Lokales Tapfere Lara (3): Wer schenkt ihr ein neues Leben?

Die Kinderherz-Experten Robert Cesnjevar (links) und Sven Dittrich bei ihrer tapferen Patientin Lara (3). Der kleine schwarze Kasten vor ihrem Bauch ist das Kunstherz. Foto: bayernpress

Das Mädchen hängt seit Februar in der Erlanger Uni-Klinik am Kunstherz. Ihre Eltern hoffen auf ein Spenderorgan.

 

ERLANGEN Aus dem rosa CD-Player tönen Kinderhits, auf der Fensterbank stapeln sich Spiele und im Bett drängeln sich Stofftiere. Dazwischen sitzt Lara und plappert drauflos: ein süßes, sehr zartes Mädchen, das gerade vier Jahre alt geworden ist und am liebsten Fischstäbchen isst.

Dass sie diesen Geburtstag überhaupt feiern konnte, verdankt sie der Kunst der Medizin. Nur eine 120 Kilo schwere Maschine hält die Kleine in der Erlanger Uni-Klinik am Leben, nachdem die Ärzte ihr ein Kunstherz hatten einpflanzen müssen. Jetzt wartet sie auf ein Spenderherz.

Lara leidet an einer angeborenen Herzmuskelschwäche

„Als Lara sieben Monate alt war, merkten wir, dass etwas nicht stimmt. Sie wurde immer schwächer“, erzählt ihre Mutter Heike Günther, die jetzt im Wechsel mit Ehemann und Mutter bei ihrem einzigen Kind im Krankenzimmer der Uni-Klinik wohnt. Wenig später bekamen die Eltern die erschütternde Diagnose: „Ihr Kind ist todkrank.“ Lara leidet an einer angeborenen Herzmuskelschwäche.

Über drei Jahre gelang es dem Erlanger Experten Prof. Dr. Sven Dittrich, Leiter der Kinderkardiologie, eine Operation zu vermeiden. Doch Anfang Februar ging es nicht mehr, Lara dämmerte immer wieder weg, fiel fast ins Koma. Kinderherzchirurg Prof. Dr. Robert Cesnjevar wurde per Notruf aus dem Stadion beordert, wo er sich gerade das Abendspiel des FCN gegen Stuttgart anschaute.

„Ich hatte noch nicht mal Angst“, erinnert sich Heike Günther an den dramatischen Samstag, „ich wusste ja, dass das irgendwann auf uns zukommt.“ Nach zwei Stunden hatte Lara die Operation gut überstanden. „Sie schlug die Augen auf und hat sofort gelächelt. Das war wie Phönix aus der Asche“, schildert Sven Dittrich die Reaktion seiner tapferen Patientin.

Die Mutter hat jetzt einen Organspendeausweis

Inzwischen hat sich Lara an die klotzige Maschine gewöhnt, ebenso wie an EKG und andere Untersuchungen. Nur das Blutabnehmen passt ihr gar nicht. Stattdessen lässt sie sich lieber auf ihrer Maschine wie auf einem Buggy durch die Klinikflure karren. Der nur knapp zwölf Kilo schwere Floh schafft es sogar, das Gerät selbst zu schieben.

Eltern und Omas sorgen dafür, dass Lara nicht unter ihrer Situation leidet. Dass nur ein Spenderherz sie von den dicken Schläuchen aus ihrem Bauch und dem Metallklotz auf Rollen befreien kann, weiß sie nicht. „Wie soll ich das einer Vierjährigen erklären?“, fragt Heike Günther.

Sie selbst hat die Krankheit ihres einzigen Kindes zum Umdenken bewegt. Seit Lara am Kunstherz hängt, hat sie immer einen Organspendeausweis bei sich: „Vorher hatte ich keinen. Aber wenn man nichts damit zu tun hat, denkt man da leider nicht dran.“ Andrea Uhrig

 

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