Lokales Lusines Leiche lag am Tiergarten: Ihr Tod ist noch ungesühnt

Lusine Margaryan (33) war intelligent und zielstrebig. Foto: Polizei

Die hübsche Studentin wurde erwürgt, unter Laub verscharrt – und erst nach Wochen gefunden. Acht Jahre nach ihrem Tod ermitteln die Profis von der MK 3

 

NÜRNBERG Die Mordkommission 3 (MK 3) im Nürnberger Polizeipräsidium hat sich die alten Akten vorgenommen. Die so genannten Cold Cases, die „kalten“ Fälle, die ungeklärten Morde. 44 gibt es davon seit 1949 in Mittelfranken. Die Mörder und Totschläger von Säuglingen, Männern und Frauen, Alten und Jungen sind noch immer nicht gefasst. Mit der MK 3 sollen diese Verbrechen nun geklärt werden. Einer der 44 Fälle sorgte am 30. Dezember 2003 für Aufsehen: Am Tiergarten wurde nachts in einem Waldstück die hübsche Studentin Lusine Margaryan gefunden. Die 33-Jährige wurde erwürgt.

Spaziergänger machten den grausigen Fund: Zehn Meter neben dem Fußweg am Tiergarten auf Höhe der Akademie für Bildende Künste lag die junge Frau unter Laub verscharrt. Vermisst wurde sie bereits seit dem 1. Dezember.

Die Armenierin stammt aus einer angesehenen Familie. Sie hatte ihr Studium (Soziologie, Mathematik) in Eriwan erfolgreich abgeschlossen. Im März 2002 kam sie nach Nürnberg, wohnte bei ihrer Cousine in Gostenhof. In Erlangen wollte sie ihren Doktor machen. Sie lernte gerade für ihre Sprachprüfung in Deutsch, besuchte Seminare und Vorlesungen. Später wollte sie sich mit gesellschaftlichen Entwicklungsprognosen befassen. Doch dazu kam es nicht mehr. Ihr Professor damals geschockt zur AZ: „Sie war eine offene, intelligente, pfiffige Person, die wusste, was sie wollte und die zielstrebig gearbeitet hat.“

Mit ihrem Bekannten Fillip verbrachte sie ihre letzte Nacht

In der Tatnacht am 1. Dezember ging Lusine aus. Sie machte sich fein: schwarzer Stoffmantel, weiße Bluse, schwarze Jeans, schwarze Schuhe. Als ihre Leiche gefunden wurde, fehlten Mantel, Schuhe und Bluse.

Wenige Wochen vorher hatte sie in der Disco „Marylin“ in der Luitpoldstraße einen Mann namens „Fillip“ kennengelernt. Auch der wollte in dieser Nacht in die Disco kommen. Knapp vier Wochen suchte die Kripo nach Fillip – und wurde endlich fündig. Jedoch hatten sie mit ihm nicht den Mörder gefunden. Fillip galt weiterhin als Zeuge. Und wurde sofort festgenommen: Denn der 23-jährige Kosovare lebte als abgelehnter Asylbewerber illegal in Deutschland. Was er über die Nacht mit Lusine sagte, bleibt vorerst noch das Geheimnis der Kripo. Die Ermittlungsergebnisse mussten mit anderen Zeugenaussagen verglichen werden.

Viele Fragen sind noch offen: Kannte Lusine Margaryan ihren Mörder? War er mit ihr zum Schmusen ins Wäldchen gefahren? Wurde er zudringlich, hat sie sich gewehrt – und er drehte durch? Oder wurde die 33-Jährige an einem anderen Ort ermordet und ihre Leiche am Tiergarten nur verscharrt? Fragen, die sich die MK 3 erneut stellt. sw

 

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