Lokales Ehrenmord: Nur einer der beiden Killer vor Gericht!

Der griechische Gastwirt Georgius K. wurde in seinem Wagen von vier Schüssen aus nächster Nähe tödlich getroffen. Foto: Berny Meyer

Brüderpaar aus dem Kosovo erschoss griechischen Gastwirt auf offener Straße in Lauf. Er hatte ein Verhältnis mit ihrer Schwester (30).

 

NÜRNBERG/LAUF Sie spielten sich als „Ehrenmänner“ auf – und sind doch nicht mehr als eiskalte Killer: die aus dem Kosovo stammenden Brüder Nehat Kuci (29) und Nedjat Kempinsiki (32). Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft haben sie im Mai letzten Jahres gemeinsam einen griechischen Gastwirt auf offener Straße ermordet. Doch auf der Anklagebank des Nürnberger Schwurgerichts wird heute nur einer von ihnen Platz nehmen müssen. Nehat, der Jüngere, ist auf der Flucht.

Man müsste tief in die Moralvorstellungen der Kosovaren eintauchen, um die Hintergründe der Bluttat vielleicht verstehen zu können. Gastwirt Georgius K. (36), ein verheirateter Familienvater aus Röthenbach/Pegnitz, hatte ein Verhältnis mit Jasmin (30), die in seiner Gaststätte bediente. Sie war damals ebenfalls verheiratet – und ist die Schwester der mutmaßlichen Killer.

Dieser Umstand hat den Ermittlungen zufolge ausgereicht, um die beiden Brüder in maßlose Erzürnung zu versetzen. Immer wieder drohten sie dem Wirt, dass er die Beziehung beenden müsse. Auch mit ihrer Schwester kam es darüber oft zum Streit. Aber die beiden wollten sich nicht trennen. Ein enger Freund von Georgius K. sagte zur AZ: „Sie war seine große Liebe. Er hat an nichts Anderes gedacht.“

Bei verbalen Ermahnungen und Drohungen wollten es Nehat und Nedjar dann aber nicht mehr belassen. In Tschechien besorgten sie sich einen Revolver – und planten den Mord. Am 5. Mai spürten sie Georgius K. auf. Der saß am Steuer seines Wagens und fuhr durch Lauf. Die Brüder überholten ihn, stellten sich quer und brachten den Wirt zum Anhalten. Danach ging alles blitzschnell. Nedjat sprang aus seinem Auto, zückte die Waffe und schoss Georgius durch die Windschutzscheibe in die Brust. Trotzdem gelang es dem Wirt, mit seinem BMW rückwärts wegzufahren. Doch der Schütze kannte keine Gnade. Er rannte neben dem BMW von Georgius K. her und feuerte noch drei Mal auf ihn. Die Verletzungen waren tödlich.

Die beiden Brüder rasten danach mit ihrem Auto davon. Aber Augenzeugen hatten sich das Kennzeichen gemerkt und brachten die Polizei auf ihre Spur. Trotz einer Großfahndung gelang ihnen die Flucht in ihr Heimatland. Während Nedjat Kempinsiki Wochen danach von Zielfahndern in eine Falle gelockt und festgenommen werden konnte, bleibt sein Bruder wie vom Erdboden verschluckt.

Ob Jasmin vor Gericht gegen ihre Brüder aussagen wird, ist nicht sicher. „Auf ihr lastet ein enormer Druck der Familie“, schätzt ein Ermittler die Situation ein. Trotzdem gibt es in dem Prozess, der bis Anfang Dezember dauern soll, einen Kronzeugen. Es ist Enrico M. (54), der frühere Koch von Georgius. Er saß auf dem Beifahrersitz, als die Schüsse fielen. Hinterher sagte er noch sichtlich mitgenommen: „Ich hatte Todesangst.“

Helmut Reister

 

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