Lokales Die Stadt verpennt das Henlein-Jubiläum!

Auf dem Hefnersplatz steht das Denkmal, das an Peter Henlein erinnert, der 1511 die erste tragbare Uhr hergestellt hat. Foto: bayernpress.com

500 Jahre nach der ersten Taschenuhr: Museums-Chef Matthias Henkel hat keine Mittel und keine Exponate

 

NÜRNBERG Zu seiner Zeit war er berühmt wie Albrecht Dürer (1471–1528). Doch während die Stadt Nürnberg das Maler-Genie seit Jahren mit Ausstellungen und Kunst-Events würdigt, ist der Uhrmachermeister Peter Henlein (1479/1480-1542) in Vergessenheit geraten. Vor 500 Jahren hat er die Taschenuhr erfunden. Doch gefeiert wird dieses Jubiläum nicht. „Obwohl seine Leistung für Nürnberg dem Werk Dürers ebenbürtig ist“, wie Nürnbergs Uhren-Papst Karl Gebhardt feststellt.

Im Jahr 1511 hat der Geschichtsschreiber Cochläus erstmals auf die Existenz einer funktionierenden Uhr hingewiesen, die am Körper getragen werden konnte. „Sie hatte zunächst die Form einer Dose. Später wurde das Uhrwerk in ein ovales Gehäuse eingebaut“, sagt Gebhardt, der eine große Uhrensammlung zusammengetragen hat, die in der Nürnberger Akademie am Gewerbemuseumsplatz zu besichtigen ist. Als „Nürnberger Ei“ wurden die tragbaren Uhren ein Exportschlager.

Für das deutsche Uhrmacherhandwerk ist das Jahr 1511 die Geburtsstunde der Taschenuhr. Die Bundesinnung feiert das Jubiläum in Nürnberg. Doch sonst wird der bahnbrechenden Erfindung und ihres Schöpfers kaum gedacht. „Wir haben keine Ausstellung geplant“, sagt Matthias Henkel, Chef der städtischen Museen. „Kurzfristig haben wir keine Mittel und keine Exponate dafür.“ Allerdings ist er mit Gebhardt im Gespräch, denn es sei „attraktiv, über das Thema Zeit museologisch nachzudenken“.

Gebhardt geht es aber weniger darum, über Zeit zu philosophieren. Er möchte, dass das Werk Henleins gewürdigt und weiter erforscht wird. Denn es gab Versuche, ihm die Urheberschaft für die erste tragbare Uhr abspenstig zu machen. „Doch alle diese Uhren haben nicht richtig funktioniert. Cochläus hat Henleins Werk als eine Uhr beschrieben, die 40 Stunden und in allen Lagen geht. So etwas hat es vorher nicht gegeben.“ Auch die Person des Schlossers Henleins, der nach einer Schlägerei Nürnberg verlassen und später im Barfüßer-Kloster Asyl und Ausbildung gefunden hat, bedürfe einer neuen Beschreibung. Denn sie wird noch sehr durch den 1939 gedrehten Film von Veit Harlan („Jud Süß“) unter dem Titel „Das unsterbliche Herz“ bestimmt. „In dem Film stimmt kein einziger Satz“, sagt Henlein-Experte Gebhardt.

Michael Reiner

 

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