Lokales Depressionen: Richter erhängt sich in Justizgebäude

Das Muster der auch als "Geschäftsführer-Trick" bekannten Masche erinnert an den häufig an Senioren verübten "Enkeltrick". Foto: dpa

NÜRNBERG - Er war am Sonntagabend ins Nürnberger Justizgebäude gekommen. Als zu vorgerückter Stunde ein Wachmann nach dem Juristen sehen wollte, war dieser bereits tot. Der Richter hatte sich im Treppenhaus erhängt.

 

Selbstmord im Nürnberger Justizpalast: Ein Richter des Landgerichts hat sich in der Nacht zum Montag mit einem Abschleppseil in seinem Dienstgebäude in der Fürther Straße erhängt. Auslöser für das Drama dürfte die drohende Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand gewesen sein. Am Samstag hatte er die Vorladung für eine amtsärztliche Untersuchung erhalten.

Landgerichtspräsident Rainer Gemählich ist fassungslos. Zur AZ sagte er: „Er bekam seine psychischen Probleme einfach nicht in den Griff. Zum Schluss war es so schlimm, dass er seiner Arbeit nicht mehr nachkommen konnte.“

In der vergangenen Woche war Thomas S. 47 Jahre alt geworden. Lust zum Feiern hatte der als Einzelgänger geltende Jurist mit dem markanten Zwirbelbart nicht. Er meldete sich zu diesem Termin kurzfristig krank, erschien aber wieder am nächsten Tag zur Arbeit. Landgerichtspräsident Gemählich: „Ich habe ihn auf dem Gang getroffen, ihm gratuliert. Mir fiel bei dieser Gelegenheit aber nichts Besonderes auf.“

Wegen Depressionen in Behandlung

In Wirklichkeit befand sich Thomas S. zu diesem Zeitpunkt bereits in einem tiefen psychischen Tal. Er wusste ganz offensichtlich selbst, dass es beruflich so nicht weitergehen konnte. Immer wieder ließ er kurzfristig Prozesse platzen. Immer wieder mussten kurzfristig Kollegen einspringen, um sein Arbeitspensum zu erledigen. „Er hatte eine regelrechte Schreib-Blockade“, verlautete es aus seinem Kollegenkreis. Thomas S. litt unter starken Depressionen, die er im Alkohol zu ertränken versuchte. Aber selbst mehrere Therapien konnten ihn nicht aus diesem Teufelskreis führen.

Am Sonntagabend, gegen 18 Uhr, erschien er an der Pforte des Justizgebäudes. Ein Wachmann ließ ihn ein. Als Stunde um Stunde vergangen war und Thomas S. auch nicht ans Telefon ging, machte sich der Wachmann auf die Suche. Er fand ihn kurz nach 4 Uhr morgens erhängt in einem Treppenhaus des weitläufigen Gebäudes. Thomas S. hinterließ nur die kurze Notiz, dass er verbrannt werden will. Helmut Reister

 

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