Lokales Räumungs-Drama! Oma (94) flog aus ihrer Wohnung

Dramatischer Abschied von ihrer Wohnung in der Lindenaststraße, in der sie 50 Jahre lang lebte: Sanitäter bringen Ella S. (links ihre Tochter Gisela) nach der Zwangsräumung in ein Pflegeheim. Foto: Berny Meyer

Ella S. wohnte seit 50 Jahren in dem Haus - Nachbarn fühlten sich von ihr belästigt. Der Eigentümer, die Postbau-Genossen- schaft, setzte die Zwangsräumung durch

 

NÜRNBERG Drama in der Nordstadt! Eine 94 Jahre alte Rentnerin musste am Dienstag ihre Wohnung, in der sie mehr als 50 Jahre lebte, zwangsweise verlassen. Der Vermieter, die Postbaugenossenschaft, hatte die Räumung gerichtlich durchgesetzt.

Die Anwohner in der Lindenaststraße drückten sich am frühen Morgen die Nasen an den Fensterscheiben platt. Vor dem Mehrfamilienhaus Nummer 24 versammelten sich Notarzt und Rettungswagen, Polizeibeamte, Rechtsanwälte – und die Gerichtsvollzieherin. Es sah wie die Jagd nach einem Schwerverbrecher aus. Doch in Wirklichkeit war die geballte Staatsmacht wegen Ella S. (94) da, einer gebrechlichen, alten Frau.

Als die Gerichtsvollzieherin in Begleitung der Ordnungshüter und des Ärzteteams kurz nach 8 Uhr die kleine Wohnung im ersten Stockwerk des Hauses betraten, begann ein mehr als einstündiger Nervenkrieg. Ella S. schrie sich die Seele aus dem Leib. Ihre sich überschlagende Stimme dröhnte im ganzen Treppenhaus. Worte wie „Raus, raus“ und „Hilfe“ waren zu hören. Die alte Dame schluchzte und weinte.

In der Wohnung spielten sich dramatische Szenen ab, als sich die Tochter von Ella S. in den Weg stellte, um den Abtransport ihrer Mutter in ein Pflegeheim zu verhindern. Erst als ihr massiv damit gedroht wurde, sie in Polizei-Gewahrsam zu nehmen, lenkte sie ein – und versuchte, ihre an Altersdemenz leidende Mutter wenigstens ein bisschen zu beruhigen.

"Mir tut die Frau leid. Aber es ging nicht anders"

Danach wurde Ella S. in einen Krankentransporter verladen und von ihrer Wohnung endgültig weggebracht.

Rechtsanwalt Hendrik Pächtner, der die Zwangsräumung im Auftrag der Postbaugenossenschaft durchgesetzt hatte, verfolgte die Aktion mit gemischten Gefühlen. „Mir tut die Frau leid. Aber es ging nicht anders. Die Situation war für die anderen Bewohner des Hauses einfach unerträglich geworden. Wir waren zum Handeln gezwungen“, sagte er zur AZ.

Der Schwiegersohn von Ella S. räumt durchaus ein, dass es mit der Frau nicht einfach war: „Sie hat in den letzten Jahren altersbedingt oft herumgeschrien. Das war sicher eine Belastung für die anderen Mieter. Aber es war nicht so schlimm, dass man sie aus der Wohnung werfen muss.“

Die einen Stock unter Ella S. wohnende Mieterin, die wie andere Hausbewohner wegen der Belästigungen immer wieder die Polizei gerufen hat, sieht das anders. „Das tagtägliche Rumgeschreie war nicht mehr auszuhalten. Die Frau kann einfach nicht mehr alleine in der Wohnung leben. Sie ist in einem Pflegeheim besser aufgehoben.“

Ella S., die bisher von ihrer Tochter betreut wurde, bekam nun einen amtlichen Pfleger zugeteilt. Die Wohnung in der Lindenaststraße dürfen die Angehörigen nicht mehr alleine betreten. Helmut Reister

 

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