Lokales Blitzstreik: Die fünf wichtigsten Fragen

„Wegen Streik der GDL kommen die Busse später“, vermeldete die VAG via Hinweistafel. Zum Teil dauerte es bis zu 20 Minuten. Foto: Berny Meyer

Ein Vorgeschmack aufs Streik-Chaos der nächsten Woche? 125 VAG-Mitarbeiter legten Freitag früh die Arbeit nieder. Die Gewerkschaft GDL warnt: „Nichts ist ausgeschlossen!“

 

NÜRNBERG Am Freitagmorgen bekamen die Fahrgäste der VAG einen ersten Vorgeschmack auf den Arbeitskampf der Gewerkschaft DBB Tarifunion/GDL: Zwischen 4 und 10 Uhr legten 125 Mitarbeiter – meist Fahrer – die Arbeit nieder, ohne die Maßnahme vorher anzukündigen!

Warum ein Blitzstreik?

„Je kürzer ein Streik ausfällt, umso kurzfristiger wird er auch angekündigt“, sagt Thomas Gelling, Geschäftsführer der GDL-Tarifabteilung. „Schließlich wollen wir eine Wirkung erzielen und können die Arbeitgeber nur so unter Druck setzen.“

Wie traf der Streik die VAG?

Während der U-Bahn-Betrieb aufrechterhalten werden konnte, fielen 19 Busse und neun Straßenbahnen aus. So weit möglich wurden die Fahrzeuge mit anderen Mitarbeitern besetzt. Hier gibt es allerdings Grenzen: Die Taktfolge wurde auf maximal 20 Minuten ausgedehnt. Im Straßenbahn- und Busbereich wurden auch Taxis eingesetzt.

Was will die GDL erreichen?

„Uns geht’s nicht primär um die Lohnerhöhung von 5 Prozent“, so Gelling auf AZ-Nachfrage. Viel wichtiger sei es, „Nachteile bei den Arbeitszeiten abzubauen.“ Gerade im Schichtbetrieb müssten die Mitarbeiter im Öffentlichen Nahverkehr auch in der Freizeit unentgeldlich zur Verfügung stehen. In Gesprächen mit VAG-Kunden versuchten GDL-Mitglieder ihre Forderungen plausibel zu machen: „Nach anfänglichem Unmut haben uns viele Fahrgäste aber verstanden.“

Was sagen die Arbeitgeber?

Die VAG bedauert zunächst, dass die Fahrgäste „letztlich doch von den Streikmaßnahmen überrascht wurden“ und verspricht, „auch bei folgenden Warnstreiks alles zu tun, dass sich Fahrtausfälle und Einschränkungen in Grenzen halten.“ Was die Bewertung des Arbeitskampfs angeht, findet der Dachverband der Kommunalen Arbeitgeber (KAV) deutliche Worte: „Die GDL sollte sich dazu durchringen, ihre Profilierung auf Kosten der Fahrgäste zu beenden.“ Schließlich habe man „mit der Mehrheit der Beschäftigten“ – sie sind bei ver.di organisiert – bereits am 20. August einen Kompromiss geschlossen. So sei neben der Lohnerhöhung um 3,5 Prozent ein Verfallsschutz für Nachtarbeitsstunden, eine Einmalzahlung von 240 Euro und eine Anrechnung der Vor- und Abschlusszeiten auf die Arbeitszeit vereinbart worden.

Wie geht’s jetzt weiter?

„Der Freitag war ein Schuss vor den Bug“, sagt Gewerkschaftsfunktionär Gelling. „Wir geben jetzt den Arbeitgebern übers Wochenende Zeit, ihre Positionen zu verändern.“ Für die kommende Woche sei „nichts ausgeschlossen“. Gut möglich, dass die GDL zu intensiveren Maßnahmen greifen wird. „Wir arbeiten derzeit zwei Pläne aus“, berichtet der GDL-Mann: Neue Verhandlungstermine finden, um endlich eine Einigung zu erzielen – und neue Streik-Aktionen.

Ob und wie die Gewerkschaftler weitermachen, zeigt sich nächste Woche.

Steffen Windschall

 

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