Lokales Vierfache Mutter: So besiegte ich den Krebs

Konstanze Kuchenmeister mit Mann Stefan und (v. l.) Carlos, Catherine, Konstantin und Charline. Foto: News5

Konstanze Kuchenmeister überlebte die Krankheit und einen Hirntumor. Hera Lind beschreibt ihr Schicksal.

NÜRNBERG Die Hölle, mit der in Deutschland jährlich etwa 36.000 Frauen konfrontiert werden, lässt sich abkürzen: HPV, Humane Papillomviren, die auch Gebärmutterhalskrebs auslösen. Seit einiger Zeit können sich Mädchen mit einer Impfung schützen, die Spritze setzen Frauenärzte wie Dr. Konstanze Kuchenmeister (42) aus Nürnberg. Niemand weiß besser als sie, wie wichtig die Impfung ist: Die vierfache Mutter litt selbst unter dem Krebs. „Sterben kam für mich nicht in Frage“, sagt die schöne, offene Frau. Sie überlebte nicht nur das Karzinom, sondern drei Monate später auch noch einen Gehirntumor!

Konstanze Kuchenmeisters Leben war bis zum Herbst 2004 ein gradliniger Erfolg: Ihre große Liebe Stefan (45) lernte sie mit 25 kennen, nur zehn Monate später die Heirat, Catherine (heute 11) wurde geboren, dann Konstantin (9). Als die Frauenärztin eine Praxis in Schwabach übernahm, ist sie mit den Zwillingen Charline und Carlos (6) schwanger.

Die Powerfrau stillte im Job, sie schaffte es auch noch, ein Leben neben Praxis und Vierfach-Mutterschaft führen zu können. Sie war glücklich. Bis zum 17. September 2004. Die Zwillinge waren fünf Monate alt, als bei ihr Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert wurde. Die Praxis, die Kinder – schnell war abgewickelt, abgestillt, drei Tage später die OP. Ihr sagten die Ärzte, sie habe eine 60-prozentige Überlebens-Chance. Ihr Mann erfuhr die Wahrheit: 40 Prozent. Die Ärztin: „Ich war eine Patientin wie alle anderen – mit ihren Sorgen, ihrer Hoffnung, mit ihrer Mutlosigkeit.“ Genau da sprang Stefan ein. Der Politikberater appellierte: „Gib nicht auf, wir schaffen’s. Träum dich ans Ziel.“ Und immer wieder das „wir“: „Wir schaffen es!“

Das war, erzählt sie, das Wichtigste. Sie brauchte zwar auch das Chemo-Gift, doch die Überlebenskraft schöpfte sie aus Optimismus: „Ich glaube unbedingt daran, dass gute Gedanken heilen.“

Sie wollte nur eins: zurück zu ihren Kindern. Schwach aber glücklich, ihr Quartett wieder in die Arme zu schließen, diente ihr der Alltag als Korsett: „Rumsitzen und nachdenken – das ging gar nicht.“

Kurz darauf arbeitete sie wieder. Ihr Chemo-Haar verbarg sie unter einem Kopftuch. Der Rückhalt – ihr Mann – war stark, die Zukunft – ihre Kinder – forderten sie. Der Angst beugte Ehemann Stefan vor: Er schenkte ihr einen teuren Armreif: „Wie beim Ring am Schönen Brunnen – drehen und wünschen, genau das sollte meine Frau tun, wenn es ihr wieder schlecht ging.“

Leider trat genau das ein. Konstanze Kuchenmeister wog bei 1,83 Metern nur noch 53 Kilo, Übelkeit und Kopfschmerz machten ihr zu schaffen. Als sie im Dezember 2004 zusammenbrach, entdeckten Ärzte einen kinderfaustgroßen Tumor am Kleinhirn.

„Ich habe versucht, mich innerlich ganz leer zu machen – sonst wäre ich hysterisch geworden“, erinnert sie sich an die Minuten der Diagnose. Nach Hause konnte sie nicht mehr, sie musste in der Erlanger Kopfklinik bleiben. Die Ärzte machten wenig Hoffnung: Von mindestens halbseitiger Lähmung war die Rede, Teile des Kleinhirnes sollten entfernt werden.

Konstanze Kuchenmeister sah dem Tod ins Auge – und dachte nur an die Kinder. Ihr Mann sollte ihr versprechen, wieder zu heiraten, schließlich bräuchten die Kinder eine Mutter. Doch Stefan Kuchenmeister hielt dagegen: „Du wirst nicht sterben, wir werden das schaffen.“ Sein Mantra, es hilft ihr auch diesmal.

Mit der Angst, ihre Kinder nicht mehr sehen zu können, wurde sie in den OP geschoben. Die Ärzte sägten ein Loch in den Hinterkopf, entfernten den Tumor, auch große Teile des Kleinhirns. Doch sie erwachte mit guten Nachrichten: Sie war nicht gelähmt. Und der Tumor gutartig.

Konstanze Kuchenmeister wollte zurück nach Hause, ging auf eigene Gefahr. Ihr Kopf drohte manchmal vor Schmerzen zu platzen, doch jetzt konnte sie die Kinder endlich beruhigen: Die Mami bleibt jetzt da, sie wird nicht sterben. Vier Wochen später stand sie wieder in der Praxis.

„Unser Leben hat sich komplett geändert, es ist nach dem Krebs noch schöner geworden“, sagt die 42-Jährige. Zuhause in Erlenstegen wird nicht im Konjunktiv gesprochen, das Wort „aber“ ist gestrichen. Wenn sie sich über Kleinigkeiten ärgert, fasst sie sich kurz an Kopf, berührt die Stelle, an der kein Knochen mehr das Gehirn schützt – dann weiß sie wieder, worauf es wirklich ankommt.

Sie ist krebsfrei. Und sieht in ihrer Praxis ständig Frauen mit dem gleichen Schicksal – und junge Mädchen, denen eine Impfung helfen könnte.

Auch deshalb erzählte sie ihre Geschichte der Erfolgs-Schriftstellerin Hera Lind („Das Superweib“): „Das war wie eine Therapie für mich.“ Hera Lind schrieb ein Buch über ihr Schicksal – und ließ ihre Töchter impfen. Die Ärztin: „Das möchte ich erreichen – dass ich Menschen Mut mache. Dass ich Frauen zur Vorsorge bewege – und dass sich Mädchen impfen lassen.“

Hera Lind: „Himmel und Hölle“, 368 Seiten, 8,99 Euro

 

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