Lokales Ehrenmord an Gastwirt: Prozess gegen den Killer

Auf offener Straße erschossen: Die Leiche des Gastwirts und zweifachen Vaters Georgius K. (36) wird nach der Blutat von Einsatzkräften abgedeckt und geborgen. Foto: Berny Meyer

Verbotene Liebe: Der verheiratete Gastwirt Georgius K. (36) hatte ein Verhältnis mit der Schwester des Angeklagten Nedjat Kempinski (34).

 

NÜRNBERG/LAUF Es war eines der brutalsten Verbrechen, das Franken je erlebte: Auf offener Straße wurde der Gastwirt Georgius K. (36) in Lauf an der Pegnitz am Steuer seines BMW mit mehreren Schüssen regelrecht hingerichtet. War es ein „Ehrenmord“? Als Täter gelten zwei Kosovaren, mit deren Schwester Jasmin (31) der Getötete ein Verhältnis gehabt haben soll – obwohl beide verheiratet waren.

Nur einer der Brüder konnte bislang gefasst werden

Nur einer der Brüder konnte bislang gefasst werden. Der Kellner Nedjat Kempinski (34) wurde jetzt wegen Mordes aus Heimtücke vor dem Nürnberger Schwurgericht angeklagt. Vier Gutachter und 52 Zeugen sind aufgeboten für den mehrtägigen Prozess. Er wird wohl Ende 2008 stattfinden. Auf die wichtigste Zeugin kann die Justiz nicht setzen: Jasmin I. hat als Schwester des Angeklagten ein Schweige-Recht.

Die Vorgeschichte: Der Gastwirt Georgius K., Chef zweier Lokale in Schnaittach und in Lauf, soll mit seiner Bedienung Jasmin schon länger ein Verhältnis gehabt haben. Der Grieche war auch Vater zweier Kinder (4 und 13), seine Ehefrau hoffte auf ein Ende der Affäre.

Todesdrohungen vor der Bluttat?

Jasmins Brüder sahen die Sache dramatischer, obwohl zumindest der Ältere es selbst mit der Treue nicht so genau genommen haben soll: Der in Nürnberg lebende Kellner hatte eine Deutsche geheiratet und ihren Namen angenommen. Doch er lebte mit einer anderen Frau zusammen.

Nichtsdestotrotz sahen er und sein Bruder Nehat (30) bei Jasmin die Familienehre beschmutzt. Sie forderten deshalb den Wirt mehrmals auf, ihre Schwester in Ruhe zu lassen. Sogar kurz vor der Bluttat soll es Todesdrohungen gegeben haben, die Georgius K. nicht ernst nahm.

Das Schicksal nahm seinen Lauf: Laut Anklage kauften die Brüder in der Nacht zum 5.Mai 2007 einen Trommelrevolver, fuhren dann um 18 Uhr mit ihrem silbergrauen BMW 525i die Straßen zwischen Schnaittach und Lauf ab, um Georgius K. zu finden. Gegen 18 Uhr stießen sie auf den roten BMW des Gastwirts, der ahnungslos noch gewunken haben soll. Die Brüder verfolgten und überholten ihn, stellten ihren Pkw quer und zwangen ihr Opfer so zum Anhalten. „Die Männer stiegen aus, unterhielten sich kurz“, erinnerte sich Koch Enrico M. (53), der neben dem Wirt im Pkw saß. „Dann trat einer an unseren Wagen und schoss durch die Scheiben.“ Der Grieche sackte tot zusammen.

Die Täter rasten davon, Zeugen merkten sich das Pkw-Kennzeichen. Der BMW wurde drei Tage später bei Georgensgmünd gefunden, da hatten sich die Brüder längst in den Kosovo abgesetzt.

cis

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