Lokales Drama am Bahnübergang: So viele Todesfallen gibt es noch

Die Anteilnahme am Tod der 18-jährigen Tamara ist groß. Am Wochenende legten Trauernde Blumen an der Unglücksstelle nieder und zündeten Kerzen an zum Gedenken an das Mädchen. Foto: B. Meyer

Über die Hälfte der Bahnkreuzungen in Bayern sind noch unbeschrankt. Die Bahn setzt weiter auf Abbau.

 

NÜRNBERG Nur einen Wimpernschlag dauerte es. Da wurde am Donnerstag die 18-jährige Tamara in Ziegelstein beim Bahnübergang im Bauernwald von der Gräfenbergbahn erfasst. Sie starb noch am Unfallort. Familie, Freunde, Bekannte und Nachbarn fragen sich jetzt: Hätte dieses Unglück nicht verhindert werden können?

Klar ist: Angst, dass etwas passiert, hatten die Ziegelsteiner schon lange. Täglich müssen viele Kinder und Jugendliche den Fußgänger-Übergang auf dem Weg zur Schule oder den Kindergarten überqueren. Die Bahn rausche viel zu leise und viel zu schnell vorbei, kritisieren Anwohner.

Für die Deutsche Bahn dagegen besteht aktuell keinerlei Anlass, an besagtem Verbindungsweg etwas zu verändern. Die eisenere Umlaufsperre vor Ort entspräche den gesetzlichen Richtlinien, heißt es aus der Pressestelle. Grundsätzlich ist sich das Unternehmen über die Risiken im Klaren. Immer mehr Bahnkreuzungen werden deshalb dicht gemacht. Auch wenn das größere Umwege für die Bevölkerung bedeutet. Pressesprecherin Bianca Piechaczek: „Immer wieder passieren tragische Unfälle. 98 Prozent davon durch das Fehlverhalten der Straßenverkehrsteilnehmer. Diese Gefahrenstellen möchten wir minimieren.“

Über die Hälfte der 3702 Bahnübergänge in Bayern gibt es weder Schranke noch Warnlichter!

Momentan gibt die Bahn 170 Millionen Euro pro Jahr für die Sicherung ihrer Übergänge aus! Trotz dieser stolzen Summe ist aber über die Hälfte der aktuell 3702 Bahnübergänge in Bayern weder durch Schranken, noch durch Warnlichter gesichert.

Für den ADAC ein Unding. Wiebke Dammann, ADAC–Verkehrsexpertin: „Gerade an unbeschrankten Übergängen passieren die meisten Unfälle. Viele Menschen sind unsicher, wie sie sich dort verhalten sollen.“ Im Jahr 2008 starben so deutschlandweit 52 Menschen, 155 weitere wurden verletzt. Zum Vergleich: Im Straßenverkehr waren es rund 4500 Tote. Dammann: „An den Übergängen sind es zwar viel weniger als auf der Straße. Wenn aber etwas passiert, endet es meist tödlich.“ Wie im Fall von Tamara. mp

 

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