch Büros in Italien und Tschechen, angegeben sind dort aber nur Telefon- und Faxnummern sowie Dependancen in Kiew (Ukraine) und Nikosia (Zypern), zu denen es keinerlei Kontaktmöglichkeiten gibt. Auf seinem Xing-Profil wirbt Levis so für sich: „Ich biete große Erfahrung als Führungskraft, hervorragendes Netzwerk in verschiedenen Ländern, hohe Anpassunsfähigkeit gegenüber Menschen und Kulturen, verschiedene Sprachen!“

Hachings Präsident Kupka jedenfalls gab sich überzeugt, dass die Investmentgruppe um Levis den bisherigen Hauptsponsor Generali (steigt 2011 aus) mehr als ersetzen könne. Doch bisher ist wohl noch kein Geld geflossen – obwohl Haching im guten Glauben, bald vermögend zu sein, im größeren Stil in Spieler investiert hat. Laut „SZ“ hat die SpVgg den Investor „letztmalig“ aufgefordert, ausstehende Zahlungen auf ein Treuhandkonto zu überweisen, andernfalls befürchte der Verein „insolvenzrechtliche Konsequenzen“. Kurzum: Haching steht womöglich vor dem Aus.

Generali hat bislang jährlich eine Million Euro an Haching überweisen. Es mehren sich die Stimmen, die sagen, dass die Hachinger in ihrer Not einem Scharlatan erlegen sind. Kupka zur AZ: „Wir haben Verträge geschlossen, die einzuhalten sind. Das hat uns Levis fest zugesagt. Ich gehe davon aus, dass er kein Betrüger ist." Den Kontakt zu Levis hatte Hachings Schatzmeister Anton Schrobenhauser hergestellt. „Levis wollte glaubhaft groß investieren. Wir haben uns, soweit wir konnten, da abgesichert", so Kupka, „wenn man jemand bekommt, der das Geld anbietet, wird man es nicht ausschlagen."

Erich Meidert bestätigt, dass sein Rücktritt mit Levis zusammenhängt. Sportchef Francisco Copado sagt: „Natürlich steht es nicht gut um die Spielvereinigung. Ich glaube aber nicht, dass jemand von uns dem Verein schaden will." Copado fügt sorgenvoll an: „Wir haben alle Angst, dass was passieren kann, aber wir müssen weiter kämpfen um den Verein. Noch sind die Lichter nicht aus."

R. Franke

 

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