Löwen-Versammlung Delegiertenversammlung: Der Brückenbauer

Bilder von Delegiertenversammlung der Löwen Foto: sampics

Löwen-Boss Dieter Schneider gelingt es bei der Delegiertenversammlung, Dampf aus dem Streit mit Hasan Ismaik zu nehmen. Er wirbt sogar um Verständnis für den Investor, der 1860 brüskierte

 

München - 144 Minuten lief die Delegiertenversammlung des TSV 1860, als Vize-Präsident Franz Maget sich seines Jacketts entledigte und fortan hemdsärmlig durch die Versammlung führte. Das lag nicht an der Debatte, die Betreiber vom Versammlungslokal Heide-Volm in Planegg hatten es zu gut gemeint mit dem Aufdrehen der Heizung.

Es war ja einiges erwartet worden von dieser Delegiertenversammlung. „Im Moment bietet Sechzig ja wieder jede Menge Stoff“, hatte Präsident Dieter Schneider gleich zu Beginn gesagt. Damit meinte er natürlich nicht die neue Satzung, die innerhalb des letzten Jahres erstellt wurde, oder das Thema eigenes Stadion. Schneider meinte: die Besuche des „früheren Welttrainers“ (Schneider) Sven-Göran Eriksson bei 1860-Spielen und das seltsame Verhalten von Investor Hasan Ismaik.

Ja, es hätte einiges zu besprechen gegeben im Heide-Volm. Doch die Löwen präsentierten sich in Planegg so schmusebedürftig wie domestizierte Kätzchen – bis zur Entlastung des Präsidiums. Da bekamen Schneider, Maget und der zweite Vize Wolfgang Hauner eine kleine Watschn verpasst von den Delegierten. 47 der 173 Delegierten sprachen sich gegen eine Entlastung aus, 23 enthielten sich, der Unmut soll sich aber vor allem gegen Hauner und dessen Arbeit in der Satzungskommission gerichtet haben.

Es blieb der einzige Aufreger des Abends. Sogar Geschäftsführer Robert Schäfer erhielt erstmals bei einer Delegiertenversammlung Applaus.

Die Weichen für diese friedliche Atmosphäre hatte schon zu Beginn der Präsident gestellt. Schneider hatte sich in seiner Rede als ausgleichender Präsident gegeben, als Brückenbauer von Planegg. Der Anteilsverkauf an den Investor sei „auch im Rückblick nicht die einzig Lösung, aber die einzige Alternative zur Insolvenz“ gewesen. Aber am wichtigsten bei 1860 seien die Fans und Mitglieder. „Ein Verein ohne Mitglieder und Fans ist wie eine Badewanne ohne Wasser“, sagte der Präsident. Dafür bekam er Beifall. Der wurde stärker, als Schneider verkündete, dass die Markenrechte am Namen und Logo wieder beim Verein lägen.

Und die Löwen wollen weiter Herr im eigenen Haus bleiben. Den Zwist mit Ismaik in den letzten Tagen hat Schneider als unglücklich empfunden, allein, das würde nicht das Ende der Zusammenarbeit bedeuten. Im Gegenteil. Immer wieder versuchte Schneider, in seiner Rede Ismaik nicht zu brüskieren. Dessen Idee, Eriksson zu installieren, sei kein Erpressungsversuch gewesen. Keinesfalls. Sondern: „Das war ein guter Versuch unseres Partners, Dinge im Verein voranzutreiben.“ Nur Zeitpunkt und die Art und Weise wären etwas unglücklich gewesen. Dennoch: „Ich bin mir sicher, dass wir, sobald sich der Rauch gelegt hat, wieder zum gemeinsamen Weg der Kommunikation finden werden“, sagte er.

Auch über Ismaiks geplanten Strategiewechsel könnte man reden. Schneider: „Wir sträuben uns nicht bockbeinig und rechthaberisch gegen alles. Wir wollen nur, dass der Partner zuerst seine Pläne auf den Tisch legt, dann das Investitionsvolumen beschreibt und erklärt, wie die Investitionen abgesichert werden sollen.“ Dann könne man über alles reden. Sprich: 1860 möchte nicht auf einem riesigen Schuldenberg sitzen bleiben. Ob dies in Ismaik Sinne ist, ist offen. Doch die Blockadepolitik haben die Löwen verlassen.

 

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