Lohnuntergrenzen Das bringt Mindestlohn

Arbeitgeber-Institut hat nachgerechnet: Werden angemessene Löhne gezahlt, sind keine Stellen in Gefahr

 

MÜNCHEN - Jürgen Thumann war sich vollkommen sicher. „Der Mindestlohn vernichtet Arbeitsplätze und schafft keine Arbeitsplätze“, sagte der damalige Boss des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, als die Union über Lohnuntergrenzen nachdachte. Mittlerweile ist der Mindestlohn in vielen Branchen Realität – doch Jobs wurden allen Unkenrufen zum Trotz nicht gestrichen.

Ausgerechnet das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft hat jetzt zusammengefasst, was sechs Forschunginstitute herausgefunden haben. Die Experten befragten Betriebe, führten Interviews durch und erstellten Fallstudien. Das Ergebnis: Die Mindestlöhne hatten „keine negativen Auswirkungen auf das Beschäftigungsniveau oder das Jobwachstum“.

Allerdings gab es sogenannte Verdrängungseffekte: So strichen Firmen der Abfallwirtschaft Vollzeitarbeitsplätze und stellten dafür Minijobber ein. Auch im Elektrohandwerk wichen die Arbeitgeber auf geringfügig Beschäftigte aus. Interessant ist die Entwicklung bei den Dachdeckern: Dort ersetzten die Arbeitgeber schlecht ausgebildete Mitarbeiter durch Fachkräfte, um für den höheren Lohn, den sie zahlen mussten, wenigstens bessere Arbeit zu bekommen.

Dass die Einführung der Mindestlöhne so gut geklappt hat, führen die Experten auch auf das gute Miteinander von Arbeitgebern und Gewerkschaften zurück. Die Tarifparteien hätten Einheitslösungen vermieden und statt dessen nach maßgeschneiderten Tarifen für die jeweilige Branche gesucht.

Ein Wermutstropfen für die Beschäftigten: Nicht immer führte der Mindestlohn dazu, dass sie unterm Strich wirklich mehr Geld in der Tasche hatten. Vielerorts strichen Arbeitgeber übertarifliche Extras, um die Belastungen durch die neue Lohnuntergrenze aufzufangen.

 

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