Lokales Streik in Nürnberg – droht das große Chaos?

Die Müllmänner legen die Arbeit nieder, der Abfall bleibt. Foto: dpa

Ver.di reicht's. In Krankenhäusern, bei der Müllabfuhr, der N-Ergie und der städtischen Telefonzentrale legen Mitarbeiter die Arbeit nieder. Die Bürger sollen aber nicht darunter leiden...

 

NÜRNBERG „Unsere Geduld ist zu Ende“, schimpft Mittelfrankens Verdi-Chef Jürgen Göppner über den bisherigen Verlauf der Tarifverhandlungen. Fünf Prozent mehr fordert die Gewerkschaft von der Arbeitgeberseite. Die hält die Forderungen angesichts der momentanen wirtschaftlichen Lage nicht für angemessen. Man sei in der Sache weit auseinander, heißt es.

Die einzige Antwort auf das nach Ansicht Ver.dis „sture Gemauere“ der Arbeitgebervertreter sei: Warnstreik!

Und der beginnt am Mittwoch in Nürnberg, Erlangen, Fürth, Schwabach und Ansbach. Flächendeckender Streik ist zwar nicht geplant. Aber, so warnt Jürgen Göppner: „Zu Beeinträchtigungen wird es kommen.“

In ausgewählten Einrichtungen legen die Mitarbeiter heute für mehrere Stunden die Arbeit nieder. In manchen anderen wird sogar ganztägig gestreikt. Unter anderen bei der Abfallwirtschaft. Der Hausmüll bleibt also heute stehen. Wer sich deshalb bei der Stadt beschweren will, stößt dort auf taube Ohren, denn die Telefonzentrale ist nicht besetzt. Mit einer direkten Durchwahl hat man aber vielleicht doch Glück.

"Ver.di hat noch gar nicht alle Forderungen auf den Tisch gelegt"

Zu Störungen bei der N-Ergie Fernwärme darf es vormittags nicht kommen. Die zuständigen Mitarbeiter streiken bis 13 Uhr. „Außer es geht um Leben und Tod“, sagt Gewerkschaftsvertreter Klaus Steger. Dann kommt die Notbesatzung zum Einsatz. Kalt wird es in Nürnbergs Stuben also nicht.

In den am Streik beteiligten Krankenhäusern sind keine größeren Störungen zu erwarten, so Verdi-Bezirksgeschäftsführer Göppner: „Operationen werden durch den Streik beispielsweise nicht verschoben. Vielleicht kommt es bei der Essensausgabe zu zeitlichen Verzögerungen.“

Ob Eltern ihre Kinder in den Krippen, Kitas oder Horten wie gewohnt abliefern können, hängt von den jeweiligen Einrichtungen ab. Die Erzieher sind nicht zum Streik aufgerufen. Die Betreuungsstätten können selbst entscheiden, ob sie sich am Streik beteiligen. Am Besten also bei der eigenen Kita oder Krippe nachfragen.

„Für Chaos wollen wir nicht sorgen, sagt Jürgen Göppner. Den Winterdienst habe Ver.di aus diesem Grund ausdrücklich vom Streik ausgeschlossen. Zwischen 11 und 13 Uhr wird in Nürnberg voraussichtlich trotzdem nicht viel gehen: Zu dieser Zeit findet die große Warnstreik-Kundgebung statt, im Genossenschafts-Saalbau am Matthäus-Herrmann-Platz.

Der Personalreferent der Stadt, Wolfgang Köhler, hält den Streik für verfrüht. Zumal seiner Meinung nach die Diskussionsgrundlage für eine ordentliche Verhandlung fehlt. „Ver.di hat noch gar nicht alle Forderungen auf den Tisch gelegt. Deshalb tun sich die Arbeitgeber schwer, darauf zu reagieren.“ Außerdem gebe es keinen ernsthaften Grund, Gehälter zu erhöhen. Die Kommunen haben kein Geld. Köhler: „Das kann wohl keiner bestreiten.“ mp

Welche Betriebe im Großraum Nürnberg bestreikt werden, lesen Sie in der Print-Ausgabe Ihrer AZ am Mittwoch, 03.02.

 

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