Lokales Zu wenig Schlaf kann tödlich sein – das Herz macht schlapp

Schlafmediziner Prof. Joachim Ficker setzt einer Patientin im Schlaflabor eine Nasenmaske auf, die Atemaussetzern entgegenwirkt. Foto: Berny Meyer

Volksleiden: Die AZ erklärt in einer 12-teiligen Serie, wie sie die schleichenden Krankmacher erkennen und vorbeugen können. 1. Thema der Serie: Schlafmangel!

NÜRNBERG Rund zwei Jahre schleppte sich Peter Ahrens* (48) erschöpft und müde zur Arbeit. Lange fiel es dem Selbständigen aus Nürnberg nicht auf, dass er immer unkonzentrierter wurde, Besprechungen nur noch mühsam folgen konnte, es ihm immer schwerer fiel, lange Schriftstücke in einem Stück zu lesen, ohne dabei am Schreibtisch einzuschlafen.

Nächtliche Atemaussetzer können lebensbedrohend sein

Die Alarmglocken schrillten, als er seine Dauermüdigkeit fast mit dem Leben bezahlte: Er fiel auf der Autobahn in einen Sekundenschlaf – und krachte gegen die Leitplanke. Er kam mit dem Schrecken davon, suchte dann aber Hilfe beim Arzt.

„Peter Ahrens ist einer von rund 50.000 Betroffenen in der Region, die an einer Schlaf-Apnoe leiden“, so der Nürnberger Schlafmediziner Prof. Joachim Ficker (47), Chefarzt am Klinikum Nord und Leiter des dortigen Schlaflabors, bei dem der 48-Jährige nun in Behandlung ist.

50.000 Menschen in der Region sind betroffen

Eine Schlaf-Apnoe bezeichnet nächtliche Atemaussetzer. Oft sind die Patienten starke Schnarcher, die ihr Leiden normalerweise selbst gar nicht bemerken – außer ein Partner macht sie darauf aufmerksam. Denn in der Regel schlafen sie oberflächlich gesehen, störungsfrei durch.

Das kann fatal sein: Denn langfristig ist diese Krankheit lebensbedrohend!

Die Patienten sind oft starke Schnarcher

Nicht weniger erschöpfend können auch offensichtlichere Schlafstörungen sein: Wenn man nicht einschlafen kann oder in der Nacht immer wieder aufwacht. Experten schätzen, dass jeder fünfte Deutsche im Schlaf keine Erholung mehr findet. Fast jeder zweite Berufstätige in Bayern leidet unter Schlafstörungen, ergab der aktuelle Gesundheitsreport der DAK Mittelfranken.

Welche Anzeichen deuten auf eine Schlaf-Apnoe hin? Müdigkeit trotz ausreichenden Schlafes; Gereiztheit, Unkonzentriertheit; Abnehmen bei Übergewicht fällt schwer. Die Patienten sind oft starke Schnarcher. „Nächtliche Atemaussetzer sind eine sehr häufige Ursache für Bluthochdruck“, so Prof. Ficker.

Was passiert im Körper? Eine Blockade der oberen Atemwege (im Bereich hinter der Zunge und dem Zäpfchen) verursacht die Atemaussetzer – der Körper gerät in großen Stress. Prof. Joachim Ficker erklärt: „Das ist in etwa so, wie wenn Ihnen jemand hunderte Male am Tag den Mund zuhielte.“

Die Risiken: Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall können die Folgen sein.

Wann zum Arzt? Ab sechs Wochen Dauererschöpfung ist ein Besuch beim Hausarzt angeraten. Bei besonders ausgeprägten Beschwerden lohnt der direkte Weg zu einem Schlafmediziner.

Wie vorbeugen? Viele Betroffene haben eine genetische Veranlagung. Übergewicht, Rauchen und Verschiebungen am Kiefer erhöhen das Risiko. Bei klassischen Schlafstörungen: Rhythmus in den Alltag bringen, am Abend Ruhephase schaffen, im Schlafzimmer für ein stressfreies, kühles, dunkles und leises Raumklima sorgen.

Wie behandeln? Bei einer Apnoe: Besserung ist mit einer Mundschiene, Nasenmaske, Operation oder durch deutliches Abnehmen (bei Übergewicht) möglich. Bei Einschlafproblemen: Rhythmus in den Tag bringen, Entspannung am Abend vor dem Zubettgehen, Alkohol und Zigaretten meiden. Schlaftabletten sind in Ordnung – sollten aber nur in Ausnahmesituationen und nie länger als 14 Tage genommen werden, da die Gefahr der Gewöhnung sehr groß ist. Marlina Pfefferer

*Name geändert

Weitere Infos zur neuen AZ-Serie und zu den Themen Schlafmangel und Schlaflabor finden Sie in Ihrer AZ-Printausgabe am Montag, 16. August!

 

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