Lokales Schlagloch-Alarm: Die Stadt hat kein Geld für Reparaturen

Nürnbergs Schlaglöcher: ein einziges Millionen-Grab. Foto: dpa

Wenn die Winter-Schäden nicht schnell beseitigt werden, drohen in ganz Nürnberg Tempo-Limits.

 

NÜRNBERG „Notfalls muss man halt langsamer fahren“, sagt Bürgermeister Horst Förther fast resignierend. „Obwohl Tempo 30 auf der Bayernstraße ein Offenbarungseid wäre!“ Wenn SÖR, der Servicebetrieb Öffentlicher Raum, in Nürnberg die Schlagloch-Schäden nicht in den Griff bekommt, drohen tatsächlich in der ganzen Stadt derartige Tempo-Limits! Förther will vom Kämmerer deshalb drei Millionen Euro zusätzlich, um die immensen Schäden durch den harten Winter zu beheben.

Der härteste Winter seit Jahren hat die SÖR-Kasse komplett geplündert: 11230 Tonnen Streusalz, 3952 Tonnen Splitt – satte neun Millionen Euro hat der Winterdienst die Stadt Nürnberg gekostet. Das sind vier Millionen mehr als eine durchschnittliche Frostperiode. Geld, das jetzt für die Ausbesserung der Schlaglöcher fehlt. Hinzu kommt, dass die 480 SÖR-Mitarbeiter an 83 Winterdienst-Einsatztagen (normal sind 46) gigantische 81600 Überstunden angehäuft haben. Die sollen bis Oktober abgefeiert werden. Die „Helden des Winters“ fehlen dann freilich beim Schlaglöcher-Ausbessern. Deshalb will man einen Teil der Überstunden in bar abgelten.

Notdürftig Geflicktes muss wieder raus

Zwar hat man schon während des Winters Löcher und lose Gehweg-Platten notdürftig ausgebessert, um überhaupt die Verkehrs-Sicherheit herzustellen. „Das hält aber nicht. Es muss alles wieder raus“, sagt der 2.Werkleiter Ronald Höfler frustriert. Wie solide die 1650 Nürnberger Straßenkilometer diesen Sommer repariert werden, hängt vom Zuschuss des Kämmerers ab. „Wenn der sagt, wir müssen mit unserem Budget auskommen, können wir nur oberflächlich ausbessern“, so Höfler. „Dann schieben wir einen riesigen Reparatur-Stau vor uns her.“ Wenn ein weiterer strenger Winter kommt, potenzieren sich die Schäden.

Die sind auch jetzt schon so groß, weil die Nürnberger Straßen ohnehin nicht in gutem Zustand waren. „Eine Straße hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von 30 Jahren“, so Höfler. „Man hat aber grundlegende Sanierungs-Arbeiten immer weiter aufgeschoben und die Mittel für den Straßenunterhalt gekürzt.“ Das Ergebnis sind jetzt Schlagloch-Pisten in nie gekanntem Ausmaß.

Holper-Pisten in nie gekanntem Ausmaß

Kämmerer Harald Riedel zeigte sich gestern auf AZ-Anfrage überrascht: Bis jetzt habe niemand von SÖR einen Mehrbedarf angemeldet. Möglich, dass das Schlagloch-Problem zur Chefsache wird und über die drei Millionen Euro am Runden Tisch mit OB Ulrich Maly, Kämmerer Harald Riedel und SÖR-Chef Horst Förther verhandelt wird.

Woher der Kämmerer das Geld nehmen soll, ist freilich noch offen. Denn die Kassen der Stadt sind gähnend leer. Irgendwem wird er es wohl wegnehmen müssen. Winfried Vennemann

 

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