Löwen-Stürmer Bobby Wood: Nächster Halt: Führerschein!

BOBBY WOOD NOTE 3 Hätte sich Rob Friend im Abschlusstraining nicht verletzt, wäre er wohl höchstens als Joker zum Einsatz gekommen. Diesmal meinte es das Schicksal gut mit dem Löwen. Wood traf, die Löwen siegten. Alles gut. Zumindest an diesem Samstag. Foto: dpa

Noch muss Bobby Wood mit der Tram zum Training fahren. Doch damit ist bald Schluss. Nicht nur neben dem Platz ist er auf der Überholspur. Längst ist der 20-Jährige nicht mehr die Nummer vier im Sturm

 

MÜNCHEN Bobby Wood hat es satt. Die Tram-Linie 25 hat ihm zwar gute Dienste geleistet, doch nun möchte er nicht länger als einziger Löwe mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Trainingsgelände kommen. Sein nächster Halt: Führerschein. Denn die Fahrerlaubnis, die er bereits in den USA gemacht hat, ist in Deutschland nicht gültig. Wood ist somit auf die Mitspieler angewiesen – oder eben auf die Tram.

Bislang übernimmt Mannschaftskollege Stefan Wannenwetsch die Rolle des Chauffeurs. „Es ist ein bisschen bitter, wenn ich immer jemanden fragen muss oder 20 Minuten auf die Tram warten muss”, meint er und arbeitet derweil an seiner Fahrerlaubnis. „Bisher läuft's gut mit dem Führerschein. Mein Fahrlehrer hat zumindest schon gesagt, dass ich gut fahren kann.” Na, bitte. „Ich habe gerade den Erste-Hilfe-Kurs gemacht. Nun muss ich für die Theorie-Prüfung lernen.”

Doch auch sportlich läuft’s bei dem Youngster. Eindeutig: Wood wurde zum Hoffnungsträger chauffiert. Dabei kommt ihm freilich zugute, dass seine erste Bezugsperson, die er seit 2006 und im Alter von 14 Jahren bei 1860 hatte, heute Trainer der Profis ist. Damals war Alexander Schmidt noch für die Nachwuchsmannschaft verantwortlich. Jahre später, als Trainer der Profimannschaft, holte er den 20-Jährigen an seinem ersten Amtstag von der U21 in den Profikader. Vom Junioren-Stürmer zum Hoffnungsträger in der zweiten Liga. Auch am Freitag wird Wood gegen Bochum wohl in der Startelf stehen.

In seiner neuen Rolle hat sich der 20-Jährige bislang gut verkauft, erzielte in Aalen (1:1) und zuletzt in Duisburg (3:1) seine ersten Treffer in der zweiten Liga. „Ich will so viele Tore machen wie ich kann”, sagt Wood und meint, dass er seine Chance bislang „ein bisschen” genutzt habe. Die Bescheidenheit eines 20-Jährigen, eines der Küken der Mannschaft. Zum Vergleich: Zwischen Wood und Gabor Kiraly, dem ältesten Löwen, liegen 16 Jahre.

Dennoch baut Alexander Schmidt weiterhin auf seinen Nachwuchsstürmer. Nach seiner starken Partie in Duisburg und der Adduktoren-Verletzung von Stürmer Rob Friend baut Trainer Alexander Schmidt auf ihn. Ein Wood für alle Fälle eben. „Klar möchte ich in jedem Spiel von Anfang an spielen. Aber wer will das nicht?” Doch auch nach der Rückkehr von Benny Lauth, der auf Grund seiner Tätlichkeit für vier Spiele gesperrt war, bleibt er aller Wahrscheinlichkeit nach auch am Freitagabend gegen den VfL Bochum (18 Uhr, Sky und Ligatotal!) in der Startelf. Denn Ola Kamara, der wie Friend erst in der Winterpause zu den Löwen gestoßen ist, konnte zuletzt wenig überzeugen. „Der Trainer hat zu mir gesagt, dass ich zur Zeit gut drauf bin. Jetzt will ich weiter Gas geben.” Und weiter lernen. Nicht nur für den Führerschein. „Die Verpflichtungen in der Winterpause waren sehr gut. Für mich ist es zwar Konkurrenz, aber ich kann man viel von ihnen abschauen. Von Rob etwa, wie man den Körper richtig hereinstellt.”

Woods Vorteil ist allerdings, so merkwürdig das klingen mag, sein junges Alter. Denn Alexander Schmidt wird nicht müde zu sagen, dass er junge und vor allem laufstarke Spieler für sein Spiel benötige. Das frühe Angreifen des Gegners kostet viel Kraft, für Wood ist diese Spielweise genau sein Genre. Da überrascht es nicht, dass die Löwen den Vertrag mit ihm, dessen Mutter aus Japan und sein Vater aus Amerika stammt, kürzlich verlängerten. Sein erster Profivertrag, gleich bis 2016. Alexander Schmidt sagte: „Ich wollte nicht, dass wir schon wieder Talente an Bundesligisten für ein Butterbrot verlieren."

So wird Wood auch weiterhin für die Löwen auf Torejagd gehen – und nebenbei dafür sorgen, dass er auch außerhalb des Platzes ganz alleine ankommt.

 

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