Lokalsport Cheerleader mit Krücken

„Man kann nicht das tun, was man will“: Die rekonvaleszenten Bayern-Stars Demond Greene (l.) und Steffen Hamann auf der Bank.Foto: sampics/Augenklick Foto: az

Demond Greene und Steffen Hamann sollten die Galionsfiguren des FC Bayern-Basketballwunders sein. Nun sitzen die verletzten Stars auf der Bank: „Es ist hart, sich das von außen anzuschauen.“

 

MÜNCHEN Klatschen und Anfeuern, ein wenig Lächeln wenn ein Fotograf vorbeikommt. Steffen Hamann und Demond Greene sind im Moment durch ihre Verletzungen zwangsweise zu Premium-Cheerleadern mit Krücken degradiert. Geplant war das anders: Eigentlich hätten die beiden die Galionsfiguren der Basketballer des FC Bayern geben sollen – und zwar auf und nicht nur neben dem Platz.

Das sorgt für Frust: „Ich bin wütend“, sagt Greene, der mit einem Achillessehnenriss die ganze Saison fehlen wird. Wütend, weil die Mannschaft in den letzten beiden Spielen ziemlich mäßig gespielt hat und wütend, weil er nicht helfen kann. 55:63 hat Bayern in Würzburg verloren. „In solchen Spielen will man natürlich sofort aufs Feld und Gas geben, um der Mannschaft zu helfen“, sagt Hamann (Mittelfußbruch), „man kann nicht das tun, was man liebt.“

Weil die Bayern neben den beiden Nationalspielern auch andere kompetente Basketballer im Kader haben, hofften sie, deren Verlust würde sich einigermaßen kompensieren lassen. Aber die Lücken, die Hamann, Bauermanns Strippenzieher auf dem Feld und Greene, der Verteidiger von internationaler Klasse, hinterlassen haben, waren zu groß. „Demond und ich waren das Fundament des Ganzen“, sagt Hamann. „Wir sind eine andere Mannschaft, wenn wir spielen“, sagt Greene.

Gegen Essen (Samstag, 19.30 Uhr, Olympia-Eishalle) aber „wird die Mannschaft wieder ein anderes Gesicht zeigen“, sagt Greene. Nicht mehr 63 oder 55, sondern 80 bis 90 Punkte „sollten wir mit unserer Qualität schon machen“, meint Hamann.

Die beiden Leidensgenossen werden das Spiel wieder vom hinteren Ende der Bayern-Bank verfolgen. Immerhin: „Man kriegt so mehr von der Stimmung in der Halle mit“, sagt Greene. „Wir haben uns schon öfter angeschaut und geschmunzelt, weil uns die Fans so geil unterstützen“, sagt Hamann.

Wenn da nur nicht der instinktive Drang wäre, umgehend zur Mannschaft auf das Parkett zu stürmen. Das macht die Zuschauerrolle zu einem bittersüßen Vergnügen. „Es ist schon auch hart, sich das von außen anzuschauen“, sagt Hamann.

Für ihn gibt es zumindest noch die Perspektive, vor Weihnachten zurückzukehren. „Körperlich bin ich absolut fit“, sagt der Nationalmannschafts-Kapitän, „am Oberkörper habe ich sogar Muskeln zugelegt.“ Aquajoggen und Rad fahren darf Hamann schon, am Montag wird sein Fuß noch einmal untersucht, die Ärzte werden dann den weiteren Weg vorgeben.

So weit ist Greene noch nicht. Er hat sich extra eine neue, ziemlich wüst anmutende Kurzhaarfrisur verpasst, um die langwierige Genesungspause besser durchstehen zu können. „Reha ist härter als Training“, sagt Greene, „die Frisur erinnert mich daran, dass ich ein Krieger bin.“

Julian Galinski

 

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