Lokales Das ist der Messerstecher vom U-Bahnhof!

Vor Gericht bestreitet Özder K. (auf dem Foto zusammen mit seinem Anwalt) jegliche Tötungsabsicht. Foto: Berny Meyer

Özder K. (21) rammte am Plärrer seinem Opfer ein Fleischmesser in den Bauch. Vor Gericht erklärte er: „Ich wollte doch nur meinem Bruder zu Hilfe eilen“

 

NÜRNBERG Eines steht fest: Özder K. (21) hat in den frühen Morgenstunden des 21. Februar letzten Jahres einem Diskobesucher ein feststehendes Messer in den Bauch gerammt. Doch wie es dazu kam und was der genaue Anlass für die Bluttat war, darüber gehen seine Aussagen und die Einschätzung der Staatsanwaltschaft weit auseinander. Die Jugendkammer des Landgerichts muss nun das Rätsel lösen.

Zum Prozessauftakt ließ der wegen versuchten Totschlags angeklagte Metallarbeiter von seinem Anwalt eine lange Erklärung verlesen. Tenor dieser Stellungnahme: Özder K. wollte nur seinem in Bedrängnis geratenen Bruder zur Seite stehen. Deshalb habe er zwar dem Kontrahenten ein Messer (24 Zentimeter Länge) in die Seite gestoßen, niemals aber dessen Tod in Kauf genommen. Genau das aber wirft Oberstaatsanwalt Hans Ellrott dem Angeklagten vor. „Er hat den Tod seines Opfers einkalkuliert. Ohne sofortige ärztliche Hilfe wäre es gestorben.“

„Völlig ungerührt zog er das Messer aus der Wunde"

Die blutige Auseinandersetzung fand auf den Treppen des U-Bahn-Verteilers am Plärrer statt. Der Anklageschrift (Aktenzeichen 607 Js 38019/ 09) zufolge waren der Messerattacke verbale Streitigkeiten in einer nahe gelegenen Diskothek vorausgegangen. Özder K. ließ wissen, dass er selbst an diesem Streit überhaupt nicht beteiligt gewesen sei und anscheinend eine Verwechslung vorgelegen habe. Er sei erst eingeschritten, als das spätere Opfer auf seinen Bruder losgegangen sei.

So vergleichsweise harmlos stuft die Staatsanwaltschaft das Geschehen nicht ein. Vor allen Dingen das Verhalten von Özder K. nach dem Messerstich belege dessen Skrupellosigkeit. Ellrott: „Völlig ungerührt zog er das Messer aus der Wunde, steckte die blutverschmierte Tatwaffe in seine Hosentasche und rannte davon.“

Aufgrund der unterschiedlichen Einschätzungen müssen nun zahllose Zeugen und Gutachter vernommen werden. Auch der niedergestochene Mann will aussagen. Er wird per Polizeiwagen zum Prozess gebracht – weil er wegen einer anderen Straftat ebenfalls in Haft sitzt.hr

 

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