Lokales Immer öfter krank zur Arbeit

Wenn sich Bayerns Arbeitnehmer krank melden, sind immer seltener Erkältungen die Ursache, sondern psychische Probleme. Foto: dpa

NÜRNBERG - Niedriger Krankenstand in Bayern – auch weil die Beschäftigten um ihre Jobs fürchten

 

Die gute Nachricht zuerst: Bayern hat im Vergleich zu den anderen Bundesländern den niedrigsten Krankenstand: Nur 3 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringen bayerische Arbeitnehmer im Krankenbett. Spitzenreiter sind die Berliner – hier liegt die Quote bei fast vier Prozent.

Die schlechte Nachricht allerdings ist besorgniserregend: Psychische Störungen nehmen auch in Bayern als Ursache für Krankschreibungen kontinuierlich zu. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen vermeldet erschreckende Zahlen: „Mehr als die Hälfte der Beschäftigten gibt an, regelmäßig unter Stress zu stehen, jeder sechste häufig sogar an der Grenze der Leistungsfähigkeit.“

Die Probleme enstehen oft am Arbeitsplatz

Wie in ganz Deutschland ist der Krankenstand in Bayern seit Jahren rückläufig. Die aktuellen Zahlen deuten allerdings darauf hin, dass sich der Trend nicht weiter fortsetzt. Ohnehin spiegeln die Zahlen nicht den tatsächlichen Gesundheitszustand der Arbeitnehmer wieder: „Ein Teil geht trotz Beschwerden zur Arbeit“, so die LGL-Studie, zwei Drittel bis drei Viertel der Beschäftigten tun das mindestens einmal pro Jahr. Der Grund dafür ist mitunter die pure Furcht um den Job: „In Krisenzeiten spielt die Angst der Beschäftigten eine Rolle, bei einer Krankschreibung den Arbeitsplatz zu gefährden“, fasst die LGL zusammen.

Häufig entstehen die gesundheitlichen Probleme am Arbeitsplatz selbst: Nach einer Studie des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen ist bei Männern ein Drittel der Krankheiten auf Arbeitsbelastungen zurückzuführen, bei den Frauen sind es 12 Prozent. Negative Faktoren sind hier Lärm, Schichtarbeit, Monotonie und Stress. Zudem werden durch den demografischen Wandel die Arbeitnehmer immer älter – und damit anfälliger. LGL-Präsident Andreas Zapf fordert daher „gute Prävention“ – zum Wohle von Arbeitnehmer und Arbeitgeber: Schließlich habe nicht nur die Arbeitswelt „einen zentralen Einfluss auf die individuelle Gesundheit“, sondern auch „die Gesundheit einen erheblichen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft“.

Sollte sich der Trend umkehren, und immer mehr Menschen immer länger krank werden, „verlieren die Betriebe an Wettbewerbspotenzial“, so Zapf.

Steffen Windschall

 

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