Lokales Knecht (25) vor Gericht: Hat er seine Bäuerin erschlagen?

Knecht Stefan S. (24) verdeckt auf dem Weg zum Ermittlungsrichter in Fürth sein Gesicht aus Scham mit Akten. Der mutmaßliche Mörder seiner Chefin steht ab Donnerstag in Nürnberg vor dem Schwurgericht. Foto: bayernpress.com

Spektakulärer Prozess: Um den Mörder zu überführen, hat das Landeskriminalamt sogar die DNA von Bäumen angefertigt

 

NÜRNBERG/UFFENHEIM Das gab es noch nie! Um einen Mörder zu überführen, hat das Bayerische Landeskriminalamt genetische Fingerabdrücke (DNA) von Bäumen (!) angefertigt. Sie spielen in dem am Donnerstag vor dem Nürnberger Landgericht beginnenden Mordprozess gegen Stefan E. (25) eine ganz entscheidende Rolle.

Im Januar 2009 wurde die Leiche von Gerlinde G. (†50) in einem Waldstück bei Uffenheim (Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) entdeckt. Todesursache: schwere Kopfverletzungen! Stefan E., der Knecht der Bäuerin aus dem Dorf Geckenheim, behauptete, dass seine Chefin bei Arbeiten von einem herunterfallenden Ast getroffen und tödlich verletzt worden sei.

Das Testament der Bäuerin war gefälscht

Kripo und Staatsanwaltschaft nehmen dem Knecht diese Version aber nicht ab. Sie sind überzeugt, dass er Gerlinde G. ermordet hat, um sich ihren Bauernhof unter den Nagel zu reißen. In seiner Wohnung wurden Dokumente entdeckt, die ihn als Erbe der schwerreichen Bäuerin ausweisen. Pech für ihn: Graphologische Untersuchungen ergaben, dass die Reichtum versprechenden Unterlagen mit der Unterschrift der Bäuerin gefälscht waren. Inzwischen hat er diese Manipulationen eingeräumt. Den Mord bestreitet er vehement.

Die Ermittler gehen anhand der Spuren davon aus, dass Gerlinde G. nicht an der Stelle im Wald ermordet wurde, an der ihre Leiche entdeckt wurde. Aber in der tiefen Wunde am Kopf des Opfers fanden die Rechtsmediziner bei der Obduktion tatsächlich einige Holzsplitter. Für Rechtsanwalt Norman Jacob, der den Knecht juristisch vertritt, ist das ein klarer Hinweis darauf, dass die Angaben seines Mandanten, Gerlinde G. sei von einem herabstürzenden Ast getroffen worden, stimmen könnten. Die Splitter, halten die Ermittler dagegen, könnten durchaus auch beim Transport der Leiche in die Wunde gekommen sein.

Trotz intensiver Suche fand die Polizei die Tatwaffe bisher nicht

Die Staatsanwaltschaft hat daraufhin das LKA mit der DNA-Analyse jedes einzelnen Baumes rings um den Auffindeort beauftragt, um jeden Zweifel aus dem Weg zu räumen. Das Ergebnis dürfte die Chancen von Stefan E., ungeschoren davon zu kommen, nicht gerade steigern. Denn die Holzsplitter an der Leiche stammen weder von den Bäumen – noch von einem der heruntergefallenen Äste!

Es ist ein Indiz, das gegen den Knecht spricht. Immerhin hatte der in den Vernehmungen behauptet, dass die Bäuerin von einem Ast getroffen worden ist. Am Auffindeort, das steht mit Hilfe der spektakulären Untersuchungsmethode nun fest, lag er jedenfalls nicht. Wesentlicher belastender ist der gefälschte Erbvertrag. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft ein glasklares Motiv. Trotzdem ist der Prozessausgang offen. Es gibt weder Zeugen der Tat, noch völlig wasserdichte Beweise. Auch ein Hammer oder ein ähnliches Werkzeug, das die Polizei für die Tatwaffe hält, wurde trotz intensiver Suche nicht gefunden. Zu Fall bringen könnte Stefan E. lediglich die Summe vieler kleiner Indizien – unter anderem die DNA-Spur der Bäume.Helmut Reister

 

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