Lokales Der Henker von Nürnberg

John C. Woods, der Henker. Foto: Stadtarchiv Nbg

AZ-Serie: Sergeant John C. Woods aus Texas vollstreckte die Todesurteile gegen die Nazi- Kriegsverbrecher.

 

NÜRNBERG Der Tod war sein Begleiter, der Galgen sein Handwerkszeug. Sergeant John C. Woods aus Texas hatte einen Job, der nicht über die Arbeitsagentur vermittelt wird. Er war Henker der 3. US-Armee und der Mann, der den finalen Schlussakt im Prozess gegen die NS-Größen inszenierte. Woods vollstreckte im Oktober 1946 die Todesurteile, die der Internationale Militärgerichtshof verhängt hatte.

Der genaue Zeitpunkt der Hinrichtung, die am 16. Oktober kurz vor 1 Uhr nachts begann und knapp zwei Stunden dauerte, sollte eigentlich geheim bleiben. Doch das laute Hämmern und Sägen in der Turnhalle der JVA, das bei der Errichtung der drei Galgen entstand, war auch im angrenzenden Gefängnistrakt nicht zu überhören.

Nicht alle starben schnell und schmerzlos

Julius Streicher, Nürnbergs gefürchteter NSDAP-Gauleiter und Herausgeber des Hetzblattes „Der Stürmer“, gab sich noch einen Tag vor dem Hinrichtungstermin ganz cool. „Na, ist der Galgen schon fertig?“ wollte er von seinem Wachpersonal wissen. Als die Stunde des Todes dann aber unmittelbar bevorstand, war von seiner Ankündigung, mutig die Stufen zum Galgen hinaufzusteigen, nichts mehr zu spüren. Er weigerte sich, Kleidung anzulegen, und wurde deshalb, nur in langen Unterhosen bekleidet, von zwei Wachsoldaten zur Hinrichtungsstätte geschleift. Dabei kreischte er mit sich überschlagender Stimme „Heil Hitler, Heil Hitler, Heil Hitler...“.

Zeitzeugen von damals und Historiker von heute sind sich uneinig darüber, ob Sergeant John C. Woods der Hinrichtung nicht auch eine eigene persönliche Note verliehen hat, um seinen Hass gegenüber den deutschen Kriegsverbrechern auf diese Weise zu demonstrieren. So waren die Falltüren der Galgenkonstruktion zu klein bemessen – und die Länge der für das Hängen verwendeten Seile zu kurz. Etliche der Delinquenten bezahlten das mit schweren Kopfverletzungen beim Fallen durch die zu enge Öffnung. Und wegen des zu kurzen Seils starben einige nicht schnell und schmerzlos durch einen Genickbruch, sondern erstickten langsam und qualvoll. Bei Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop zum Beispiel trat der Tod erst nach 15 Minuten ein.

Unfall-Tod auf dem elektrischen Stuhl

Angesichts der enormen Erfahrung von mehr als 300 Hinrichtungen, die John C. Woods als Henker in die Waagschale werfen konnte, erscheint eine hinrichtungstechnische Panne eher unwahrscheinlich zu sein. „Es ist durchaus möglich, dass er die Mängel an der Galgen-Konstruktion bewusst vorgenommen hat“, sagte Dr. Klaus Kastner, ehemals Vizepräsident des Nürnberger Landgerichts und intimer Kenner der „Nürnberger Prozesse“.

„Großes Kino“ lieferte Henker Woods auch bei seinem eigenen Tod im Juli 1950. Er starb auf der Pazifikinsel Eniwetok (Marshall-Inseln) durch einen Stromschlag, als er das neue Modell eines „elektrischen Stuhls“ testete. Ironie des Schicksals?

Der Militärgerichtshof verhängte gegen zwölf Angeklagte die Todesstrafe. Vollstreckt wurde sie jedoch nur zehnmal. Hitlers persönlicher Sekretär, Martin Bormann, wurde in Abwesenheit verurteilt – und Reichsmarschall Hermann Göring, der höchstrangige Nazi auf der Anklagebank, hatte wenige Stunden vor der Hinrichtung Selbstmord begangen.

Zum Tod verurteilt wurden:

Martin Bormann, Leiter der NSDAP-Kanzlei, persönlicher Sekretär Hitlers.

Hans Frank, Generalgouverneur in Polen.

Wilhelm Frick, Innenminister und Reichsprotektor für Böhmen und Mähren.

Alfred Jodl, Chef des Wehrmacht-Führungsstabes.

Ernst Kaltenbrunner, Chef der Sicherheitspolizei.

Wilhelm Keitel, Chef des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW).

Joachim von Ribbentrop, Außenminister.

Alfred Rosenberg, NSDAP-Chefideologe und Reichsminister für die besetzten Ostgebiete.

Fritz Sauckel, Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz.

Arthur Seys-Inquart, Reichskommissar der Niederlande.

Julius Streicher, Herausgeber von „Der Stürmer“.

hr

 

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