Lokales Wie viel Klinik-Ärzte wirklich verdienen

Qualität hat ihren Preis: Bei der großen Mediziner-Demo in München gingen viele der 940 Ärzte des Nürnberger Klinikums für mehr Geld auf die Straße. Foto: dpa

Tausende Mediziner streiken für fünf Prozent mehr Geld und eine bessere Bezahlung der Bereitschaftsdienste. Das Klinikum Nürnberg würde das 6,5 Millionen Euro im Jahr zusätzlich kosten

 

NÜRNBERG Der ICE war zu teuer. Nürnbergs Klinikums-Ärzte müssen sparen. Zur großen Demo fuhren sie am Montag mit dem Regionalexpress nach München. Für den gilt das günstige BayernTicket (fünf Erwachsene, 28 Euro). Dort demonstrierten sie für mehr Geld. Fünf Prozent mehr Gehalt wollen sie. Dazu eine höhere Vergütung der Nachtarbeit und der Bereitschaftsdienste. Wie viel die Ärzte wirklich verdienen...

„Andere Akademiker bekommen weit mehr Geld als wir“, sagte Heidemarie Lux, Nürnberger Chefin der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, als sie auf den Zug wartete. Das Angebot der Arbeitgeber für die Ärzte an kommunalen Krankenhäusern ist für sie jedenfalls ein Hohn. 2,9 Prozent mehr bieten die an. Der Tarif soll 36 Monate laufen.

„Das wäre aufs Jahr gerechnet nicht einmal ein Prozent. Das gleicht nicht einmal die Inflation aus“, rechnet die Ärztin vor. Dazu kommt, dass es beispielsweise pro Stunde Nachtschicht nur eine Zulage von 1,28 Euro gibt. „Dafür arbeitet in anderen Branchen niemand!“ Bereitschaftsdienste würden so mit anderen Diensten und vorgeschriebenen Ruhezeiten verrechnet, dass „es günstiger für die Klinik ist, wenn sie uns in der Nacht arbeiten lässt“.

„Die Ärzte sind die Berufsgruppe unter Akademikern, die am besten verdienen“

Auch für bessere Arbeitsbedingungen gingen rund 4000 Ärzte aus ganz Bayern in München auf die Straße. So spielt Notarzt Daniel Schmidt aus München mit dem Gedanken, auszuwandern. „Hier geht es um fünf Prozent mehr Lohn. Woanders bekomme ich 100 Prozent mehr!“ In ein paar Tagen fliegt er nach Südostasien zu Vorstellungsgesprächen.

Bessere Arbeitsbedingungen will auch das Nürnberger Klinikum anbieten. „Wir haben zum Beispiel viele Teilzeitmodelle. Viele Ärzte wollen nicht mehr Geld, sondern mehr Freizeit“, sagte Günther Niklewski von der Leitung des Nürnberger Klinikums. „Aber darum geht es in der Tarifauseinandersetzung nicht. Es geht nur ums Geld.“

Und das hat das Nürnberger Klinikum nicht. Die Forderungen des Marburger Bunds summieren sich auf ein Gehaltsplus von 8,7 Prozent. Das hat Klinik-Chef Alfred Estelmann ausgerechnet. „Sollte das kommen, würde uns das mit 6,5 Millionen Euro zusätzlich im Jahr belasten.“ Dazu kommt: Jeder Streiktag kostet das Klinikum 1,5 Millionen Euro. Die Krankenkassen überweisen zwar mehr Geld. Aber: „Wir haben nur eine halbe Million Euro zur Verfügung, um die höheren Gehaltsforderungen zu bezahlen.“ Für Estelmann sind die Forderungen sowieso überzogen: „Die Ärzte sind die Berufsgruppe unter Akademikern, die am besten verdienen.“ (siehe Tabelle in der Print-Ausgabe vom 18.5.).

Anders als die Schwestern und Pfleger, die nicht streiken. „Das kann zu einer gefährlichen Spaltung in der Belegschaft führen“, befürchtet Professor Martin Wilhelm, Chef der Krebsklinik.

Zu leiden haben die Patienten. Zwar gibt es einen Notdienst, der alle notwendigen Leistungen sicherstellt. „Aber Wartezeiten sind nicht auszuschließen“, so Estelmann. mir

 

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