Lokales Neues Experten-Team soll 44 Morde endlich klären

Der Mörder der Prostituierten Gabriela Nagorny (li.) ist noch frei, auch der Mord an der „Flora-Wirtin“ Claudia O. ist ungeklärt. Auch er wird gesucht: Phantom-Foto im Fall „Mona Lisa“. Foto: Tanja Reister/Polizei

Soviele Fälle blieben seit 1949 in und um Nürnberg ungeklärt. Fünf Beamte der Mordkommission 3 machen sich an die Arbeit – vor allem ans Aktenstudium

 

NÜRNBERG „Cold Case – Kein Opfer ist je vergessen“, so heißt eine erfolgreiche US-Krimi-Serie auf Pro7. In knapp einer Stunde klären die Kriminaler hier teils Jahrzehnte zurückliegende Fälle. Die „kalten“ Fälle also, die ungeklärten Mordfälle. Allein in Mittelfranken gibt es davon 44 Stück. Deshalb gibt es beim Polizeipräsidium Mittelfranken nun die Mordkommission 3. Fünf Beamte der „MK 3“ steigen künftig in die Keller der Archive, durchforsten die Asservatenkammern erneut, wälzen Akten, werten alte Spuren neu aus. Der älteste Fall reicht ins Jahr 1949.

„Eigentlich“, erklärt Kriminaldirektor Thilo Bachmann, „ist dieser Fall verjährt.“ Denn vor 1979 gab es tatsächlich eine Verjährungsfrist, erst 20, dann 30 Jahre. Erst ab 1979 gibt es keine Frist mehr. Und am 22. Februar 1949 wurden zwei Frauen in einem Uhrengeschäft in der Königstraße 79 getötet.

Sollte es noch Zeugen von damals geben, so könnte deren Erinnerung mehr als verblasst sein. „Bis auf die Angehörigen, die wissen noch viele Details. Aber hier müssen wir acht geben: Die Gefahr, alte Wunden aufzureißen, ist groß.“

Das Aktenstudium steht an erster Stelle, wenn es um die alten Fälle geht, neue Ansätze werden gesucht. Dann werden Asservate kriminaltechnisch untersucht, Hypothesen werden erstellt, die Vorgehensweise mit anderen, ähnlichen Fällen überprüft. Und immer wieder wird nach Beziehungen gesucht. „Das Zufallsopfer, das aus reiner Mordlust getötet wird, ist äußerst selten“, so Bachmann.

Fünf Kategorien für 44 Fälle

Schwierigkeiten macht seinen Kollegen, dass mit den Tatorten Jahrzehnte zuvor nicht so sorgfältig umgegangen wurde, wie es inzwischen der Fall ist. „Da hat man Fotos gemacht, den Tatort ausgemessen und fertig“, so Bachmann. Für die Kollegen von damals muss die Vorstellung, Tatorte auf ewig im Computer in 3-D-Qualität ansehen zu können, wie Science Fiction gewesen sein – heute ist das Realität.

In fünf Kategorien hat seine Mannschaft die 44 Delikte unterteilt: Morde an Prostituierten (seit 1961 wurden acht Frauen getötet, eine entkam beim Versuch); Morde an Kleinkindern (von 1979 bis 1999 entdeckte die Polizei fünf Baby-Leichen); „Tötungsdelikte zum Nachteil älterer, allein stehender Frauen“ (es traf bis zur Zeitrahmensgrenze 2003 vier Frauen); Mord und Totschlag im Zusammenhang mit Raub in Geschäftsräumen (hier gab es zwischen 1949 und 1995 acht Opfer); die fünfte Kategorie beinhaltet die restlichen sechs Todesopfer plus acht mal den Versuch der Tötung.

Die Kriminal-Experten, die sich an die Alt-Fälle machen, gehören zum größten Teil der Ermittlungsgruppe an, die sich um die neun Morde des Kopfschuss-Killers kümmern. „Sind sie durch die Soko Bosporus nicht beschäftigt, knöpfen sie sich die Alt-Fälle vor.“

Begonnen wird mit dem Tod der Prostituierten Gabriela Nagorny, die 1992 in der Forsthofstraße erstochen wurde. Parallel dazu wird auch im Fall „Mona Lisa“ ermittelt. Die Frau, die unter diesem Namen als Prostituierte arbeitete, entkam im Mai 1995 einem Mann, der versuchte, sie zu erdrosseln. Die Jagd auf ihn ist nun erneut eröffnet.

Am Montag beginnt in der Abendzeitung die neue Serie „Mörderjagd – Die Fälle der MK 3“.

 

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