Lokales Südklinikum: Große Chance für zu kleine Babys

Prof. Jan Holger Schiffmann (li.) und Dr. Wolfgang Köhler auf der Baby-Intensivstation des Südklinikums. Das nur 800 Gramm schwere Frühchen liegt im Brutkasten. Foto: B. Meyer

Nürnberger Ärzte machen Frühchen stark fürs Leben. Ein Verein hilft den bangenden Eltern.

 

NÜRNBERG Eine Handvoll Leben. Knapp 800 Gramm wiegt jeder der Zwillingsbrüder, die vor einer Woche in Nürnberg das Licht der Welt erblickten – über elf Wochen zu früh. Die winzigen Bündel sind zwei von elf Frühchen auf der Baby-Intensivstation des Süd-klinikums und von rund 63.000 Säuglingen, die jährlich in Deutschland zu früh geboren werden.

Als Frühchen gelten Babys, die über vier Wochen zu früh kommen oder weniger als 2500 Gramm wiegen. „Das ist bei knapp zehn Prozent aller Schwangerschaften der Fall“, erklärt Prof. Dr. Jan Holger Schiffmann, Chefarzt der Klinik für Neugeborene, Kinder und Jugendliche im Südklinikum. Extrem-Frühchen wie die Brüder wiegen sogar unter 1250 Gramm.

Um deren Versorgung kümmern sich die Ärzte und Schwestern des Perinatalzentrums. Besonders die Lunge ist bei den Kleinen noch nicht ausgebildet, die Lungenbläschen sind noch instabil. Ein fingerdicker Schlauch durch die Nase vorsorgt sie mit Sauerstoff, Mullverbände schützen vor Druckstellen, über eine Magensonde bekommen die Säuglinge im Brutkasten Nahrung und Flüssigkeit.

Aber die Ärzte setzen nicht nur alles daran, die Frühchen optimal zu versorgen, es geht ihnen auch darum, Frühgeburten zu verzögern oder zu verhindern. Oberarzt Dr. Wolfgang Köhler: „Mit jedem Tag mehr im Mutterleib steigen die Überlebenschancen der Kinder.“ Es ist wichtig, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen. Schwangeren rät der Bereichsleiter für Geburtshilfe deswegen regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen.

„Bei einer Frühgeburt ist wirklich alles anders“, erklärt Johannes Bisping, Vorsitzender des Vereins „Zu früh ins Leben“. Der zweifache Vater weiß, wovon er spricht: Vor fünf Jahren kam sein Sohn Nils als Frühchen zur Welt - mit gerade mal 1230 Gramm. Als seine Frau Susi damals mit starken Bauchkrämpfen ins Klinikum kam, schwebten Mutter und Kind in Lebensgefahr. „Angst, Wut, Bangen und Ohnmacht statt Freude und Glück, das sind die Gefühle von Eltern eines Frühchens“, weiß Bisping. Mit seinem Verein hilft er nun anderen Eltern mit gleichem Schicksal. lf

Infos über den Verein:

www.zu-frueh-ins-leben.de;

kontakt@zu-frueh-ins-leben.de

 

0 Kommentare